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Über Jahrzehnte glaubte man, es handle sich beim Awtowelo Sokol um einen Rennwagen der Auto Union.
Über Jahrzehnte glaubte man, es handle sich beim Awtowelo Sokol um einen Rennwagen der Auto Union.
Freitag, 12. Oktober 2018

Awtowelo Sokol, der Falke: Stalins Rennwagen kommt nach Hamburg

Es war der Sohn von Josef Stalin, der unbedingt einen wettbewerbsfähigen Rennwagen haben wollte. In Eisenach gebaut, war der Awtowelo Sokol jahrzehntelang verschollen. Jetzt ist er wieder aufgetaucht und präsentiert sich einem breiten Publikum.

Wenn am 19. Oktober in Hamburg die Messe Motor Classics ihre Tore öffnet, dann wird unter den vielen Raritäten ein ganz besonderes Unikat in den Messehallen dabei sein: der Awtowelo Sokol. Der Rennwagen, der nach Plänen der Auto Union gebaut wurde, entstand auf Drängen des jüngsten Sohnes des damaligen sowjetischen Diktators Josef Stalin, Wassili Stalin, um an internationalen Rennen der Formel 2 teilzunehmen. Dazu kam es nie, was die Geschichte des Sportwagens nicht uninteressanter macht.

Die Wiege steht in Eisenach

In Russland hieß der Wagen offiziell "Falke-650".
In Russland hieß der Wagen offiziell "Falke-650".

Die Wiege des Awtowelo Sokol steht in Eisenach. Noch während des Zweiten Weltkrieges begann die Auto Union dort mit der Produktion ihrer Rennwagen. Die musste aber nach kurzer Zeit unterbrochen werden, denn die nationalsozialistische Führung forderte die Herstellung von Kriegsgeräten. Um die bereits produzierten Fahrzeugteile, Zeichnungen und Versuchsberichte zu schützen, wurden sie in einem Depot der Auto Union eingelagert. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass gerade diese Lagerhalle im Jahr 1944 abbrannte und sich die Idee eines Rennwagens vorerst in Rauch auflöste.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete sich in Eisenach die sowjetische Aktiengesellschaft Awtowelo. Zur gleichen Zeit eröffnete ein automobiltechnisches Büro der Auto Union in Chemnitz. Im Jahr 1949 bekam genau dieses Büro von Wassili Stalin den Auftrag, schnellstmöglich einen wettbewerbsfähigen Rennwagen zu konstruieren. Da die Zeit knapp war, griffen die Ingenieure auf die bestehenden, aber nur lückenhaft überlieferten Konzepte der Auto Union zurück. Am Ende wurden sogar zwei - intern als Falke bezeichnete - Rennwagen für einen Wettkampf in Moskau fertiggestellt. Ihr Können durften sie aber nie unter Beweis stellen.

In Donington wiederentdeckt

Später wurde einer der Wagen zerlegt, der andere ging durch diverse Sammlerhände, bis er schließlich einen Platz in der "Grand Prix Exhibition" im britischen Donington fand. "Der Wagen kam 1978 über eine Außenhandelsfirma der DDR nach Donington", erklärt der Ausstellungsleiter des "PS.Speicher" in Einbeck, Sascha Fillies. "Nur hielt man ihn dort für einen Rennwagen der Auto Union und kennzeichnete ihn auch so." Das war auch der Grund, warum der Awtowelo Sokol bis zum Jahr 2012 als verschollen galt.

Es war Heinz Rehkopf, der Stifter des PS.Speichers, der die Rarität erkannte und schließlich auch für eine Sonderausstellung des Museums erwerben konnte. Dem breiten Publikum wird das "Stalinauto" jetzt neben anderen Preziosen vom 19. bis 21. Oktober auf der Hamburg Motor Classics gezeigt.

Quelle: n-tv.de