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Concept Fire Truck Tatütata, die Zukunft ist da

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So stellt sich Rosenbauer das Feuerwehrauto der Zukunft vor.

Bessere Ergonomie, höhere Dynamik, mehr Platz für Mannschaft und Gerät - die Firma Rosenbauer hat das Feuerwehr-Auto der Zukunft nicht nur erdacht, sondern auch auf die Räder gestellt.

Die Autoindustrie fährt mit Vollgas der Zukunft entgegen, bei den Nutzfahrzeugen dagegen ist das Tempo deutlich langsamer. Zwar sind manche Assistenzsysteme im Lkw-Bereich schon lange Serie, ehe sie in den Personenwagen Einzug halten. Von revolutionären Entwicklungen, wie sie vor Kurzem die Firma Rosenbauer vorgebracht hat, begegnen einem aber nur selten: Der österreichische Fahrzeugbauer hat sich Gedanken um die Zukunft der Feuerwehrautos gemach, und mit dem Concept Fire Truck seine Vision gleich auf die Räder gestellt.

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Viele Feuerwehrleute in Deutschland üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den jungen, durchtrainierten Berufs-Feuerwehrmann, der mit links den schweren Löschschlauch zum Brandherd schleppt, kleine Kätzchen ohne Leiter aus dem Baum rettet und die Zeit zwischen den Einsätzen am liebsten im Sport-Studio verbringt – den gibt es natürlich immer noch. Doch die Realität sieht in vielen Wachen mittlerweile ein bisschen anders aus, vor allem bei den Freiwilligen, die das Gros der Brandschützer ausmachen: nur rund sieben Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland sind hauptberuflich als Brandbekämpfer beschäftigt!

Die Mehrheit der Ehrenamtler dagegen hat zwischen Arbeit, Familie und Freizeit nicht unbedingt noch so große Lücken im Kalender, um sich auf dem Fitness-Level eins Wettkampfsportlers zu halten. Noch dazu plagen viele Feuerwehren Nachwuchssorgen: Junge Einsteiger fehlen, die Aktiven werden immer älter. Und damit auch etwas eingeschränkter in ihrer Mobilität. Plötzlich treten dann Schwierigkeiten auf, die man bisher gar nicht wahrgenommen hat. Zum Beispiel der Einstieg ins Feuerwehrauto.

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Bis dato bauen die Feuerwehrautos auf ganz normalen Lkw auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die heute eingesetzten Löschwagen sind nämlich in der Regel handelsübliche Lkw, die von Spezialisten wie Rosenbauer zu Einsatzfahrzeugen umgebaut werden. Und wie bei einem Lastkraftwagen – zumindest in weiten Teilen der Welt – üblich, sitzt das Führerhaus über dem Motor. Wer im Feuerwehrauto also hinters Steuer oder auf die Rückbank will, muss erstmal hochklettern. Das ist umständlich, anstrengend – und kostet nicht zuletzt mitunter auch wertvolle Zeit, die im Ernstfall enorm wichtig sein kann.

Komplett neu erdacht

Die Rosenbauer-Experten suchen schon seit einiger Zeit nach einer Lösung für dieses Problem. Doch der einfachste Weg, auf die amerikanische Bauweise umzusteigen, die den Motor vor oder im Fahrerhaus unterbringt, ist nicht wirklich gangbar. Dadurch würden die Fahrzeuge noch länger, noch unhandlicher oder noch enger werden. Schnell wurde klar: Das Feuerwehr-Auto muss ganz neu gedacht werden – und kann dabei gleich in mehreren Punkten optimiert werden. Neben der verbesserten Ergonomie, haben die Ingenieure bei ihrer Tüftelei auch das Handling und eine effizientere Raumausnutzung im Blick gehabt.

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Der Einstieg in den Rosenbauer-Feuerwehrwagen erfolgt nahezu ebenerdig.

Nach Jahren des Grübelns und Ausprobierens konnte die Entwicklungsmannschaft zum 150. Rosenbauer-Firmenjubiläum im Jahr 2016 erste Erfolge vermelden: ein gelb-grau lackiertes Spezialfahrzeug, dass auf den Namen Concept Fire Truck (CFT) hört und bereits in einer ersten Ausbaustufe Antworten auf zahlreiche Fragen gibt. Auffälligstes Merkmal: Wie in einen Linienbus steigt man mehr oder weniger ebenerdig ein und muss nicht mehr nach oben kraxeln. Möglich macht das eine ganz andere Herangehensweise: Statt ein handelsüblichen Lkw-Fahrgestell aufzuschneiden und den Spezialaufbau anzuflanschen, ist der CFT komplett neu aufgebaut. Wie bei einem Wohnmobil bilden Fahrgestell, Fahrerkabine und Aufbau eine Einheit.

Motor und Getriebe waren im Weg

Um das zu realisieren, mussten allerdings Motor, Getriebe und Antriebswellen irgendwo anders untergebracht werden: So ein Lkw-Diesel baut nicht gerade klein, die Übersetzung auch nicht, und dann muss die Kraft ja auch noch an die Räder gebracht werden. Doch auch mit viel Hirnschmalz und Ingenieurs-Geschickt wollten die Techniker keine Lösung finden. Also blieb nur eins übrig: Der Motor musste weg. Statt auf einen großvolumigen Verbrenner zu setzen, fährt der Concept Fire Truck elektrisch.

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Vier Elektromotoren treiben den Rosenbauer-Feuerwehrwagen an.

Vier Elektromotoren kommen zum Einsatz, jede der beiden Achsen wird von zwei Motoren angetrieben. Gemeinsam stellen die zwei Aggregate 350 kW Leistung bereit, der Strom dafür kommt aus einer derzeit noch 20-kWh-Batterie. Das klingt nach ziemlich wenig, kommen doch schon im Pkw deutlich größere Akkus zum Einsatz. Und ein normales Auto ist dazu noch deutlich kleiner und leichter; der Concept Fire Truck misst stolze 7,60 Meter und bringt leer schon zehneinhalb Tonnen auf die Waage.

20 Kilometer Reichweite sind genug

Trotzdem reicht der Energievorrat schon jetzt für rund 20 Kilometer, was für die allermeisten Einsätze genauso genügend ist, wie die maximal 110 km/h Höchstgeschwindigkeit. Rosenbauer hat im Vorfeld der Entwicklung zahlreiche Daten von Feuerwehrfahrzeugen ausgewertet, die im Alltagsbetrieb im Schnitt sechs- bis achtmal pro Tag ausgerückt sind, aber pro Fahrt in der Regel weniger als zehn Kilometer zurück gelegt haben. Dazu kommen Standzeiten in der Wache zwischen den Einsätzen von fast immer mehr als einer Stunde. Diese Zeit genügt zwar noch nicht, um den Akku wieder komplett aufzufüllen. Die Studie lädt mit geringen 3,6 kW, es dauert also knapp sechs Stunden bis die Batterie wieder randvoll ist.

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Die Serienreife wird noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Doch bis zu einer möglichen Serienreife in einigen Jahren sollte sich die Ladeleistung problemlos nach oben schrauben lassen. Vor allem aber setzt der Concept Fire Truck nicht ausschließlich auf die Energie aus dem Akku. Im CFT arbeitet auch noch ein Dieselmotor als Range Extender, der die Reichweite auf viele hundert Kilometer ansteigen lässt; nur der Tankinhalt begrenzt schließlich noch den Aktionsradius. Der Vorteil des Range Extenders: Da der Verbrenner nur zur Stromerzeugung dient, kann er relativ frei im Heck, zwischen Löschschläuchen, Wasservorrat und schwerem Gerät platziert werden und ist sprichwörtlich kaum im Weg.

Ohne Diesel geht es kaum

Über eine reinelektrische Variante des Concept Fire Trucks denkt Rosenbauer bereits ebenfalls nach, allerdings ist die Reichweite nicht die einzige Hürde. Die ließe sich durch eine größere Batterie und eine optimierte Ladeinfrastruktur relativ problemlos lösen. Deutlich schwieriger gestaltet sich der Betrieb der Löschpumpe, die bei klassischen Feuerwehrautos vom Dieselmotor über eine Zapfwelle angetrieben wird – und die im Maximalbetrieb bis zu 130 kW Leistung anfordert. Die Feuerwehrnorm schreibt außerdem vor, dass die Pumpe mindestens vier Stunden am Stück laufen können muss. Rein rechnerisch wären also mehr als 500 kWh Akkukapazität allein für die Pumpe nötig, und eine Batterie dieser Größe wiegt gut und gern fünf Tonnen. Nutzlast und Stauraum, die zu Lasten von Ausrüstung, Wasser und Löschschaum gehen würden.

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Bis dahin wird die Feuerwehr auch weiter mit Dieselfahrzeugen zum Einsatz fahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

In der Praxis sieht die Sache noch einmal ganz anders aus: Den meisten Feuerwehren reichen die gesetzlich vorgeschriebenen vier Stunden Einsatzdauer nicht aus. Wenn’s passiert, muss die Pumpe auch rund um die Uhr laufen können, so die Ansage der Einkäufer. Das ist beim CFT – wie bei jedem konventionellen Feuerwehrauto – möglich, da der Diesel auch im Stand nachgetankt werden kann. Für einen reinen Elektro-Betrieb bräuchte es dagegen eine ziemlich starke Stromleitung, was in der Praxis schier unmöglich ist.

Bis die Feuerwehr komplett ohne fossilen Brennstoff auskommt, wird also noch einige Zeit vergehen. Der elektrische Fahrantrieb spielt aber schon jetzt seine Trümpfe aus. Deutlich leichtfüßiger als ein Diesel-Lkw setzt sich der CFT in Gang und ist dabei auch um einiges leiser. Und das wiederum kommt der Besatzung zu Gute, denn Lärm ist in Stresssituationen – wie sie jeder Einsatz nunmal darstellt – eine zusätzliche Belastung für Körper und Geist.

Besseres Handling und Allradantrieb

Durch die Verteilung der beiden E-Motoren auf Vorder- und Hinterachse fährt der Concept Fire Truck mit Allradantrieb vor, und zusammen mit dem tieferen Schwerpunkt und zusätzlich mitlenkenden Hinterrädern soll das Fahrverhalten deutlich dynamischer sein also bisher. Das erhöht im Ernstfall die Sicherheit und verkürzt eventuell auch noch die Zeit bis zum Eintreffen am Einsatzort. Damit die Besatzung trotz der gesteigerten Dynamik heil ans Ziel kommt, hat sich Rosenbauer auch des Innenraums angenommen. Zwar wollen die Österreicher über das Interieur-Konzept mit Space-Shuttle-Ambiente noch nicht viel Preis geben. Fest zupackende Einzelsitze mit Hosenträger-Gurt sind aber auf jeden Fall Pflicht, wenn der CFT sich mit voller Elektro-Kraft in die Kurve wirft.

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Ab 2021 sollen die Feuerwehrleute in den Fire Truck von Rosenbauer einsteigen können.

(Foto: picture alliance/dpa)

Damit der Concept Fire Truck möglichst überall problemlos hinkommt, setzten die Entwickler zusätzlich auf eine Luftfederung. So lässt sich der CFT von normal 25 Zentimeter Bodenfreiheit auf 350 Millimeter anheben. Leichtes Gelände ist Allrad sei Dank dann kein Problem mehr, und auch wenn Straßen, zum Beispiel nach wegen umgestürzter Bäume nach einem Sturm oder hoher Schneemaßen, nur schwer passierbar sind, hat der CFT so bessere Karten. Umgekehrt lässt sich der Druck auch um zehn Zentimeter absenken. Dadurch lässt sich noch problemloser Einsteigen und auch der Zugang zu den im Heck untergebrachten Maschinen und Geräten wird erleichtert.

Die Zukunft wird in Berlin erprobt

Ob der Concept Fire Truck wirklich die Lösung auf alle Probleme der Feuerwehr ist, muss sich erst noch zeigen. Dass die Rosenbauer-Studie ziemlich durchdacht ist, steht außer Zweifel, und auch der Prototyp macht bereits eine ordentliche Figur. Und Rosenbauer gibt sich ziemlich selbstbewusst: Die Österreicher sprechen von einem möglichen Verkaufsstart im Jahr 2021 und prognostizieren, dass 2025 bereits 700 bis 800 Fahrzeuge im Einsatz sein könnten. Erst kürzlich hat Rosenbauer außerdem mit Volvos Motoren-Sparte Penta vereinbart, dass die Schweden ihr Elektro-Antriebssystem für Lkw so anpassen, dass es zukünftig auch in den Feuerwehrautos eingesetzt werden kann.

Ob der Start-Termin wirklich eingehalten werden kann, ist allerdings fraglich, denn einen ersten Feldversuch will Rosenbauer ebenfalls erst 2021 beginnen: Dann darf die Berliner Feuerwehr Zukunftsluft schnuppern und kann mit ihren Alltagserfahrungen sicher einen großen Beitrag zur Weiterentwicklung des Feuerwehr-Autos 2.0 leisten. Ob durch die Hauptstadt allerdings wirklich schon neon-grau-weiß-lackierte Future-Feuerwehrautos mit Blaulicht flitzen, ist unwahrscheinlich. Rosenbauer und die Berliner Brandschützer sprechen bislang nur von einem Erprobungs-Fahrzeug auf CFT-Basis.

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Quelle: n-tv.de

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