Auto-Ersatzteile oft gefälschtTeure "Schnäppchen"
Weltweit stammt nach Branchenschätzungen etwa jedes zehnte Auto-Ersatzteil aus illegalen Quellen - häufig ist es dabei von minderwertiger Qualität.
Die Geschäfte in Russland bereiten dem ContiTech-Manager Ulrich Huth derzeit nicht sehr viel Freude. Der Zulieferer sieht sich einer Welle von in Asien gefälschter Conti-Antriebsriemen für Automotoren gegenüber. "Das Design von Verpackung und Riemen ist komplett kopiert", sagt Huth.
Der Autozulieferer Continental steht mit diesem Problem nicht alleine. Weltweit stammt nach Branchenschätzungen etwa jedes zehnte Auto-Ersatzteil aus illegalen Quellen - viele davon in minderwertiger Qualität. Mit moderner Technik wollen sich die Originalhersteller gegen die Produktpiraten wehren.
Besonders betroffen sieht sich Weltmarktführer Bosch. "Je stärker die Marke ist, desto mehr wird gefälscht. Produktfälschung wird zunehmend ein Problem ", sagt Geschäftsführungsmitglied Peter Tyroller. Ähnlich lautet die Einschätzung beim Stuttgarter Zulieferer Mahle. "Es gibt eine zunehmende Zahl von Nachahmungen von Produkten westlicher Hersteller und dies wird weiter zunehmen", erklärt der für das Endkunden-Geschäft zuständige Manager Arnd Franz.
Es gibt kaum ein Autoteil, das nicht nachgemacht wird. Während der Fachmesse Automechanika in Frankfurt hat das Hauptzollamt Darmstadt nach Worten seiner Sprecherin Kirsten Jung 500 Aussteller aus Nicht-EU-Ländern kontrolliert und bei 43 von ihnen Plagiate eingezogen. Das Spektrum reicht dabei von ohne Lizenz gefertigten Fußmatten mit Snoopy-Motiven über Bremsbeläge bis hin zu kompletten Lenkgetrieben.
Fälschungen auch in Deutschland
Gefälscht werden Teile nach Experteneinschätzung in aller Welt, nicht nur im dafür häufig gescholtenen China. Verkauft werden die Plagiate nach Einschätzung des Conti-Entwicklers Norbert Manger zufolge meist in freien, nicht-zertifizierten Werkstätten, inzwischen auch vermehrt auf dem deutschen Markt. Doch das vermeintliche Schnäppchen kann Autobesitzer wie auch die Werkstatt teuer zu stehen kommen. "Reißt einer dieser gefälschten Riemen, so kann er so großen Schaden am Motor verursachen, dass mindestens der Zylinderkopf ausgetauscht werden muss", erklärt Conti-Mann Huth. In Deutschland müsse in diesem Fall mit Reparaturkosten von rund 1.000 Euro gerechnet werden. Die Kosten bleiben nicht nur beim Autofahrer oder der Werkstatt hängen. Auch die Originalteile-Hersteller können belangt werden für Fälschungen, die ihr Logo oder ihren Schriftzug tragen, erklärt Ulrich Jürgensen vom Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM), einem Lobby-Verband der deutschen Industrie.
Fälschungen bringen die Originalhersteller nicht nur um ihren Umsatz, sondern können auch das Image einer Marke zerstören. Dies kann böse Folgen für die Zukunft einer Firma haben. "Innovationen werden nicht mehr belohnt, wenn ein Fälscher sie sich zunutze macht", sagt APM-Jurist Jürgensen.
Hersteller setzen auf Sicherheitstechnik
Um der Produktpiraterie einen Riegel vorzuschieben, setzen die Hersteller auf Sicherheitstechnik. "Das ist ein gigantisch wachsender Markt", sagt Reinhardt Martin von Tesa Scribos. Die Tesa-Tochter hat 2003 ein digitales Hologramm, den Holospot, auf den Markt gebracht. Er liefere eine Art individuelle Seriennummer, die am Computer erstellt und mit bis zu vier Verschlüsselungsebenen versehen auf ein Produkt geklebt wird. Je nach Ausstattung liegt der Preis für einen Holospot im einstelligen Centbereich. "Das ist also auch für Massenprodukte rentabel", sagt Martin. Zum Einsatz kommt die Technik beispielsweise beim Zulieferer Siemens VDO. "Wir nutzen dieses Kennzeichnungssystem schon heute für die am häufigsten kopierten Produkte aus unserem Kraftstoffsysteme- und Motorelemente-Programm", erklärt das Unternehmen.
Messen wie die Automechanika erleichtern es Originalteileherstellern, Fälschungen ihrer Produkte zu entdecken, zumal die Verantwortlichen Aussteller und Besucher für die Thematik sensibilisieren. "Gefälschte Ware kann von den Behörden eingezogen werden", erläutert Marcus Kühne Geschmacksmuster-Referent beim Deutschen Patent- und Markenamt. Damit Firmen ihre Ansprüche aber durchsetzen können, müssen sie ihre Rechte eintragen lassen. "Das kostet eben auch Geld und kleine Firmen müssen sich immer auch fragen, ob sich das für sie lohnt. "
Stefan Schaaf, Reuters