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Geld verdienen mit dem E-Auto? Über Nacht ein Zwischenspeicher

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Nur wer Bidirektional laden kann, der kann sein Auto zum gewinnbringenden Zwischenspeicher machen.

(Foto: Audi)

Wer sich ein E-Auto kauft, kann damit über Nacht Geld verdienen! Echt? Ja, wenn er es dem Stromanbieter als Zwischenspeicher zur Verfügung stellt und die dort gebunkerten Energie wieder verkauft.

E-Autos müssen den in ihren Akkus gespeicherten Strom nicht selbst nutzen, sie können ihn auch an andere verkaufen. Künftig werden sich Elektro-Mobilisten so ein paar Euro dazuverdienen. Doch noch ist unklar, wann – und auch wie lange – das klappt.

Auf bis zu 1000 Euro pro Jahr schätzen Experten die künftig möglichen Nebenverdienste von E-Auto-Haltern. Gezahlt werden sie – so die Idee - entweder von den Stromkonzernen, die die Batterien der geparkten E-Autos als Regelleistungs-Puffer für die Netzstabilität nutzen. Oder sie ergeben sich aus Kursgewinnen an der Strombörse. Wer dort günstig tankt und später zu einem höheren Preis zurückspeist, darf sich über die Differenz freuen ("Intraday-Handel"). Soweit die Theorie.

Die Hürde ist technischer Natur

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Momentan sind es vor allem japanische Autos die bidirektional laden können. Wie zum Beispiel der Honda e.

(Foto: Honda)

Praktisch existiert zunächst einmal eine technische Hürde: Denn das Auto muss in der Lage sein, Strom nicht nur aufzunehmen, sondern ihn auch wieder abzugeben. "Bidirektionales Laden" lautet der entsprechende Fachausdruck. Dieses allerdings beherrschen bislang die wenigsten E-Autos, darunter vor allem japanische Modelle wie der Nissan Leaf, der Mitsubishi Outlander oder der Honda e. In deren immer wieder von Naturkatastrophen betroffenen Heimat ist die autonome Stromversorgung aus dem Auto-Akku heraus vor allem für Privathaushalte interessant.

In Westeuropa hingegen ist das Stromnetz vergleichsweise stabil, weshalb die Autohersteller hierzulande bislang weitgehend auf diese Technik verzichten. Zudem dürften sie Bedenken wegen der Batterie-Haltbarkeit gehabt haben. Denn ständiges Laden und Entladen tut dem Stromspeicher nicht gut. Die geringen Leistungen beim bidirektionalen Laden sind aber wohl nur wenig belastend.

Das passende Auto allein reicht für bidirektionales Laden allerdings nicht. Um Strom ins Netz zurückzuspeisen, benötigt man auch ein geeignetes Ladegerät – eine konventionelle Wallbox für ein paar Hundert Euro reicht da nicht aus. Bidirektionale Lader kosten aktuell eher 5000 bis 10.000 Euro. Eine Investition, die sich allein über den Verkauf von Strom beziehungsweise Regelleistung nicht rechnet.

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Noch sind die rechtlichen und finanziellen Regeln, wie der Stromtransfers von Privatpersonen ins Netz unklar.

(Foto: VW)

Die Ladetechnik dürfte wie jede neue Massentechnologie mit Hochfahren der Produktion günstiger werden. Und auch die Fähigkeit zu bidirektionalem Laden ist keine Raketenwissenschaft – bei neuen E-Autotypen dürfte sie sich ohne größere Probleme installieren lassen. Dass das noch nicht passiert ist, hat wohl nicht zuletzt regulatorische Gründe. Geregelt und normiert wird die V2G-Technik unter anderem durch die ISO 15118, die bislang aber weder von der Energie- noch von der Autobranche konsequent umgesetzt wird. Das hat unterschiedliche Gründe – viele davon hängen damit zusammen, dass die Norm auch die sogenannte "Plug-and-Charge"-Technik regelt, bei der die Ladesäule das angeschlossene E-Auto automatisch erkennt, sodass die heute so übliche wie umständliche Tankkarten- und App-Authentifizierung nicht mehr nötig ist.

Rechtliche Lücken

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Doch nicht nur auf technischer Ebene fehlen Regelungen. Auch rechtlich und finanziell ist bislang nicht klar, wie Stromtransfers von Privatpersonen ins Netz abgerechnet, abgesichert und abgegolten werden. Entsprechende Modelle dürften sich erst entwickeln, wenn einerseits die technischen Möglichkeiten auf Fahrzeug- und Infrastrukturseite flächendeckend vorhanden sind. Und andererseits der Ausbau der erneuerbaren Energien voranschreitet. Denn vor allem die schwankende Sonnen- und Windkraftausbeute verlangt nach genau der Regelleistung, die die geparkten E-Autos erbringen könnten.

Doch ein Siegeszug der Elektromobile würde dieses Geschäftsmodell mittelfristig wieder bedrohen. Denn in ihrem Fahrwasser würde eine attraktive Alternative zum „rollenden Zwischenspeicher“ mitschwimmen: die Gebrauchtbatterie. Sind stationäre Stromspeicher heute noch sehr teuer, dürften sie mit einer steigenden Zahl ausgemusterter E-Auto-Akkus deutlich günstiger werden. Und so vielleicht zur ersten Wahl bei Pufferspeichern.

Quelle: ntv.de