Nicht mehr nur OrginalteileVerwirrung im Ersatzteilgeschäft
Bislang galt bei Autoreparaturen ein einfaches Prinzip: Teuer mit Originalteilen, billig mit Ersatzteile anderer Hersteller. Künftig könnten auch Originalteilen billiger werden.
Bislang galt bei Autoreparaturen ein einfaches Prinzip: Sollte der Wagen optimal und ohne allzu große Rücksicht auf Kosten in Stand gesetzt werden, wurde mit Originalteilen der Autohersteller gearbeitet. Sollte es billiger werden, wurde auf Ersatzteile anderer Produzenten zurückgegriffen. Künftig könnte es auch mit Originalteilen billiger werden.
Denn laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn dürfen nun auch Teile von Zulieferfirmen diese Bezeichnung tragen. Hintergrund ist eine neue europäische Regelung, die so genannte Gruppenfreistellungsverordnung (GVO). Danach dürfen laut Professor Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center of Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen, auch Zulieferer Produkte als Originalteile verkaufen oder andersherum Werkstätten Originalteile vom Zulieferer beziehen.
Prinzipiell ist es schon lange so, dass ein Produkt eines Zulieferers ein mit dem Original identisches Teil sein kann. „Die Autohersteller fertigen heute nur noch etwa 20 Prozent der Teile eines Fahrzeugs selbst“, so Ulrich May, Jurist beim ADAC in München. Den Rest lieferten Fremdfirmen, die Zulieferer. Einmal beim Autohersteller angelangt, werden die Produkte dann als Originalteil verbaut beziehungsweise vom Autohersteller als solches angeboten.
Für die Kunden in den Werkstätten könnte die neue Regelung eine Kostenersparnis bedeuten. „Bei den Originalteilen der Hersteller wird gewaltig 'was draufgeschlagen“, so May. „In Einzelfällen kann sich der Preis eines solchen Teils mehr als verdreifachen.“ Im Durchschnitt liegen die Aufschläge zwar niedriger, sind aber immer noch spürbar. So geht ZDK-Sprecher Helmut Blümer von durchschnittlichen Aufschlägen von 30 bis 70 Prozent aus.
Doch noch brauchen sich die Hersteller offenbar nicht um ihre Einnahmequelle zu sorgen. „Der Kunde fragt nach wie vor nicht nach den Originalteilen vom Zulieferer“, sagt Helmut Blümer. „Auch in den Werkstätten selbst gibt es noch Unsicherheiten.“ Hinzu kommt, dass die Zulieferer ihre neue Geschäftschance noch nicht wirklich beim Schopf gepackt haben. Laut Dudenhöffer gibt es bislang keine Hinweise, dass sie schon das neue Marktpotenzial ausloten.
Die Stellungnahmen der Firmen zu diesem Thema sind zudem zurückhaltend. „Wir versuchen einen Weg zu gehen, der sowohl den Herstellern als auch dem Handel gerecht wird“, sagt Ulrich Köster, Sprecher von Hella in Lippstadt. Bosch in Stuttgart hält nach eigenen Angaben daran fest, nicht die Werkstätten, sondern den Großhandel und die Zentralen der Kfz-Hersteller zu beliefern. Sicher ist, dass die Zulieferer sich in einer Zwickmühle befinden: Sie liefern ihre Produkte an Autohersteller, die mit dem Ersatzteilverkauf Geld verdienen - die Zulieferer würden also ihren Kunden unter Umständen einen Teil des Marktes wegnehmen.
Bei den Autoherstellern sieht man offiziell kein Problem mit den Originalteilen vom Zulieferer. So weist BMW in München mit großen Anzeigenkampagnen zwar auf die Vorzüge der Werks-Originalteile hin, will dies aber nicht als ausschließlichen Verkaufsanreiz für die eigenen Teile verstanden wissen. „Wir bewerben damit unseren Service als Gesamtheit“, erklärt BMW-Sprecher Uwe Mahla.
Die Fachleute gehen davon aus, dass die Lage sich mit der Zeit entspannen wird. „Es wird sich bessern und es wird mehr Freiheiten auf dem Ersatzteilmarkt geben“, meint Ulrich May vom ADAC. „Der Wettbewerb im Reparaturbereich wird steigen.“