Auto

Panamera wird zum SparmeisterZweiter Diesel-Porsche rollt an

21.07.2011, 13:17 Uhr
imagevon Axel F. Busse

Wäre es nach dem damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gegangen, hätte die Marke heute noch kein Diesel-Fahrzeug im Angebot. Aber Wiedeking ist Geschichte, ebenso die Abneigung gegen Selbstzünder-Motoren. Noch in diesem Sommer geht mit dem Panamera der zweite Diesel-Porsche an den Start.

Der Porsche Panamera, eine fast fünf Meter lange Limousine mit dem coupéhaften Heck, wird ab August mit Saug- und Turbo-Benziner sowie einen Hybrid-Antrieb lieferbar sein. Das neueste Modell hat nach Werksangaben einen Normverbrauch von 6,3 Litern je 100 Kilometer und ist der genügsamste Porsche des gesamten Angebots. Freilich muss man erstmal 80.183 Euro locker machen, um sich solch ein Exemplar in die Garage stellen zu können.

Diesel und Porsche – das kann man getrost als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Der erste große Wurf gelang der damals noch selbstständigen Sportwagenschmiede mit dem SUV Cayenne. Im Krisenjahr 2009, als die Verkäufe der Konkurrenz teilweise um 50 Prozent einbrachen, wurde der sportliche Geländewagen mit dem Glühkerzen-Motor zum Retter der Baureihe. Die M-Klasse von Mercedes, der X5 vom BMW und der Audi Q7, die von Beginn an sowohl Benziner als auch Dieselmotoren in ihren Autos verbaut hatten, knickten bei den Zulassungszahlen ein. Der Cayenne konnte dank des zusätzlichen Motorangebots seine Stückzahlen auf dem deutschen Markt mit geringen Einbußen halten.

Vom Motor 25 Kilo abgespeckt

Der Panamera nutzt den gleichen Dreiliter-V6-Motor, doch das Selbstbewusstsein der Porsche-Ingenieure ließ es wohl nicht zu, das Audi-Aggregat unmodifiziert zu übernehmen. Durch konsequentes Abspecken ist es gelungen, an dem 250-PS-Triebwerk 25 Kilogramm Gewicht zu sparen. Durch leichtere Legierungen und Werkstoffe wie Magnesium waren am Kurbelgehäuse dünnere Wandstärken möglich, statt vier Steuerketten braucht der überarbeitete Motor nur noch zwei. Kurbelwelle und Sauganlage wurden erleichtert, der Nockenwellendurchmesser reduziert. 193 Kilogramm bringt der Motor noch auf die Waage. Ihn auch zur Erfüllung der Euro-6-Norm zu befähigen, wird zurzeit bei Porsche nicht als vordringliche Aufgabe angesehen. Als Kraftübertragung dient ausschließlich die start-stopp-fähige Achtgangautomatik, auf eine optionale Handschaltung wie beim V6-Benziner wird verzichtet.

Äußerlich tarnt sich der Newcomer nahezu perfekt. Lediglich der bescheiden kleine und geschwungene Schriftzug "diesel" auf den vorderen Türen dient zur Unterscheidung. Kenner nehmen an der Front zusätzlich die größeren Kiemen wahr, die für die Beatmung der beiden Ladeluftkühler gebraucht werden. Die Harmonie zwischen Dieselmotor und Wandler-Automatik ist beim Fahren unmittelbar spürbar. Zwar mit leichter Verzögerung, aber zügig setzt das Getriebe den Gasbefehl um. Schon ab 1750 Umdrehungen kann sich der Fahrer auf 550 Newtonmeter Drehmoment verlassen, mehr hat nur der Turbo.

Dem Diesel fehlt zwar dessen explosive Kraftentfaltung, dafür erleben die Insassen einen geschmeidigen Durchzug, der von einer volltönenden Schallentwicklung begleitet wird. Lediglich kurz vor der Schaltgrenze, die bei mäßiger Beschleunigung zwischen 3200 und 3500 Umdrehungen liegt, büßt die Soundkulisse etwas von ihrem souveränen Klangbild ein. Die Anstrengung, die es kostet, eine 1,9-Tonnen-Fuhre auf Autobahntempo zu beschleunigen, wird für einen Moment spürbar.

Auch eine Langversion in Sicht

Ganz anders verhält es sich, wenn das Fünfmeter-Schiff durch enge Kehren spurten oder für eilige Überholmanöver die Spur wechseln soll. Die Leichtigkeit und Spontanität, mit der die offiziell auf 1880 Kilo ausgewogene Limousine auf Lenkbefehle reagiert, ist eigentlich eher von Produkten der Kompakt- und Mittelklasse bekannt. Der tempoabhängig übersetzte Einschlag ist im City-Bereich angenehm weich, verhärtet aber spürbar, wenn es auf die Reise geht. Und die kann lang werden. Laut Hersteller reichen die 80 Liter Diesel-Vorrat im Idealfall für mehr als 1200 Kilometer. Entsprechend weniger, wenn man die Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h ausnutzt.

Porsche hofft, in Europa zwischen 40 und 50 Prozent Dieselanteil am Gesamtvolumen der Baureihe zu erreichen. In den USA und China wird der Selbstzünder mangels Nachfrage gar nicht erst angeboten. Die Chancen auf dem deutschen Premium-Markt näher an die Mercedes S-Klasse, den 7er BMW und den Audi A8 heran zu rücken stehen gut. Den VW Phaeton hatte der Panamera im ersten Halbjahr 2011 auch ohne Dieselmotor schon überholt. Je nach Fabrikat bestellen die Deutschen ihre Luxus-Limousinen zwischen 60 und mehr als 80 Prozent mit Diesel-Aggregat.

Obwohl nach Worten des Baureihenchefs Dr. Michael Steiner mit dem Diesel der "Vollausbau der Panamera-Reihe abgeschlossen" ist, wird die nächste Variante wohl nicht lange auf sich warten lassen. Zwar ist der Panamera als Selbstfahrer-Auto konzipiert, unter wohlhabenden Chinesen wird es aber noch mehr geschätzt, sich von einem Chauffeur von A nach B fahren zu lassen. Das schreit nach einer Version mit verlängertem Radstand, zumal schon jetzt ein Drittel des Panamera-Absatzes ins Reich der Mitte verkauft wird. Zwischen 120 und 150 Millimeter länger dürfte die L-Version werden, mit ihrem Erscheinen darf ab 2013 gerechnet werden.