Praxistest

Praxistest: Citroën C5Avantgarde und Komfort

02.05.2009, 02:00 Uhr

Der Citroën C5 ist ein unterschätztes Auto auf unseren Straßen. Während die Franzosen bei den kleineren Wagen eine echte Größe sind, werden sie in der Mittelklasse kaum wahrgenommen. Zu unrecht, wie unser Praxistest beweist.

Denkt man in Deutschland an Citroën, dann fallen die pfiffigen Kleinwagen C3 Pluriel oder der familiär angehauchte Berlingo ein. Eine Konkurrenz zu den deutschen Premiumherstellern oder den ausländischen Platzhirschen in der Mittelklasse wird in der französischen Marke nicht unbedingt gesehen. Der C5 tritt den Beweis an, dass dieses Vorurteil falsch ist. Er ist eine Reiselimousine mit Hang zum Luxus, die aber auch für den flotten Vorwärtsgang einiges zu bieten hat. Soweit die Position des Herstellers.

Auf den ersten Blick zeigt sich bereits, dass da schon was dran ist. Zunächst kann der C5 mit seinem avantgardistischen Design punkten. Die Limousine in der Ausstattung "Exclusive", die wir getestet haben, ist ein sehr formschönes Auto mit dem gewissen Extra, das französische Autos eben auszeichnet. Dieser Anspruch ist beim neuen Modell deutlich besser umgesetzt worden als beim Vorgänger. Dabei haben es die Designer aber auch nicht übertrieben mit der Extravaganz.

Harmonie außen und Wertigkeit innen

Die Front trägt das markentypische Emblem im Grill, welches bei C5 noch einen Tick besser aussieht als beim großen Bruder bei Citroën, dem C6. Insgesamt wirkt die Karosserie stimmiger in der kleineren Variante. Auch das Heck ist, nach subjektivem Empfinden, besser gelungen, weil wesentlich harmonischer. Das schicke Äußere birgt den Nachteil der Unübersichtlichkeit. Die Testfahrer wollten die akustische Einparkhilfe, die es aber nur für das Heck gibt, nicht missen. Wird das Piepsen auch vorne gewünscht, ist das Technik-Paket 3 hinzu zu buchen. Die Düsen für das Spritzwasser der Frontscheibe sitzen leider etwas klobig auf der Haube.

Der Eindruck, der sich außen andeutet, setzt sich im Innern fort. Der C5 ist deutlich wertiger geworden als sein Vorgänger. Er will sich mit eher mit dem deutschen Establishment messen, als sich als Importwagen outen. Leder und Metallapplikationen beherrschen das Ambiente. Die Sitze finden den richtigen Kompromiss zwischen Komfort und Führung. Eine pfiffige Idee von Citroënist die sich automatisch einschaltende Beleuchtung der Seitentaschen. Dafür ist der Getränkehalter, der sich unter der Armlehne in der Mittelkonsole versteckt, etwas unglücklich platziert. Während der Fahrt ist es kein Leichtes ihn zu erreichen. Auch sonst sind die Ablagen im wertigen Innenraum eher spärlich gesät.

Spürbarer Raumgewinn

Insgesamt ist das Platzangebot im neuen C5 deutlich gestiegen. Das liegt vor allem am verlängerten Radstand von acht Zentimeter. In der Gesamtlänge hat der Citroën hingegen nur geringfügig auf 4,78 Meter zugelegt. Damit ist auch im Fond ausreichend Platz für drei Personen. Zwei können sogar sehr bequem reisen. Mit 467 Litern ist der Kofferraum sehr üppig bemessen. Auf Wunsch gibt es auf dem Fahrersitz eine Massagefunktion. Das ist ein nettes Accessoire, was auf längeren Fahrten durchaus Entspannung bereiten kann.

Ein schönes Andenken an die Tradition von Citroën ist der feststehende Mittelteil des Lenkrades. Auf dieser Lenkradnabe sind einige Funktionen platziert. Vielleicht sogar ein paar zu viele, weshalb sie leicht überladen wirkt. Zunächst ist die Bedienung etwas verwirrend, weil die Gewohnheit vorgibt, dass sich die Knöpfe mitdrehen. Nach kurzer Zeit sind diese Funktionen sogar sicherer zu bedienen als bei herkömmlichen Konstruktionen. Der Blick auf die Rundinstrumente verwöhnt das Auge. Sanftes Licht erhellt die gut ablesbaren Anzeigen.

Agiler Antrieb

Kommen wir zu der Motorisierung. Der HDi 135 FAP bietet 140 PS (103 kW) und zeigte sich ausgesprochen durchzugsstark. Die reichlichen 320 Newtonmeter Drehmoment machen sich positiv bemerkbar. Dabei stellt er sich in Sachen Verbrauch als guter Kompromiss zu deutlich potenteren Spitzenmodell, dem Sechszylinder V6 205 dar. Der Diesel begnügt sich mit 5,8 Liter laut Hersteller. Aber auch bei flotter Fahrt auf der Autobahn genehmigte sich der Citroën in der Praxis nur rund sieben Liter und in der Stadt kam er mit gut 8,5 Liter aus. Das ist für ein Auto dieser Größe ordentlich. Die 100 Kilometer pro Stunde erreicht er in 10,6 Sekunden und bei 205 km/h endet der Vortrieb. Auf der Straße wirkt der C5 mit dem Zwei-Liter-Diesel allerdings deutlich agiler, als es diese Werte zunächst vermuten lassen.

Das Fahrwerk mit Hydraktiv-Federung zeigt sich gut abgestimmt und für lange Überlandfahrten oder Autobahn optimiert. Lange Bodenwellen werden ebenso absorbiert wie kurze Schläge von Kopfsteinpflaster. Da hat sich einiges getan zu den früheren Aufhängungen der Marke. Die Hydropneumatik passt die Dämpfer automatisch den Gegebenheiten der Straße an.

Mit dem Anspruch der höheren Qualität ist auch der Preis auf fast auf Premiumniveau gestiegen. Für das Testfahrzeug schlagen mit der "Exclusive-"Ausstattung 30.900 Euro zu Buche. Dafür bleiben in dieser Variante wenige Wünsche offen, was den C5 insgesamt zu einem dennoch preiswerten Auto macht. Wird in der Liste der Sonderausstattungen zugeschlagen kann aber auch ein Preis von rund 40.000 Euro zustande kommen.

Der Citroën C5 HDi 135 FAP überraschte insgesamt im Test positiv. Er hat einige Mängel seines Vorgängers abgelegt und zeigte sich als ernstzunehmende Alternative zu Passat, Avensis und Co. Mit der mittleren Motorisierung ist er auch wirtschaftlich und ökologisch interessant. Mit 153 Gramm CO2 pro Kilometer wird das Umweltgewissen nicht zu sehr strapaziert. Zudem fährt man mit dem C5 einen Hauch von französischem Savoir Vivre und hebt sich damit wohltuend von der automobilen Masse ab. Ein bisschen Avantgarde eben und einiges an Komfort.