Stoffhaube als eisernes PrinzipDas neue A5 Cabrio
Bei Audi, wo man gern und häufig den "Vorsprung durch Technik" für sich reklamiert, gibt man sich in Sachen Cabrio streng traditionalistisch: Auch das nächste Auto mit Faltverdeck, das im Mai zu den Händlern kommt, wird die klassische Stoffmütze tragen. Das A5 Cabrio ersetzt den offenen Viersitzer aus der A4-Baureihe.
Schon nach den ersten Kilometern ist klar: Nach Schwächen muss man bei diesem Fahrzeug lange suchen. Ein Audi auf den ersten Blick, außen wie innen eine klare Designsprache, Familienmerkmale von hoher Funktionalität und Qualität, die dem Hersteller in den letzten Jahren mehrere Rekordjahre nacheinander beschert haben. Das A5-Cabrio ist jedoch ein Sonderfall, denn es ist das erste Auto, das sozusagen in die Absatzflaute hineingeboren wird. "Wir werden sehen, wie so ein Auto in die Krise passt", sagt Entwicklungsvorstand Michael Dick.
Die Ziele für das neue Auto sind dennoch sehr ambitioniert. Zwar vermeidet es inzwischen auch Audi, Neuvorstellungen mit plakativen Absatzprognosen zu garnieren, aber inoffiziell wird die Erwartungen mitgeteilt, dass weltweit 20.000 Einheiten pro Jahr zu schaffen sein müssten. Rund 4000 mal wurde im vergangenen Jahr das A4-Cabriolet in Deutschland neu zugelassen.
Mehr Volumen für Gepäck
Dass das neue viersitzige Cabrio eine Baureihe höher angesiedelt wurde als der Vorgänger, ist der Tatsache zu verdanken, dass der A5 grundsätzlich bereits als Zweitürer konstruiert wurde. Der technische Aufwand, daraus ein Cabrio zu machen, ist wesentlich geringer, als zum Beispiel bei einem viertürigen Grundmodell, wie es der A4 war. Da mit Einführung eines neuen Modells auch gern mehr Geld verlangt wird, als für den Vorgänger, bietet das A5 Cabrio mehr Auto fürs Geld. Es hat in den Abmessungen gegenüber dem A4 etwas zugelegt, was in Einzelnen mehr Länge (plus rund 50 Millimeter), Breite (+70) und weniger Höhe (minus 10 Millimeter) bedeutet. Ferner hat es einen um 100 Millimeter längeren Radstand. Das alles streckt das Erscheinungsbild und macht es dynamischer. Dazu trägt auch bei, dass die Spurweite vorn etwas größer ist als hinten.
Eine Schwäche von Faltverdeck-Fahrzeugen ist häufig, dass man in geöffnetem Zustand kaum nennenswerten Platz für Gepäck hat. Audi hat beim A5 Cabrio nicht nur das verfügbare Transportvolumen geringfügig erhöht (von 315 auf 320 Liter) sondern durch einen Kniff auch noch ein lästiges Problem aus der Welt geschafft: Der innen liegende Teil des Verdeckkastens passt sich automatisch den Notwendigkeiten an, manuelles Einrasten einer Abdeckung entfällt. Viele Dachsysteme verweigern das elektrische Öffnen (beim A5 dauert es 15 Sekunden und funktioniert bis 50 km/h), wenn die Abdeckung nicht in der vorschriftsmäßigen Position ist. Für die Fahrer bedeutete das bisher nervendes Anhalten und Aussteigen. Ist das Verdeck geschlossen, erhöht sich um A5 Cabrio das Ladevolumen sogar auf 380 Liter.
Auch in der Vergangenheit saß man im offenen Audi-Viersitzer von Zugluft weitgehend abgeschottet. Wer es gern kuschelig um die Ohren hat, kann neuerdings eine Nackenheizung dazu bestellen, wie sie beim Mercedes SLK erstmals gezeigt wurde und jetzt auch bei Peugeot verfügbar ist. 460 Euro extra kostet diese Sonderausstattung. Neu im Angebot sind außerdem die Schaltpunktanzeige und ein Bodcomputer mit Effizienztrainer, der den Fahrer für eine verbrauchsmindernde Fahrweise sensibilisieren soll. Gemeinsam mit der Start-Stopp-Automatik, die dem Kupplungspedal der Vierzylinders die Anlassfunktion zuweist, sollen sich im Stadtverkehr bis zum 1,5 Liter je 100 Kilometer einsparen lassen, verspricht Audi-Techniker Rainer Hölzl.
Start-Stopp bald auch für Sechszylinder
Mit Hochdruck arbeitet die Audi-Entwicklungsabteilung an der Start-Stopp-Funktion für Sechszylindermotoren. Das besondere Problem ist, dass in diesem Segment Autos bevorzugt mit Automatikgetriebe bestellt werden. Ohne Kupplungspedal muss aber die Ausschalt- und Neuzündungsfunktion des Motors grundsätzlich anders geregelt werden. "Das läuft bei uns schon ganz gut", sagt Vorstand Michael Dick, "im nächsten Jahr kommen wir damit auf den Markt".
Wie nicht anders zu erwarten, benimmt sich das A5 Cabrio im Fahrtest agil, aber gutmütig, ist handlich um die Kurve zu zirkeln und entwickelt auch mit dem Zweiliter-Diesel (170 PS) dank 350 Newtonmeter Drehmoment ordentlich Temperament. Für dieses Fahrzeug, das sich im Schnitt mit 5,6 Litern Kraftstoff begnügen soll, muss man mindestens 41.350 Euro anliegen. Günstiger ist der Benziner mit der 1,8-Liter-Aggregat und 160 PS (37.700 Euro), der aber erst ab Herbst auf den Markt kommt und für die Cabriosaison 2009 daher ausfällt.
Als Spitzenmotorisierung bietet Audi zunächst den aus dem S4 bekannten Sechszylinder an, der per Turboaufladung 333 PS mobilisiert. 61.400 Euro werden da fällig, doch die leistungshungrigen Kunden können in diesem Modell auch noch das Sportdifferenzial einbauen lassen, das die Hinterrädern einzeln beschleunigen kann und so für mehr Dynamik bei der Kurvenfahrt sorgt. Ein Achtzylinder wie im S5 ist bisher nicht vorgesehen. Sollten es Kunden in ausreichender Zahl wünschen, hat Michael Dick für sie Tröstendes parat: "Der Motor passt auch ins Cabrio".