Praxistest

Škoda Superb CombiLade(t)raum für Rechner

14.12.2009, 09:42 Uhr
imageAxel F. Busse

Fünf Benziner und drei Diesel: Der Škoda Superb Combi ist gut aufgestellt. Ab Januar ist der 4,84 Meter lange und äußerst geräumige Wagen auf dem deutschen Markt erhältlich.

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Ein Zweckauto wie ein Kombi ist selten ein optischer Aufreger. Der Superb fährt sich so solide, wie er aussieht. (Foto: Textfabrik/Busse)

In den Angeboten der Pkw-Hersteller gibt es scheinbar keine Nische, die zu eng für einen Škoda wäre. Mit dem Superb Combi sortiert sich die tschechische Marke größenmäßig genau zwischen zwei deutschen Produkten ein. Die anvisierte Konkurrenz sitzt aber ganz woanders.

Wer einmal einen VW Passat Variant gefahren hat, wird bei der Neuanschaffung nur in Ausnahmefällen auf ein Importprodukt zurückgreifen wollen. Wer allerdings bei der Suche nach einem geräumigen Lastesel schon mal bei Renault, Citroen, Honda oder Mazda fündig wurde, der kann auch einen Škoda nicht rundweg ausblenden. Auf diese Kundschaft zielt die Neuerscheinung, die ab Januar in Deutschland erhältlich sein wird.

Die Combi-Außenlänge von 4,84 Metern unterscheidet sich nicht vom Maß der Superb-Limousine. Jeweils genau sechs Zentimeter trennen den Tschechen mit der großen Klappe vom Passat Variant (4,78 m) und dem T-Modell der Mercedes E-Klasse (4,90 m). Letzterer ist jedoch bei vergleichbarer Motorisierung rund 15.000 Euro teurer als der Škoda. Dass mehr Prestige und Wertstabilität einen höheren Preis rechtfertigen, ist unbestritten, aber ob der Nutzwert-Unterschied so groß ist, steht dahin.

Motor: Einstiegstechnik von gestern

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An an der Heckpartie ist die Familie zu erkennen. Es herrschen sachliche Linien wie beim Octavia. (Foto: Textfabrik/Busse)

Mit einer Motorenpalette aus fünf Benzinern und drei Dieseln ist der Superb Combi recht breit aufgestellt. Beginnend mit einem 1.4 Liter großen TSI-Motor und 125 PS reicht das Angebot bis zum allradgetriebenen V6-Modell mit 260 PS. Dazwischen liegen die Selbstzünder, die 140 oder 170 PS leisten und als Pumpe-Düse-Ausfertigung oder mit Common-Rail-Technik angeboten werden. Bekanntermaßen verkauft Volkswagen an konzernfremde Marken nach wie vor Dieselmotoren mit Pumpe-Düse-Technik, die VW selbst nicht mehr nutzt. Dass auch Škoda-Kunden, so sie sich denn mit 140 PS begnügen wollen oder müssen, gezwungen sind, auf die modernere und laufruhigere Common-Rail-Variante zu verzichten, leuchtet nicht so ganz ein.

Während die Limousine des Superb eine sehr typische Silhouette aufweist und seine Eigenständigkeit nicht nur durch den markanten Kühlergrill dokumentiert, fehlt es dem Combi etwas an Konturenschärfe. Die Linienführung ist mit der des Octavia Combi vergleichbar, die Krümmung der Hecktür dem kleineren Schwestermodell ähnlich. Aber von der Seite oder von hinten betrachtet, ist der Superb Combi nicht mehr als ein fünftüriges Allerweltsauto, das ebenso gut aus Westeuropa oder Asien stammen könnte. Bei Škoda wird das bewusst in Kauf genommen, hätte doch die bei anderen Marken gegenwärtig so trendige abfallende Dachlinie zu einer deutlichen Minderung des Ladevolumens geführt.

Und die Transportkapazität ist es ja letztlich, die eine Kundenentscheidung zugunsten eines Kombis prägt. Wer hinter der Rücksitzbank bis unters Dach stapelt, bekommt nach VDA-Norm 633 Liter Gepäck hinein, mit umgeklappten Sitzen sind es sogar 1865 Liter. Das erreicht nicht einmal der Passat Variant (1731 Liter), und wird auch vom Mercedes nur unwesentlich übertroffen (1950 Liter). Ein Lob wert ist auch die mit 60 Zentimetern sehr niedrige Ladekante, die die Nutzung des Kofferraumes erleichtert. Ist die Anschaffung des Combis nicht von strenger Kostendisziplin bestimmt, kann man sich auch einen elektrischen Öffnungs- und Schließmechanismus bestellen, wie es in der oberen Mittelklasse gute, aber teils teure Sitte ist. Die Elektroklappe kostet mindestens 340 Euro Aufpreis, bei der Basisversion sogar 50 Euro mehr, da dort das integrierte halbautomatische Gepäckrollo nicht zur Grundausstattung zählt.

Fahrkomfort der stabilen Sorte

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Die Motorisierungen des Superb Combi reichen von 125 bis 260 PS. (Foto: Textfabrik/Busse)

Wer die komplette Ladefläche nutzen will, muss ein paar handgriffe mehr leisten, als bei manchen Wettbewerbern üblich. Von der geteilten Rücksitzbank sind nämlich zuerst die Sitzflächen anzuheben und wegzuklappen, bevor die Lehnen nach vorn umgelegt werden können. Um Gepäckstücke gegen schwerkraftbedinte Eigenmobilität zu schützen, gibt es einen variables Verstau- und Spannsystem aus Aluleisten, für die 180 Euro Aufpreis (in der Basisversion) fällig werden. Ebenfalls zu den Sonderausstattungen (plus weitere 180 Euro) gehört eine bewegliche Bodenplatte, die über den Laderaumrand hinaus gezogen werden und so abgestellte Lasten bequem ins Innere des Fahrzeugs befördern kann.

Die Innenraumgestaltung ist durch das geprägt, was Škoda-Kunden seit der Übernahme der Marke durch Volkswagen schätzen und was den Erfolg quer durch die Baureihen begründet: Solide Verarbeitung, hochwertiges Ambiete, eine Vielzahl von Bedienlösungen und Bauteilen, die auch bei den Wolfsburger Modellen zum Einsatz kommen. Die wohnliche Atmosphäre trägt zum Wohlbefinden bei und die Handhabung gibt keine Rätsel auf, sondern ist von simpler Logik geprägt.

Mit dem 170 PS starken Vierzylinder-Turbodiesel ist der Superb Combi ausreichend motorisiert, zumal das Fahrzeug mit 1600 Kilogramm Leergewicht gemessen an den Dimensionen erfreulich schlank daher kommt. Der Motor ist in Kombination mit einem manuellen Sechsganggetriebe zu haben, aber auch mit dem 6-stufigen Doppelkupplungsgetriebe aus dem VW-Regal, die mit 2000 Euro Aufpreis berechnet wird. Leider kann der Kunde, der sich die bekanntermaßen komfortable arbeitende Automatik bestellt, nicht darauf vertrauen, dass sich die Mehrausgabe langfristig durch geringeren Spritkonsum amortisiert. Anders als zum Beispiel bei Porsche, wo die Automaten regelmäßig die Verbrauchswerte der Handschalter unterbieten, müssen beim Superb Combi nach EU-Norm im Mittel 0,3 Liter Mehrverbrauch einkalkuliert werden. Im direkten Vergleich der bedien lautet das Ergebnis 5,9 zu 6,2 Liter/100 km.

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Hinter der Heckklappe lassen sich 1865 Liter Gepäck verstauen - mehr als im VW Passat. (Foto: Textfabrik/Busse)

Bei den Testfahrten mit der automatischen Schaltbox hinterließ das Fahrzeug einen rundum ausgewogenen Eindruck. Handlichkeit, Lenkpräzision und Temperament wussten zu gefallen. Dank 350 Newtonmeter Drehmoment schon bei 1750 Umdrehungen geht beim kräftigen Tritt aus Gas ganz schön die Post ab. Lediglich das kurze, grollige Aufbrausen des Motors beim spontanenen Hochdrehen könnte etwas dezenter von statten gehen. Dem Fahrwerk ist die stete Suche nach dem besten Kompromiss aus Agilität und Bequemlichkeit anzumerken. Dass er in der Summe zu mehr Agilität ausschlägt, ist vor allem auf holprigem Straßenbelag zu merken, wo die Karosse mit rumpelndem Unwillen die Asphaltlöcher wegsteckt.

Wer seine Transportbedürfnisse mit 125 PS befriedigen kann, bekommt den Superb Combi schon für 23.950 Euro. Das sind rund 2300 Euro weniger als für einen gleich motorisierten Passat, der rund 130 Liter weniger Ladevolumen hat. Die gefahrene 2.0 TDI-Version mit 170 PS und 6-Gang-DSG kostet 30.250 Euro. Für die komfortabelste Ausstattungslinie "Elegance" berechnet Škoda dann noch einmal 6.700 Euro mehr.