Praxistest

Klein aber feinMazda 2 speckt ab

05.10.2007, 14:24 Uhr

Mazda setzt einen neuen Trend: Das abgespeckte Nachfolgermodell. Der neue Mazda 2 ist kleiner, leichter und günstiger und dennoch in guter Verfassung.

Von Axel F. Busse

Das ist wirklich neu: Ab 21. Oktober ist in Deutschland ein Auto zu haben, das sein Vorgängermodell nicht an Größe, Gewicht und Preis übertrifft. Mit dem neuen Mazda 2 will der japanische Hersteller einen Trend setzen, der nach und nach alle Fabrikate des Konzerns erfassen soll.

Viele Automobilbauer sind in den vergangenen Jahren den umgekehrten Weg gegangen. Das jeweilige Nachfolgemodell sollte mehr Platz bieten, also wuchsen die Abmessungen. Mehr Sicherheits- und Komforttechnik brachte mehr Gewicht ins Auto und beides zusammen genommen sollte schließlich einen höheren Preis rechtfertigen. Auf diese Weise setzten Kleinwagen wie etwa der Peugeot 207 oder der Opel Corsa über mehrere Modellgenerationen bis zu 300 Kilogramm Wohlstandsspeck an.

Effizienzsteigerungen in der Motortechnik können so leicht aufgezehrt werden, denn wer mehr Gewicht bewegen will, braucht dazu naturgemäß mehr Treibstoff. Konsequenter Leichtbau kann dem entgegenwirken. Mazda nennt seinen Weg die "Gramm-Strategie". Das bedeutet, dass jedes Bauteil eines Fahrzeugs daraufhin überprüft wird, ob es bei gleicher oder besserer Qualität mit einem geringeren Gewicht herzustellen ist.

Gegenüber dem bisherigen Mazda 2 wurden auf diese Weise rund 100 Kilogramm Masse eingespart, hauptsächlich an Karosserie- und Fahrwerksteilen. Die neue Marke liegt bei rund 950 Kilogramm Leergewicht, das ist deutlich weniger als beispielsweise beim japanischen Konkurrenten Toyota Yaris.

Zunächst werden vom Mazda 2 nur Benzinmotorisierungen zu haben sein. Zwischen 75 und 103 PS geben die leise laufenden Aggregate ab, die um eines einigermaßen dynamischen Fahrerlebnisses willen drehzahlmäßig bei Laune gehalten werden sollten. Auf der ersten Testrunde zeigten sich sowohl der 1,3 Liter- als auch der 1,5-Liter-Motor in guter Verfassung, auch wenn eine Steigung im fünften Gang ihr Ding nicht ist. Die Lenkung ist angenehm präzise und leichtgängig, die Fünfgangschaltung fühlt sich zuweilen etwas knochig an, bietet aber die kurzen Wege, die einem Kleinwagen gut zu Gesicht stehen. Vierte und fünfte Schaltstufe sind zum Spritsparen lang ausgelegt, ein Sechsgang-Getriebe ist nicht vorgesehen.

Mit einem Normverbrauch von 5,4 Litern je 100 Kilometer unterbietet der 1,3-Liter-Benziner die Konkurrenz. Die Testfahrt in toskanischer Hügellandschaft verlangte dem Auto laut Bordcomputer allerdings 6,8 Liter ab. Wer es in dem 3,88 Meter kurzen Stadtfloh lieber dieseln lassen will, muss sich noch etwas gedulden. Für das Frühjahr 2008 ist der Selbstzünder avisiert, dann aber noch ohne ESP, das der Benziner schon in der Grundausstattung hat. Die elektronische Schleuderbremse wird wegen der notwendigen technischen Anpassung an das Fahrzeug kaum vor Herbst nächsten Jahres zur Verfügung stehen.

Dass der erste Mazda 2 überhaupt einen Nachfolger bekam, ist betriebswirtschaftlich kaum zu begründen. Die Marke konnte in dem Bereich des Kraftfahrzeugmarktes, den die Fachleute B-Segment nennen, nicht richtig Fuß fassen. Mazdas Europa-Chef James M. Muir räumt mit erstaunlicher Offenheit ein: "Wir hatten bisher keinen Erfolg in diesem Segment". Doch nicht immer gilt für die Ford-Tochter Mazda das Naheliegende. So, wie sie mit dem CX-7 selbstbewusst einen reinen Benziner in einen diesel-dominierten Markt startet, so nimmt sie den Wettbewerb im Kleinwagenmarkt auf, wo es von etablierten Angeboten aus Deutschland, Frankreich, Italien und Japan nur so wimmelt (siehe Kasten).

James Muir könnte sich sogar vorstellen, mit dem Fünftürer eine Modellfamilie zu begründen. Ein Dreitürer ist ausgemachte Sache und kommt im zweiten Quartal 2008. Vielleicht eine MPS-Version, wie die sportlichen 3er und 6er-Modelle bei Mazda heißen? "Für Europa gerne", sagt Muir, aber wohl kein Cabrio: "Mich interessiert mehr ein kleiner Sportwagen", sagt der Mazda Europa-Chef. Zwei Sitze und in der Gewichtsklasse noch unterhalb des 2ers angesiedelt, aber mit deutlich mehr als der jetzigen Leistungsspitze von 103 PS.

Die Verkäufe für den Mazda 2 in Japan sind viel versprechend, die Ziele in Deutschland ehrgeizig. Noch dieses Jahr sollen 5200 Stück verkauft werden, nächstes Jahr fast das Dreifache. Damit die Neuentwicklung aber wirklich Geld einfährt, sollte die Plattform auch für andere Autos taugen: Einen neuen Ford Ka beispielsweise, wofür bisher aber niemand eine Bestätigung geben mag.

Kämpferisch sind für den Mazda 2 nicht nur die Absatzziele, sondern auch die Preise. Ab 11.950 Euro wird der Zuschlag für das 1,3-Liter Basismodell gegeben. Getreu dem Motto "Kleiner, leichter, günstiger" sind das exakt 650 Euro weniger als bei der Einstiegsvariante des Vorgängers.