Praxistest

Der gewisse DrehMazda RX-8 mit Wankelmotor

13.05.2004, 09:40 Uhr

Der RX-8 ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Auto: Mit 231 PS zweifelsohne im sportlichen Segment angesiedelt, verfügt er mit rund 1,3 Litern Motorvolumen doch nur über einen geringen Teil dessen, was bei anderen „Hubraum“ genannt wird.

Von Axel F. Busse

Unter den Schwingen im Mazda-Logo sammelt sich Luft wie noch nie: Als einer der wenigen Hersteller mit deutlichen Absatzzuwächsen verzeichnete der japanische Konzern soeben das beste Quartalsergebnis, das er jemals in Europa erzielen konnte. Als Imageträger fungiert dabei ein Modell, das einen ganz besonderen Dreh aufzuweisen hat: Der RX-8.

Kenechi Yamato war fasziniert von der Erfindung des Deutschen: Der Tüftler und Autodidakt Felix Wankel kam Ende der 20er Jahre die Idee, auf die vielen beweglichen Teile zu verzichten, die das Auf und Ab des Ottomotors erst in eine Drehbewegung umwandeln. Vor genau 50 Jahren lief sein erster Drehkolbenmotor auf einem Prüfstand in Lindau am Bodensee. Der damalige Mazda-Ingenieur Yamato hatte entscheidenden Anteil daran, dass seine Firma schon 1961 eine Lizenz auf das Patent erwarb und das Prinzip des Wankelmotors bis zum heutigen „Renesis-Engine“ zielstrebig weiter entwickelte. Inzwischen ist Mazda der einzige Hersteller weltweit, der solche Fahrzeuge in Großserie anbietet.

Der RX-8 ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Auto: Mit 231 PS zweifelsohne im sportlichen Segment angesiedelt, verfügt er mit rund 1,3 Litern Motorvolumen doch nur über einen geringen Teil dessen, was bei anderen „Hubraum“ genannt wird. Mit der langen Motorhaube und dem flachen, rundlichen Dachaufbau eindeutig als Coupé identifizierbar, verfügt er doch über vier Türen, die sich auch noch gegenläufig und ohne störende B-Säule öffnen. Und statt eines sonoren Brabbelgeräusches, das die breitschultrige Erscheinung vermuten ließe, singt der Motor eine sopranhafte Drehzahl-Arie, die erst ab 5.000 Touren so richtig kernig klingt.

Der Fahrer findet alles, was ihm das Fortkommen in einem Sportcoupé vergnüglich macht: Eine tiefe Sitzposition in gut ausgeformten Sesseln, ein kleines, griffiges Lenkrad und eine 6-Gang-Schaltung, die mit einem äußerst kurzen Hebel über ebensolche Wege knackig bedient wird. Natürlich findet er auch, was bei dieser Bauart unvermeidlich ist: Eingeschränkte Sicht auf Bug und Heck, was die Anschaffung einer Einparkhilfe empfehlenswert erscheinen lässt.

Der Blick auf den zentralen Drehzahlmesser - dessen roter Bereich bei 8.500 Umdrehungen beginnt - lässt es ahnen: Das an ein Dreieck erinnerte Kolbenrad im Innern des Motors muss kreisen, je schneller, desto lieber. Dreh- und schaltfreudig will der RX-8 gefahren werden, denn unterhalb von 2.500 U/min fallen die Reaktionen auf Gashebelbewegungen eher bescheiden aus.

Am wohlsten fühlen sich Fahrer und Maschine auf kurvigen Land- und Bergstraßen, wo die direkte Lenkung ein dynamisches Handling erlaubt und ein fein abgestimmtes Fahrwerk die sentimentale Erinnerung an ESP-freie „Heckschleudern“ gezielt wach hält. Dass der Rotationsmotor hochleistungstauglich – wenngleich manchmal mit der Geräuschentwicklung einer überhitzten Kreissäge – sowie zuverlässig und standfest ist, wird seit 23. Juni 1991 von niemandem mehr ernsthaft bezweifelt. Damals holte ein Mazda als erster japanischer Teilnehmer überhaupt den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, und zwar vor Jaguar und Mercedes.

Für die einen bleibt Felix Wankel deshalb der geniale Ingenieur und Tüftler, für die anderen ist er mehr der tragische Held: Nur selten wird er in einer Reihe mit Nikolaus Otto oder Rudolf Diesel genannt. Doch da gehört er eigentlich hin, denn seine Entwicklung war nicht weniger revolutionär, als die des Hubkolbenmotors oder des Selbstzünders. Die erste Ölkrise war mitverantwortlich dafür, dass das zunächst weltweite Interesse an dem Kreiskolbenmotor schlagartig nachließ. Felix Wankel wäre sicher begeistert, hätte er noch erfahren, dass seine Mazda-Kollegen sogar den immensen Durst seines Motors auf ein sozial verträgliches Maß reduziert haben.