Praxistest

Rückkehr des SäbelzahntigersOpel bringt Insignia als OPC

08.07.2009, 13:03 Uhr
imageAxel F. Busse

Selbstbewußtsein oder Größenwahn? Opel hat seinem Erfolgsmodell Insignia ein Kraftkur verpasst. 300 PS sind eine Ansage und gleichzetig der stärkste je gebaute Serien-Opel überhaupt.

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Der Opel Insignia wird noch leistungsstärker. (Foto: Textfabrik/Busse)

Not macht bekanntlich erfinderisch; Erfolg anscheinend übermütig: Opel bringt im Herbst einen Insignia mit mehr als 300 PS – das leistungsstärkste Serienauto der Marke, das je gebaut wurde. Das mit dem Buchstaben OPC garnierte Gefährt wird in allen drei Karosserievarianten angeboten, also als klassische Limousine, als Fünftürer und als Kombi.

Das Kürzel OPC steht für Opel Performance Center, jene Truppe von PS-Enthusiasten, die schon vom Kleinwagen Corsa bis zum Familienvan Zafira leistungsgesteigerte Varianten entwarfen. Im zehnten Jahr ihrer Aktivität haben sie nun den Insignia einer Kraftkur unterzogen. Sieht man einmal von dem ab 1989 in knapp mehr als 900 Exemplaren gebauten Lotus Omega ab, der zu großen Teilen aus englischer Leichtbautechnik bestand und als Fahrzeug der Opel-Großserie kaum gelten kann, ist der Insignia OPC das mit Abstand heißeste Gerät, das je mit dem Namen der vormaligen Nähmaschinenfirma versehen war.

Ab Herbst werden die ersten Kunden damit in Deutschland unterwegs sein, den PS-verliebten Briten wird das Auto als Vauxhall VXR angeboten. Der sportliche Anspruch ist mit folgenden Daten untermauert: 325 PS aus einem aufgeladenen 2,8-Liter-Benzinmotor, 435 Newtonmeter maximales Drehmoment, sechs Sekunden von Null auf 100 km/h. Die knapp 290 Stundenkilometer, die weilend für den Lotus Omega zu Buche standen, würde der Insignia OPC wohl auch erreichen, hätte man ihm nicht den elektronischen Riegel bei Tempo 250 vorgeschoben.

Sportsitze mit Gesundheitssiegel

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Die Instrumentenbeleuchtung überrascht im Farbton einer Chilischote. (Foto: Textfabrik/Busse)

Im Design setzt der OPC starke Akzente. Wer sich noch an die zum Genfer Autosalon 2007 vorgestellte Studie GTC Concept erinnert, wird eine Reihe von Gestaltungsdetails im jetzigen Power-Insignia wiederfinden. Die "sehr gute Resonanz auf die Studie", sagt Vertriebsvorstand Alain Visser, habe schließlich den Ausschlag gegeben, dem OPC diese Optik zu verleihen.

Die Kraft wird über alle vier Räder auf die Straße gebracht, die 245er-Reifen sind serienmäßig auf 19 Zoll großen Felgen aufgezogen. Für einen Tausender extra sind auch 20-Zöller zu haben, die dem Insignia zusammen mit den säbelzahnförmigen Lufteinlässen unter den Frontscheinwerfern eine wahrhaft martialische Ausstrahlung geben. Aber sie passt zum Innenraum. Dort dominiert der dunkle Dachhimmel die Stimmung. Der Autositzhersteller Recaro beliefert Opel schon seit Jahrzehnten und hat für den Insignia Sportsitze entworfen, die sogar das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) bekommen haben. Ein griffiger Lenkradkranz mit Lederbezug, der unten abgeflacht ist, komplettiert das sportlich-dynamische Innendesign.

Mit rund 50 Dreh- und Druckknöpfen bewegt sich die Mittelkonsole an der Grenze zur Unübersichtlichkeit, aber da dieser OPC über eine Fülle von zusätzlichen Verstellmöglichkeiten, wie etwa der Fahrwerksabstimmung, verfügt, sind die Schalter unvermeidlich. Die mit OPC gekennzeichnete Taste bringt die Dämpfung auf maximale Härte, das Gaspedal spricht schneller an und die Lenkung reagiert direkter. Dass sie dennoch mit geringem Kraftaufwand präzise zu bewegen ist und ein sehr leichtfüßiges Fahrgefühl vermittelt, liegt an der besonderen Konstruktion der Vorderachse. Die herkömmlichen McPherson-Federbeine wurden mit drehbaren Achsschenkeln kombiniert, so dass beim Lenkeinschlag nicht mehr die gesamte Radaufhängung, sondern nur noch der Achsschenkel die Bewegung nachvollzieht.

Dezenz statt brachialer Schubkraft

Trotz der gewaltig klingenden Anzahl von 325 Pferdestärken ist die Kraftentfaltung nicht so brachial, wie sie andere Turbos an den Tag legen. Sie geht vielmehr linear und unaufgeregt von statten. Das höchste Drehmoment wird auch erst bei mehr als 5000 Umdrehungen erreicht, im unteren Drehzahlbereich könnte eine Schippe mehr Temperament den Spaßfaktor erhöhen. Gleichwohl wird zügig mehr als Marschtempo erreicht, so dass man gut daran tut, ein Auge auf die geltenden Geschwindigkeits-Limits zu haben. Das Sechsgang-Getriebe ist geschmeidig und präzise, so dass es mit dem Hebel keine Probleme gibt, den Motor bei Laune zu halten.

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Das OPC-Modell vermittelt ein leichtfüßiges Fahrgefühl. (Foto: Textfabrik/Busse)

Ein Sportwagen darf nicht klingen wie eine Familienkutsche, weshalb das OPC-Team viel Sorgfalt darauf verwendete, Ansaug-, Verbrennungs- und Abgassounds auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu komponieren. Das gelang überwiegend, wenngleich etliche Tester bei der Fahrvorstellung im Bereich um 2000 Touren lästig dröhnende Resonanzgeräusche wahrnahmen. Das kann man beseitigen, in dem man mehr Gas gibt oder in den nächsten Gang schaltet.

Die sportlichen Topmodelle von Mittelklasselimousinen machen in Deutschland gewöhnlich zwischen ein und zwei Prozent des Gesamtvolumens einer Baureihe aus. Damit will sich Marketingdirektor Volker Briem nicht zufrieden geben. Er traut dem Insignia OPC zwischen drei und fünf Prozent Anteil an den Gesamtverkäufen zu. Allerdings wird vermutlich die Limousine ebenso viel Zuspruch erhalten wie der Kombi, während der Sports Tourer an den normalen Benzin- und Dieselmodellen bis zu 70 Prozent Anteil hat.

Mit einem Preis von 44.900 Euro greift Opel selbstbewusst an. Das ist zwar kein Pappenstiel, aber für eine einheimische Marke beachtlich knapp kalkuliert, verlangen doch selbst einzelne Importeure für Allradlimousinen um 300 PS spürbar mehr. Der Fünftürer ist mit 45.290, der Sports Tourer genannte Kombi mit 46.375 Euro ausgepreist. Alle bieten ein beachtliches Ausstattungsniveau zum Beispiel inklusive Klimaautomatik, Brembo-Bremsen und Alufelgen. Ein überraschendes Lichtspiel, das mittels OPC-Taste aktiviert wird, ist ebenfalls Teil der Serienausstattung: Um dem Fahrer die besondere Schärfe in diesem Modus auch visuell nahe zu bringen, nimmt die Instrumentenbeleuchtung den Farbton einer Chilischote an.