Praxistest

Suzuki Alto gegen Kia PicantoWer spart besser?

14.07.2009, 06:48 Uhr
imageMarkus Mechnich
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Kia Picanto gegen Suzuki Alto. Zwei Autos unter der Grenze von 10.000 Euro treten gegeneinander an. Drei Zylinder gegen vier, Japan gegen Korea - Wer wird der Sparmeister? (Foto: Markus Mechnich)

Sparen und fahren, heißt das Motto in der Krise. Auch mit nur 10.000 Euro in der Tasche muss man nicht zu Fuß gehen. Das zeigen der Suzuki Alto und der Kia Picanto. Aber wer wird Sparmeister unter den City-Mobilen?

Kleinwagen sind in. Nicht nur die Abwrackprämie hat günstigen Automobilen einen Umsatzschub verholfen. Auch die Spritpreise bringen viele Autokäufer zum Nachdenken. Zumal es mittlerweile ein durchaus reichhaltiges Angebot an Autos unterhalb der magischen Grenze von 10.000 Euro gibt. Das Preisbewusstsein bei den Kunden ist größer geworden und Kleinwagen haben im Zuge der Klimadiskussion einen gewaltigen Imagegewinn erfahren. Es ist schick einen City-Flitzer zu fahren. Und es gilt als clever.

Deshalb haben wir zwei Autos einem Vergleichstest unterzogen, die beide in der Basisversion deutlich unter 10.000 Euro kosten. Es treten an: der Suzuki Alto und der Kia Picanto. Beide bieten vier Sitzplätze und haben rund einen Liter Hubraum. Der Suzuki tritt allerdings mit einem Dreizylinder-Motor an, während der Kia auf bewährte Vierzylindertechnik setzt.

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Der Kia besticht durch eine hohe Verarbeitunsgqualität und mehr Praxisnutzen. (Foto: Markus Mechnich)

Beginnen wir zunächst mit dem Koreaner. Der Kia Picanto ist ein etabliertes Auto auf dem Markt. Seit 2004 gebaut und im letzten Jahr aufgefrischt, hat der Picanto auch schon gestandene Konkurrenz wie den VW Polo in Vergleichstests kräftig geärgert. Eine harte Nuss also, auf die der Suzuki da trifft. Dabei ist der Kia mit 3,54 Meter der kürzere der beiden City-Flitzer. Dennoch zeigt er sich im Innenraum komfortabel geräumig. Selbst auf der Hinterbank können Erwachsene bequem Platz finden. Den Preis dafür zahlt man allerdings im Kofferraum. 127 Liter sind ausgesprochen wenig. Wird die geteilt umklappbare Rückbank umgelegt, dann entstehen immerhin 868 Liter Stauraum. Das entschädigt dann doch.

Sportliches Fahrwerk beim Kia

Die Motorisierung des Kia ist mit 65 PS für ein Auto dieser Ausmaße ausreichend. Auch die kürzere Fahrt auf der Autobahn ist mit dem kleinen Koreaner nicht unangenehm. Bei einer Spitzengeschwindigkeit von 154 Kilometer pro Stunde bleiben da allerdings nicht viele Reserven. Die Elastizität zwischen 100 und 140 Stundenkilometer ist nicht sonderlich ausgeprägt, aber da darf man angesichts eines Drehmoments von 97 Newtonmeter auch nicht mehr erwarten. Ist ja auch nicht die Domäne des Autos.

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Der Suzuki zeigt sich im Stadtverkehr spritzig und bringt, zumindest in der "Club"-Version, schon einiges an Serienausstattung mit. (Foto: Markus Mechnich)

Die liegt eher in der Stadt, und da schlägt er sich ordentlich, wobei der Antritt etwas behäbig ist. In 15,1 Sekunden erreicht er die 100 km/h. Erfreulich ist der Emissionswert von 118 Gramm CO2 pro Kilometer. Auch der Verbrauch von fünf Litern im Mix ist in Ordnung. Schade, dass der Diesel-Antrieb aus dem Programm genommen wurde. Auf der Straße zeigt sich der Kia vom Fahrwerk her sehr sportlich. Dank recht harter Federung neigt der Kleinwagen kaum zum "Aufstellen" in Kurven. Dafür zeigt er die Tendenz zum Untersteuern, was das ESP unbedingt empfehlenswert macht.

Die Ausstattung des Picanto liegt über dem Niveau seiner Klasse, ebenso die Verarbeitung. Armaturen, Sitze oder Türverkleidungen – nichts davon wirkt wirklich billig. Nähte, Spaltmaße und Fugen sind ohne Makel. Erfreulich ist der USB- und "Aux"-Anschluss unter der Mittelkonsole. In Kombination mit dem MP3-Radio (236 Euro) sorgt er für reichhaltige Unterhaltung. Weniger erfreulich ist der Aufpreis von 400 Euro für das ESP. Eine Klimaanlage gibt es für 750 Euro, ein Navigationssystem für 399 Euro.

Starker Antritt des Suzuki

Der Suzuki ist ein ganz neuer Wagen, der in Zusammenarbeit mit Nissan gebaut wurde. Der Pixo entspricht haargenau dem Alto, die beide in Indien produziert werden. Für den Alto gibt es genau eine Motorisierung. Der Dreizylinder mit 68 PS ist eine Neuentwicklung und produziert ein Drehmoment von 90 Newtonmetern. Damit ist er kein Sportwagen, aber der Japaner lässt sich im Stadtverkehr sportlich bewegen. Das zeigt sich auch im Anzug, bei dem er den Sprint auf 100 km/h in 14 Sekunden absolviert. Das liegt auch am geringeren Gewicht von 855 Kilo (Kia Picanto: 929 kg).

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Der Picanto wirkt allerdings etwas lahm auf der Straße und ist etwas teurer als der Alto. (Foto: Markus Mechnich)

Der Durchzug auf der Autobahn ist allerdings eher mager. Das Durchtreten des Gaspedals bei Tempo 100 zeigt nahezu keine Wirkung. Dafür begnügt sich der Suzuki im Mittel mit 4,4 Litern Superbenzin. Das ist ausgesprochen sparsam und ließ sich durchaus auch im Test nachvollziehen. Das Fünfganggetriebe schaltet sich dabei aber etwas hakelig. Unschön sind Vibrationen des Motors, die unser Testwagen im Stand auf die Karosserie übertragen hat. Der Suzuki emittiert nur 108 Gramm CO2 in die Umwelt.

Mit 3,66 Meter ist der Alto 12 Zentimeter länger als der Kia Picanto. Das merkt man im Innenraum aber kaum. Auf der Rückbank ist weniger Platz als beim Konkurrenten. Aber auch hier können zwei Erwachsene durchaus transportiert werden. Der Kofferraum ist mit 129 Litern nur marginal größer als der des Konkurrenten. Bei umgeklappter Rückbank werden daraus 774 Liter Stauvolumen. Die Ausformung der Kofferraumöffnung ist allerdings etwas ungünstig geraten, sodass das Einladen sperriger Gegenstände schwieriger als nötig ist.

Bissige Bremsen beim Alto

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Der Suzuki Alto ist in der Verarbeitung nicht makellos und wirkt innen etwas billig. (Foto: Markus Mechnich)

Beim Fahren zeigt sich der Alto als ein braves Automobil. Ein leichtes Übersteuern bei flotter Kurvenfahrt ist gewollt und durchaus beherrschbar. Die Federung und Dämpfung ist komfortabel, gibt aber auch das nötige Feedback von der Straße. Die Bremsen packen ordentlich zu, was ein gutes Sicherheitsgefühl verleiht.

Die Ausstattung des Alto ist vergleichsweise üppig. Klimaanlage und ESP sind ab der Ausstattung "Club" Serie. Radio mit MP3-Funktion gibt es nur in der höchsten Ausstattungsvariante "Comfort" - ebenso wie einen Drehzahlmesser, der eigenständig neben dem großen Tacho montiert ist. Die Verarbeitung des Innenlebens ist dominiert von billigem Hartplastik. Das ist verständlich bei dem Preis, aber dennoch schade. Die Verarbeitung ist nicht fehlerfrei, aber in Ordnung.

Fazit: Wer kann von den beiden also der Sparmeister werden? Bei den Fahrleistungen liegt der Suzuki Alto vorne. Der Motor ist spritziger und dabei genügsamer. Was will man mehr. Dass jenseits der 100 km/h nicht mehr viel zu bewegen ist, erklärt sich von selbst. Die Kategorie Raumangebot und Verarbeitung gewinnt hingegen der Kia. Er wirkt deutlich solider, bietet mehr Platz und hat bessere Materialien. Auch die Grundausstattung ist etwas umfangreicher als beim Japaner.

Richtig eng wird es beim Preisvergleich. Der Kia ist in der Basisversion nur 60 Euro teurer als der Suzuki. Es empfiehlt sich bei letzterem aber die "Club"-Variante, weil ESP, Klimaanlage und weitere Airbags an Bord sind. Ordert man Klima und ESP beim Picanto mit, dann kommt man auf einen Preisunterschied von etwas mehr als 100 Euro. Den geringeren Verbrauch eingerechnet hat der Alto damit auch in dieser Kategorie knapp die Nase vorne.

Der Sparmeister ist also der Suzuki Alto. Wer doch etwas mehr Komfort und Qualität sucht, den sollte der geringe Preisunterschied nicht stören. Dann ist der Kia die erste Wahl.