Chip in Deutschland hergestelltDie Soundcore Liberty 5 Pro (Max) sind etwas ganz Besonderes
Von Klaus Wedekind Test (1 von 6).webp)
Die brandneuen Bluetooth-Ohrhörer Soundcore Liberty 5 Pro und 5 Pro Max lassen nicht nur aufhören, weil ihr KI-Chip in Dresden hergestellt wird. Sie überzeugen auch mit einem mächtigen Klang, tollen Extras und einer starken aktiven Geräuschunterdrückung, die bei Telefonaten herausragend ist.
Die Soundcore-Kopf- und Ohrhörer von Anker haben eine stetig wachsende Fan-Gemeinde, da die Geräte hohe Qualität zu vergleichsweise niedrigen Preisen bieten. Jetzt haben die Chinesen mit den Soundcore Liberty 5 Pro und Liberty 5 Pro Max etwas ganz Besonderes an den Start geschickt. Denn die Bluetooth-Ohrhörer bieten nicht nur außergewöhnliche Extras, sondern auch einen KI-Chip made in Germany. Was der Anker THUS kann und was die In-Ears sonst noch zu bieten haben, hat ntv.de ausprobiert.
Bei beiden Varianten sind die Ohrhörer identisch, sie unterscheiden sich nur durch ihre Ladeboxen mit Schiebe-Deckel. Das Case der Soundcore 5 Pro (180 Euro) hat ein kleines Touch-Display an der Vorderseite, über das man die wichtigsten Einstellungen vornehmen kann. Bei der Max-Variante (250 Euro) sitzt ein deutlich größerer Bildschirm auf der Oberseite, der auch wesentlich mehr Möglichkeiten bietet. Dazu später mehr.
Bequemer Sitz, gelungene Steuerung
Die nach IP55 staub- und wasserfesten Ohrhörer erinnern stark an die Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2. Sie haben einen leicht geschwungenen, bohnenförmigen Körper, der mit Silikon-Finnen in der Ohrmuschel zusätzlichen Halt findet. Die Liberty 5 Pro (Max) sitzen ausgesprochen bequem, aber auch sicher. Um das für verschiedene Ohrformen zu gewährleisten, liefert Anker nicht nur Stöpsel in fünf verschiedenen Größen mit. Zur Ausstattung gehört auch ein Paar größerer Finnen sowie glatte Einsätze, falls man komplett darauf verzichten möchte.
Die Touch-Steuerung funktioniert einwandfrei. Die Lautstärke reguliert man, indem man auf den Außenseiten der Ohrhörer nach oben oder unten wischt. Alles andere erledigt man durch ein, zwei oder drei Tipper oder eine längere Berührung. Die Funktionen kann man dabei frei festlegen. Wahlweise bietet Anker eine gute, hauseigene Sprachsteuerung für seine Soundcore-Headsets.
Prima Klang
Der Klang der Liberty 5 Pro (Max) macht Spaß. Sie bieten ausgesprochen kräftige Bässe, die tief herabreichen. Sie sind in der Grundeinstellung sehr präsent, aber nicht zu aufdringlich. Die sauber ausdefinierten Mitten behalten jederzeit die Kontrolle, und glasklare Höhen liefern nicht nur viele Details, sondern verleihen dem Sound auch eine gewisse Luftigkeit.
Der auf Spaß ausgelegte Klang wird den meisten Nutzerinnen und Nutzern gefallen, aber einigen könnte er etwas zu basslastig oder zu dumpf wirken. Kein Problem, Anker bietet dafür nicht nur mehrere alternative Modi zur Auswahl, sondern auch die sogenannte HearID. Dabei handelt es sich nicht um eine aufwendige Anpassung an das individuelle Hörvermögen, sondern um einen einfachen Test mit verschiedenen Klangbeispielen, bei denen man jeweils aus zwei Varianten seine Favoriten auswählt.
Das hat im Test erstaunlich gut funktioniert, aber das muss nicht immer der Fall sein. Dann hat man die Möglichkeit, mit einem Equalizer seine persönlich passenden Einstellungen zu finden und abzuspeichern.
Die Ohrhörer unterstützen Dolby Atmos. Ansonsten steht Dolby Audio zur Verfügung, womit allen abgespielten Songs ein räumlicher Klang verliehen werden kann. Wahlweise bleibt die Quelle dabei zentriert oder folgt der Kopfbewegung. Das klappt einwandfrei. Wie bei anderen Headsets macht der Effekt speziell bei modernerer Musik Spaß, bei älteren Aufnahmen klingt er dagegen oft unnatürlich.
Apropos alte Aufnahmen: Ist die Qualität nicht allzu gut, hat man die Option, sie per KI aufmöbeln zu lassen. Das bringt manchmal etwas, man muss dann allerdings auf andere Effekte verzichten. Für hohe Qualität kann man LDAC aktivieren, weitere hochauflösende Bluetooth-Codecs unterstützen die Liberty 5 Pro (Max) nicht.
Starkes ANC
Wichtiger ist die Arbeit des in Dresden hergestellten KI-Chips bei der aktiven Geräuschunterdrückung. Und tatsächlich können die neuen Soundcore-Ohrhörer auch auf diesem Gebiet ganz oben mitspielen. Ihr ANC ist zwar nicht ganz so effektiv wie das der Apple Airpods Pro 3 oder der Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2, aber sie sind nahe dran.
Speziell bei tieferen Frequenzen sind die Liberty 5 Pro (Max) sehr effektiv. Man kann das ANC manuell in fünf Stärken einstellen oder anpassen lassen. Das klappt aber nur bei lauten Geräuschen gut, auf das Rauschen einer Laptop-Lüftung reagiert das adaptive ANC beispielsweise nicht.
Bei Telefonaten herausragend
Herausragend ist das ANC bei Telefonaten. In Cafés beispielsweise muss man andere Gäste nicht stören, indem man laut spricht. Die Hintergrundgeräusche werden nahezu vollständig ausgeblendet, während die Stimme hervorgehoben wird. Man klingt dabei für Gesprächspartner auch sehr natürlich. Nur in sehr lauten Umgebungen wie an belebten Straßenkreuzungen dringen Geräusche durch und die Stimme klingt etwas blechern - Telefonieren kann man trotzdem noch. Top!
Der Transparenzmodus wirkt weitgehend natürlich und hat ein relativ geringes Eigenrauschen. Statt ihn manuell zu aktivieren, kann man auch "Smart Chat" einstellen. Dann wird automatisch die Lautstärke der Wiedergabe reduziert und der Transparenzmodus aktiviert, solange man ein Gespräch führt.
Die Ausdauer der Soundcore Liberty 5 Pro (Max) ist okay, aber nicht berauschend. Mit aktiviertem ANC halten sie bis zu 6,5 Stunden durch, ohne bis zu 12 Stunden. Inklusive der Reserve in der jeweiligen Ladebox kommen sie auf bis zu 28 oder 50 Stunden. Nach fünf Minuten im Case können leere Ohrhörer wieder bis zu vier Stunden Musik wiedergeben. Beide Ladeboxen lassen sich auch induktiv auftanken.
Mehr oder weniger nützliche Displays
Das kleine Display der Soundcore Liberty 5 Pro ist ein nettes Extra, aber da praktisch alles über die gelungene Touch-Steuerung geregelt werden kann, hält sich ihr Mehrwert in Grenzen. Der Bildschirm bietet zusätzlich einen Fernauslöser für Smartphone-Kameras und die Möglichkeit, verlorene Ohrhörer zu suchen, indem man diese einen Ton abspielen lässt.
Bei der Max-Variante sieht das etwas anders aus. Über das Display im Deckel der Ladebox lassen sich zum einen KI-unterstützte Sprachaufnahmen starten. Man kann unter anderem Notizen notieren oder - mit Einwilligung der Partner - Gespräche aufzeichnen. Das funktioniert dann nicht über die Ohrhörer, sondern Mikrofone im Ladecase. Ein effektives ANC kommt hier hörbar nicht zum Einsatz, es muss also leise in der Umgebung sein.
KI-Notizen und Live-Übersetzungen
Die Aufnahmen werden vom Case an das Smartphone übertragen und können dann in der Cloud weiterverarbeitet werden. Man kann ein Transkript erstellen oder eine Zusammenfassung erstellen lassen. Die Ergebnisse sind gut bis sehr gut. Immerhin bietet Anker 120 Minuten Transkription und 10.000 in der Cloud gespeicherte Minuten monatlich gratis. Wer mehr möchte, muss mindestens 18 Euro pro Monat zahlen.
Ein weiteres Extra sind Live-Übersetzungen. Dabei benutzt ein Gesprächspartner das Display des Ladecase, der andere die Smartphone-App. Die Übersetzung ist okay, aber eine geteilte App auf dem Handy-Display zu nutzen ist unkomplizierter, zumal der Touchscreen der Box mitunter sehr zäh reagiert.
Fazit
Ankers neue Soundcore-Ohrhörer sind zwar keine Schnäppchen, aber sie haben viel zu bieten, weshalb auch ihr Preis-Leistungs-Verhältnis gut ist. Eine günstigere Variante mit normalem Case wäre allerdings nicht schlecht. Denn der tolle Klang, der bequeme, sichere Sitz und das speziell bei Telefonaten herausragende ANC dürften vielen Nutzerinnen und Nutzern schon genügen. Bei den Max bietet das Display echten Mehrwert, bei den normalen Liberty 5 Pro ist es eher eine Spielerei.

