Technik

Soundcore Space 2 ausprobiertDieser 130-Euro-Kopfhörer klingt fast wie 300 Euro

22.04.2026, 19:17 Uhr Icke-im-WaldVon Klaus Wedekind
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Soundcore Space 2 Test (1 von 4)
Die Soundcore Space 2 gibt es in Salbeigrün, Cremeweiß oder Tiefschwarz. (Foto: kwe)

Der Soundcore Space 2 ist ein Kopfhörer, der in vielen Bereichen mit mehr als doppelt so teuren Konkurrenten mithalten kann. Er ist klangstark, hat eine solide aktive Geräuschunterdrückung und bietet interessante Extras. Gespart hat der Hersteller hauptsächlich am Drumherum.

Die besten ohrumschließenden Bügel-Kopfhörer kosten oft mehr als 300 Euro, einige Over-Ear-Champions sind sogar noch deutlich teurer. Weil viele Nutzerinnen und Nutzer nicht bereit sind, so viel Geld auszugeben, sind Ankers Soundcore-Headsets ziemlich erfolgreich, da sie gewöhnlich ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Das trifft auch auf den jüngsten Kopfhörer der Chinesen zu, den Soundcore Space 2, der für knapp 130 Euro zu haben ist.

Soundcore Space 2 Test (4 von 4)
Die Kopfhörer kommen nur mit einer Stofftasche. (Foto: kwe)

Der Vorgänger ging im Herbst 2023 noch für 30 Euro weniger an den Start, doch auch Anker muss den enorm gestiegenen Kosten Rechnung tragen. Weil es der Konkurrenz nicht anders ergeht, bleibt der Preis-Abstand aber etwa gleich. Das gelingt dem Hersteller unter anderem, indem er kein stabiles Transport-Etui mitliefert, sondern lediglich ein Stofftäschchen.

Nicht billig, aber bequem

Das kann der Soundcore Space 2 aber verkraften. Denn er ist zwar größtenteils aus Kunststoff gefertigt, doch Bügel und Gelenke des Kopfhörers bestehen aus Metall. Auch sonst sieht und spürt man ihm den günstigen Preis nicht an. Die Verarbeitung ist einwandfrei, nichts knarzt oder klappert.

Der Space 2 ist mit etwas mehr als 260 Gramm ein ausgesprochenes Leichtgewicht. Er ist großzügig gepolstert, die Muscheln lassen den Ohren viel Luft und der Kopfhörer sitzt sicher, aber nicht zu stramm. Insgesamt ist sein Tragekomfort hoch. Wie bei vielen anderen Over-Ears wird es unter ihm aber recht schnell warm.

Unkomplizierte Tasten-Steuerung

Anker hat sich auch eine Touch-Steuerung gespart, was eher ein Vor- als Nachteil ist. Denn die Bedienung über die gut platzierten und unterscheidbaren Tasten ist unkompliziert, aber effektiv. Rechts findet der Daumen neben einer Lautstärke-Wippe eine Multifunktionstaste. Durch kurzes oder langes Drücken werden mit ihnen alle Funktionen bei der Wiedergabe und Telefonaten abgedeckt.

Soundcore Space 2 Test (3 von 4)
Mit den Tasten kommt jeder zurecht. (Foto: kwe)

Die Multifunktionstaste heißt so, weil man über sie zusätzlich zu Start/Stopp wahlweise einen Nickerchenmodus, eine KI-Übersetzung oder einen digitalen Assistenten starten kann. Anker bietet mit Anka auch einen eigenen KI-Assi, aber man hat die freie Wahl. Die Cloud-Übersetzung soll auch in Echtzeit funktionieren, im Test betrug die Verzögerung aber mehrere Sekunden.

Auf der linken Seite sitzt über der Ein-/-Aus-/Bluetooth-Taste ein Knopf, der zwischen aktiver Geräuschunterdrückung (ANC), Transparenzmodus und der Wiedergabe ohne Effekt wechselt. Drückt man ihn zweimal, kann man eine Bassverstärkung aktivieren/deaktivieren.

Soundcore Space 2 Test (2 von 4)
Der Sensor für die Trageerkennung ist kaum zu übersehen. (Foto: kwe)

Blickt man in die linke Muschel, sieht man einen großen Sensor für die Trageerkennung. Der Space 2 pausiert also automatisch, wenn man ihn abnimmt, und setzt die Wiedergabe fort, wenn er wieder auf dem Kopf sitzt. Viele günstigere Headsets sparen sich diese praktische Funktion. Interessant: Man kann den Sensor kalibrieren.

Guter Klang

Um Klang und ANC zu beurteilen, ließ ntv.de den Preiskämpfer gegen Sonys Champion WH-1000XM6 antreten, der in beiden Disziplinen spitze ist. Er ging vergangenes Frühjahr für rund 450 Euro an den Start und kostet aktuell im Online-Handel etwa 350 Euro.

Beim Ton kommt der Space 2 dem Top-Kopfhörer erstaunlich nahe. Er ist zwar nicht ganz so präzise, definiert und klar, aber das hört man eigentlich nur im direkten Vergleich. Mit den Werkseinstellungen bietet der günstige Kopfhörer kräftige, aber kontrollierte Bässe, die tief herabreichen. Die sauber definierten Mitten geben den Ton an und werden mit Details der klaren Höhen garniert.

Die App hat einiges zu bieten

Die Standardeinstellungen sind ziemlich ausgeglichen, was je nach Geschmack genau richtig oder vielleicht ein wenig langweilig wirkt. Um das zu ändern, bietet Anker in der Soundcore-App mehr als 20 Alternativen. Wahlweise kann man den Sound auch über einen Equalizer individuell einstellen.

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Die App bietet mehrere Möglichkeiten, den Klang anzupassen. (Foto: kwe)

Für die Preisklasse alles andere als üblich hat man außerdem die Möglichkeit, über einen Test den Klang dem eigenen Hörvermögen und persönlichen Präferenzen entsprechend anpassen zu lassen. Der Unterschied ist deutlich hörbar. Gefällt einem das Resultat, kann man es speichern.

Ebenso ist nicht selbstverständlich, dass der günstige Kopfhörer 3D-Sound bietet. Bei modernerer Musik ist der Effekt recht gelungen, bei älteren Aufnahmen klingt er oft unnatürlich.

Koppelt man ein Android-Smartphone, kann man den Bluetooth-Codec LDAC aktivieren, um Musik in höherer Auflösung zu hören. Bei entsprechenden Quellen macht dies vielleicht einen feinen Unterschied, ansonsten geht es zulasten der Ausdauer und der Stabilität der Verbindung. iPhones unterstützen allgemein keinen besseren Codec als AAC.

ANC vor allem unterwegs effektiv

Bei der aktiven Geräuschunterdrückung hat sich der Hersteller darauf konzentriert, gleichmäßiges Rauschen und Brummen herauszufiltern, das unter anderem in Flugzeugen, Zügen oder am Fenster zu verkehrsreichen Straßen stört. Das ist prima gelungen. Der Space 2 unterdrückt diese Frequenzen zwar nicht ganz so effektiv wie der Sony Champion WH-1000XM6, aber auch in dieser Disziplin liegt er nicht weit zurück. Weniger wirksam ist das ANC etwa bei klappernden Tastaturen oder Gesprächen, also bei höheren Frequenzen.

Ist der Effekt aktiviert, hört man ohne Wiedergabe ein leichtes Eigenrauschen, was völlig normal ist. Beim Transparenzmodus ist es deutlich stärker wahrnehmbar. Ansonsten wirkt der Effekt zwar nicht so, als habe man keine Kopfhörer auf, aber man bekommt alles in der Umgebung mit. Nicht zu vernachlässigen: Wie bei der aktiven Geräuschunterdrückung kommt der Kopfhörer auch im Transparenzmodus gut mit starkem Wind klar.

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Manchmal ist Rauschen auch erwünscht, nämlich im Nickerchenmodus, den man in der Soundcore-App aktivieren oder über die Multifunktionstaste starten kann. Um zwischen Flugrauschen, Regen und anderen Klängen zu wechseln, drückt man länger auf die Lautstärketaste. Die entsprechenden Einstellungen muss man erst mal finden. In den Einstellungen gibt es aber für den Kopfhörer eine ausführliche Anleitung - versteckt hinter "Tipps zur Verwendung".

Hohe Ausdauer

Bei Anrufen erledigt der Kopfhörer seine Arbeit ordentlich, aber nicht überragend. Das heißt, solange man nicht an einer belebten Straße telefonieren möchte, wird man gut verstanden. Dabei klingt die eigene Stimme allerdings etwas blechern.

Ein Glanzstück des Soundcore Space 2 ist seine hohe Ausdauer. Mit aktiviertem ANC und eingeschalteter Trageerkennung hält er bei mittlerer Lautstärke bis zu 50 Stunden durch. Mit LDAC sind es immer noch 35 Stunden. Ist der Akku leer, genügen fünf Minuten am Ladegerät für bis zu vier Stunden Wiedergabe. Prima: Man kann den Kopfhörer auch mit dem Klinkenkabel nutzen, wenn er ausgeschaltet ist.

Fazit

Der Soundcore Space 2 ist für sparsame Nutzerinnen und Nutzer, die nicht zu viel Geld für einen bequemen und ausdauernden Kopfhörer mit gutem Klang und ANC ausgeben möchten, definitiv einen Blick wert. Bis auf das fehlende Etui lässt er auch bei der Ausstattung nur wenig Wünsche offen.

Quelle: ntv.de

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