Leben

Chancen durch Corona Homeschooling - doch gar nicht so schlecht!

Ein Schüler erledigt Aufgaben im Rahmen des Homeschooling. Foto: Jonas Güttler/dpa/Symbolbild

Aus der Not eine Tugend machen? Homeschooling hat auch Vorteile.

(Foto: Jonas Güttler/dpa/Symbolbild)

Coronabedingte Schulschließungen haben einen schlechten Ruf. Doch es gab auch positive Seiten. Der Alltag für Schüler wird entschleunigt, der Maskenstress fällt weg und das Lernen erhält einen digitalen Schub. Ein Erfahrungsbericht.

Die Schulen waren während des ersten Corona-Jahres 2020 monatelang zu. Für meine Mitschüler und mich war Homeschooling angesagt, also Unterricht von zu Hause. In den Nachrichten hieß es immer, der Online-Unterricht habe überwiegend schlechte Auswirkungen auf Schüler. Auch jetzt, während der Omikron-Welle, wollen Politiker unbedingt verhindern, dass Schulen wieder schließen.

Aus meiner Erfahrung gab es aber auch positive Aspekte in dieser Phase. Lehrer haben uns während des Homeschoolings spannende und vielfältige Projekte aufgegeben. Zum Beispiel sollten wir Scrapbooks - kreative kleine Sammelalben - und Portfolios erstellen, aber auch an "Mausefallenautos" und Trickshot-Videos arbeiten. Klassenarbeiten wurden unter anderem durch ein Filmprojekt ersetzt. Das hat Stress herausgenommen und man konnte kreativ sein. Schulaufgaben entwickelten sich zu Aktionen, die man auch mit Spaß verbindet.

Ein weiterer Vorteil vom Homeschooling: Man sparte sich den Schulweg. Auch das längere Ausschlafen kam mir sehr gelegen. Und das Gefühl, Zeit bei langen Schulpausen zu verschwenden, kam auch nicht mehr auf. Ich konnte mir die Zeit auch etwas mehr selbst einteilen. Es war eine neue Art zu lernen und brachte frischen Wind in den manchmal doch so eintönigen Schulalltag.

Sportunterricht per Videoschalte

Aber natürlich war nicht alles toll am Online-Unterricht. Es kam auch dazu, dass sich Arbeit und Freizeit vermischten. Morgens erwachte man manchmal nicht aus der Trägheit und abends fiel es manchmal schwer, ein richtiges Ende zu finden, da man über den Tag so wenig geschafft hatte und vielleicht ein bisschen hinterherhing mit dem Stoff und all den offenen Aufgaben.

Außerdem fehlte der direkte Bezug zum Lehrer und komplizierte Aufgaben waren sehr schwierig und aufwändig zu lösen. Dann musste man die Eltern um Hilfe bitten, die aber verständlicherweise auch nicht immer und überall Zeit hatten.

Auch war es oft schwierig, in den Videokonferenzen dem Unterrichtsstoff zu folgen, da bei einigen Schülern immer wieder das Internet abbrach und viel Zeit dafür verwendet wurde, abzuklären, wer überhaupt noch anwesend ist. Man verlor schnell die Konzentration, da man Schulstoff über den Bildschirm nicht so gut nachvollziehen konnte, wie in echt. Sogar der Sportunterricht lief per Videokonferenz ab.

Wechselunterricht die beste Mischung

Es ist daher die Mischung, der sogenannte Wechselunterricht, der aus meiner Sicht am besten funktionierte. An manchen Tagen Homeschooling, an manchen Tagen Präsenzunterricht. Den einen Tag konnte man Aufgaben etwas entspannter zu Hause machen, aber man hat sich auch auf den kommenden Tag gefreut, wenn man wieder Freunde sehen konnte und mit den Lehrern in Kontakt getreten ist.

An einem Schultag mit Unterricht war es dann wie früher: Man fuhr zur Schule und verbrachte dort den ganzen Tag - allerdings mit Maske. An Tagen, wo keine Schule mit Anwesenheitspflicht vor Ort war, konnte man wieder etwas vom manchmal stressigen Schulalltag regenerieren. Es war ein perfekter Ausgleich und wurde deswegen auch nie langweilig.

Mein Fazit aus dieser Phase: Homeschooling war auf jeden Fall eine nette Abwechslung und ich fände es toll, wenn es auch künftig Teil des Schulalltags werden könnte. Und deswegen denke ich auch, dass es sinnvoll wäre, das Modell des Wechselunterrichts in Zukunft wieder zu nutzen.

Schulleben stark verändert

Mittlerweile gibt es das Homeschooling leider gar nicht mehr. In Bezug auf Corona hat sich das Schulleben dennoch relativ stark verändert, da etwa alle Klassenfahrten bis jetzt abgesagt wurden. Aufgrund der gegebenen Umstände müssen wir immer noch im Klassenraum Masken tragen, den ganzen Schultag über. Nur in den Pausen auf dem Schulhof dürfen wir sie abnehmen. Dabei sollen wir am besten immer Abstand halten.

Auch bei der Sitzordnung hat sich etwas geändert, die Plätze sind festgelegt und man darf sich nicht mehr umsetzen. Essen dürfen wir im Klassenraum nur an unserem Platz. Corona-Tests müssen wir auch durchführen. Egal, ob man geimpft ist oder nicht. Dreimal die Woche. Es klaut viel Zeit von der ersten Unterrichtsstunde am Morgen - was wiederum der Großteil der Schüler gut findet, da man nochmal etwas entspannen kann, während die Corona-Tests gemacht werden.

Im Unterricht wird das Thema Pandemie und Corona allerdings nicht oft behandelt. Auch untereinander reden Schüler mittlerweile nicht mehr darüber. Ich denke, wir Schüler und auch manche Lehrer können es so langsam nicht mehr hören.

Lernen so digital wie nie

Die Zeiten des Online-Unterrichts hatten auch einen guten Einfluss auf den Schulalltag. So arbeiten wir nun öfter mit digitalen Geräten, machen manchmal kleine Überprüfungen und Präsentationen online. Die Lehrer nutzen auch die Tafel kaum noch, sondern arbeiten mit Laptop und Beamer. Auch ganz viele Schüler arbeiten inzwischen komplett mit ihren eigenen iPads und "Apple Pens" - Papier und Stift nutzen sie gar nicht mehr. Vor Corona war das noch anders.

Digitalisierung ist bei uns durch die Pandemie generell zum großen Thema geworden. Oft planen wir, wie man die Schule noch digitaler gestalten kann, wie wir Smartphones und Tablets noch besser in den Unterricht einbringen könnten. Da gibt es viele spannende Möglichkeiten: Etwa eine Physik-App namens Phyphox, die Sensoren im Smartphone nutzt, um damit physikalische Experimente zu machen. Damit haben wir etwa den Luftdruck im Klassenraum gemessen. Ich finde diese Entwicklung gut, denn das Arbeiten mit digitalen Geräten macht Spaß.

Ich finde auch, dass die zwei Jahre Pandemie keine verlorene Zeit sind, da solche Umstände auch eine wichtige Erfahrung sind und eventuell auch Chancen bringen. Zum Beispiel konnte ich im Lockdown neue Dinge ausprobieren, da ich ein bisschen mehr Zeit hatte - und vielleicht hätte ich das nicht gemacht, wenn man nicht in so einer Situation gewesen wäre. Toll fand ich auch, dass der Alltag etwas entschleunigter war. Schade war natürlich, dass wir unsere Freunde anfangs nicht regelmäßig sehen konnten und viele Freizeitaktivitäten geschlossen waren - man konnte nicht einfach spontan ins Kino oder Schwimmbad gehen. Das Leben hat sich in dem Zusammenhang nicht mehr ganz so frei angefühlt.

Matilda Stoppel ist 14 Jahre alt und besucht die 9. Klasse eines Kölner Gymnasiums.

Quelle: ntv.de

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