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Mörderisches "Follow the Money" Den Kapitalismus in seinem Lauf ...

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Nicky will nur ein besseres Leben für sich und seine kleine Familie, aber ehe er sich versieht, wird er zum mörderischen Handlanger des Großkapitalismus.

(Foto: Edel)

Banken, Kapitalismus, Neoliberalismus, Globalisierung: Alles bestimmt die Gier, das Streben nach Reichtum. Moral und Menschlichkeit werden niedergetrampelt. "Follow the Money" macht aus dieser Gemengelage und ein paar Morden einen absoluten Hingucker - und Erfolg in Serie.

Erinnern Sie sich noch an die karrieregeile Claudia? Oder den nach einem besseren Leben für sich und seine Familie strebenden Automechaniker Nicky? An den Schweden? Oder die beiden Bullen Mads und Alf? Wenn ja, hat die dänische Crime-Serie "Follow the Money" bleibenden Eindruck bei Ihnen hinterlassen. Bei nein holen Sie sich hier ganz schnell und einfach das nötige Hintergrundwissen und ab geht es dann zur 2. Staffel, in der alle wichtigen Protagonisten wieder mitspielen - und es erneut heißt: Gier ist geil!

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Simon und Amanda: Der schöne Schein trügt, auch das nach außen perfekte und unternehmerisch erfolgreiche Geschwisterpaar hat seine dunkle Vergangenheit.

(Foto: Edel)

Diesmal wird ein noch größeres Rad gedreht: Die noch immer karrieregeile Claudia (Natalie Madueno), deren Ex-Mann und Sohn mittlerweile in Frankreich leben, während sie selbst regelmäßig ihrem Bewährungshelfer Besuche abstatten muss, heuert bei der Privatbank Absalonsen an. Die wird von den Geschwistern Simon (David Dencik) und Amanda (Sonja Richter) geführt und lehrt die Branche das Fürchten: Sie ist progressiv, ihrer Zeit voraus, der Kunde ist dort wirklich König - und Absalonsen wächst dadurch stark.

Sie ist der dänischen Nummer eins, der Nova Bank, ein Dorn im Auge. Hier hält Knud Christensen (Waage Sande) alle Fäden in der Hand und spinnt, wie schon in der 1. Staffel, seine Intrigen um politischen Einfluss, wirtschaftliche Macht und Milliarden. Claudia hat mit Christensen noch eine Rechnung offen und als die Nova ein feindliches Übernahmeangebot für Absalonsen abgibt, hilft sie Simon und Amanda, Verteidigungsstrategien zu entwickeln. Im Fokus dabei: der eigene Vorstand und die Aktionäre.

Die Bullen mit Ecken und Kanten

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Die von Grund auf verschiedenen Wirtschaftsbullen Alf und Mads verbindet ihr Sinn für Gerechtigkeit.

(Foto: Edel)

Indes sind die beiden Wirtschaftskriminalisten Mads (Thomas Larsen) und Alf (Thomas Hwan) an der Nova Bank dran, die, wie es scheint, eigene Kunden in die Pleite treibt, um sich dann an deren Hab und Gut zu bereichern. Dabei nutzen sie offenbar jedes sich bietende gesetzliche und steuerliche Schlupfloch - und gehen sogar über Leichen.

Mads und Alf haben anfangs nur Indizien. Beweise für die moralisch fragwürdigen Machenschaften, die sie dann letzten Endes zu kriminellen Handlungen machen, fehlen ihnen, trotz manch rechtlich fragwürdiger Vorgehen. Sie brauchen einen Insider bei der Nova Bank, einen, der über deren dreckigen Geschäfte Bescheid weiß. Aber sobald sie auch nur in die Nähe eines möglichen Kronzeugen geraten, segnet dieser unfreiwillig das Zeitliche.

Die Ausputzer

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Der Schwede: Sieht so ein kaltblütiger Mörder aus?

(Foto: Edel)

Hier kommt der Schwede (Claes Ljungmark) wieder ins Spiel. Ein älterer Herr, Großvater. Einem, dem man über die Straße helfen will, es aber sein lassen sollte, weil er einen sonst kaltblütig und ohne jeden Skrupel vor das nächste heranbrausende Auto stößt. Er mordet für "Die da oben", damit ihre Machenschaften geheim bleiben. Aber ein Herzinfarkt setzt ihn außer Gefecht und so greift er auf die Dienste des Automechanikers Nicky (Espen Smed) zurück. Der ist der Kopf einer netten Kleinfamilie und versucht der ein besseres Leben zu ermöglichen. Botengänge für den Schweden kommen da genau richtig. Doch aus den Botengängen wird schnell mehr und so dauert es auch nicht lange, bis an Nickys Händen Blut klebt - und der Sympathieträger aus Staffel 1 zum Entführer und Mörder wird.

Er hat die Frage, die sich "Follow the Money" erneut stellt (wie weit würdest du für Reichtum und ein besseres Leben gehen?), für sich selbst damit beantwortet. Auch Claudia stellt sie sich erneut und scheint wie in Staffel 1 daran zu zerbrechen, obwohl sie die starke Frau, der weibliche Sympathieträger der Serie ist.

Profitstreben um jeden Preis

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Bei Claudia menschelt's in Staffel 2 mehr.

(Foto: Edel)

Und so wartet auch die 2. Staffel von "Follow the Money" mit einer menschlich-moralischen Gemengelage auf, die ab der ersten Minute tief in den Bann zieht und keinen Zuschauer kaltlässt. Fingernägelkauend sitzt man auf dem Sofa oder im Sessel und schaut eine Folge nach der nächsten, unfähig aufzuhören.

Zehn Folgen und rund 550 Minuten später, wenn der letzte Abspann über den Fernseher flimmert, erwacht man aus der Trance, in die einen "Follow the Money" auch mit der 2. Staffel gezogen hat. Und wie bei einem Pageturner weiß man nicht, wohin mit sich, braucht mehrere Minuten, um wieder im Hier und Jetzt, in der Realität zu landen. Eine Realität, die gar nicht so weit entfernt vom Serienplot ist: Die Reichen werden immer reicher und skrupelloser, während die Mittelschicht Abstiegsängste hat und die Armen immer ärmer werden.

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Kapitalismus pur, Neoliberalismus pur, Globalisierung pur: schlichtweg zum Kotzen das Ganze. Aber "Follow the Money" spinnt daraus ein Netz aus Moral, Sympathie und großen Emotionen - und verpackt alles in einen Wirtschaftsthriller, der sich gewaschen hat und an dessen Ende Fragen offen bleiben, die jeder zuerst für sich selbst beantworten muss: Willst du ein Nicky, eine Claudia, eine Amanda, ein Simon, ein Mads, ein Alf oder ein Knud sein?

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Quelle: n-tv.de

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