Unterhaltung
Vicki gerät in die Fänge des Serienkillers White.
Vicki gerät in die Fänge des Serienkillers White.
Montag, 30. Oktober 2017

Serienkiller made Down Under: "Hounds of Love": Blutige Stiche ins Herz

Von Thomas Badtke

Australien: Vicki hat Stress mit ihrer Mutter, die sich scheiden lassen will. Auf einer Party will sie ihre Wut mit viel Alkohol vergessen - aber sie kommt nie an. Stattdessen landet sie bei den Whites, auf einem Bett, an Ketten gefesselt. Der Horror beginnt.

Vicki (Ashleigh Cummings; "Galore", "Tomorrow, when the War began") lebt in Australien und führt das Leben eines typischen Teenager: Sie versucht, in der Schule so gut es geht durchzukommen. Ihr Freund hilft ihr dabei - und gemeinsam genießen sie so manchen Joint und die erste große Liebe. Das ist das Positive an Vickis Leben. Aber auch die negative Seite ist irgendwie typisch für die heutige Zeit: Ihre Eltern haben sich gerade getrennt, die Mutter ist zu Hause ausgezogen. Weder Vicki noch ihr Dad kommen damit sonderlich gut klar.

Als Vicki dann wieder einmal einen Tag bei ihrer Mutter verbringt, eskaliert ein Streit. Verletzende Worte, Tränen, zuknallende Türen sind die Folge - und das Verbot der Mutter zum Besuch einer Party. Vicki setzt sich darüber hinweg und macht sich des Nachts still und heimlich aus dem Staub.

Vicki trifft gleich die falsche Entscheidung ...
Vicki trifft gleich die falsche Entscheidung ...

Zu Fuß unterwegs zur Party und ihrem Freund nimmt sie nach einigem Hin und Her doch das Angebot eines freundlich und verliebt erscheinenden Ehepaars John (Stephen Curry; "Rogue", "The King") und Evelyn White (Emma Booth; "Gods of Egypt") an, das sie in ihrem Wagen ein Stück mitnehmen will. Am Ende landet Vicki bei ihnen zu Hause. Der Grund: Von dort könne sie problemlos ein Taxi rufen.

Doch dazu kommt sie nicht mehr. John legt "Night of White Satin" von The Moody Blues auf, dreht die Musik lauter und greift sich seine Frau für einen Tanz. Vicki genießt währenddessen ihren Drink und auch einen Joint - und wird urplötzlich schläfrig. Sie steht auf, versucht noch zur Tür zu kommen, doch ihre Beine wollen nicht mehr. Als Nächstes findet sie sich auf einem Bett wieder, angekettet.

Überragend: Stephen Curry als John
Überragend: Stephen Curry als John

Was Vicki nicht weiß: John White ist ein Serienkiller und Evelyn ist ihm hörig. Sie ist nicht das erste Mädchen, das das Ehepaar als Anhalter von der Straße aufgabelt. In der Regel bleibt das Opfer ein paar Tage im Haus, wird vergewaltigt, geschlagen und erniedrigt. Dann wird es umgebracht und irgendwo in einem Loch verscharrt.

Vicki versucht zu Beginn noch an die Mutterliebe von Evelyn zu appellieren. Die hatte einst auch zwei Kinder, die ihr aber offenbar wegen Johns Gewaltausbrüchen weggenommen wurden. Vickis hilfeheischende Worte zeigen Wirkung, doch der daraus resultierende Fluchtversuch geht schief. Evelyns Hund schlägt Alarm.

Sehenswert: Emma Booth aks Evelyn
Sehenswert: Emma Booth aks Evelyn

John verbringt daraufhin immer mehr Zeit mit Vicki. Evelyn bekommt es mit der Angst zu tun, dass ihr Mann sie fallen lassen könnte. Wie unberechenbar er ist, zeigt sich kurz darauf: Nachdem Evelyns Hund im Haus seine Notdurft auf einen Teppich verrichtet hat, tritt John so lange auf das arme Tier ein, bis dieses tot ist. Evelyn schaut nur hilflos zu.

Aber bereits in diesem Punkt merkt der Zuschauer, dass der Plot von "Hounds of Love" des Regisseurs Ben Young ("Rush Basher") eine entscheidende Wendung nehmen könnte. Das Leiden Vickis tritt in den Hintergrund, die Beziehung von John und Evelyn in den Vordergrund. Young versucht zu erklären, wie aus der Frau Evelyn die Gehilfin eines Serienkillers werden konnte. Dass sie selbst Gewalt in einer früheren Beziehung über sich ergehen lassen musste, aus der sie John dann befreit hat, ist dabei aber nur ein Anhaltspunkt.

"Hounds of Love" ist bei Indeed Film erschienen.
"Hounds of Love" ist bei Indeed Film erschienen.

Vickis Eltern indes raufen sich zusammen, die Suche nach ihrer Tochter lässt alle anderen Probleme, auch die ihrer zerrütteten Beziehung, hintanstehen. Sie haben eine Spur, die Polizei verweigert aber ihre Hilfe: Vicki musste einen Brief schreiben, in dem sie erklärt, dass sie wegen der Trennung nach Adelaide abgehauen sei. Die Whites versprachen sich dadurch Zeit, allerdings ist der Brief vom Postamt in ihrer Nähe abgestempelt worden.

Bleiben die Fragen: Schafft es Vicki? Überlebt sie? Retten sie ihre Eltern? Oder hilft ihr Evelyn vielleicht sogar erneut bei der Flucht? Bekommt John seine gerechte Strafe? Die Antworten liefert "Hounds of Love" in spannungsgeladenen letzten Minuten - in bewegenden Bildern und zu den Klängen von Joy Division ("Atmosphere"). Wunderschön und absolut konterkarierend zu dem Thema des Films.

Das wiederum ist typisch australisch. Die Horrorfilme aus "down under" sind in der Regel bretthart wie "The Loved Ones" oder auch die "Wolf Creek"-Reihe beweisen. Sie sind daher auch nicht jedermanns Sache, was auch für "Hounds of Love" gelten dürfte. Wenn John bei Vicki ist, bleibt die Tür zwar geschlossen und der Zuschauer sieht nichts, durch die Schreie des Mädchens lässt sich aber erahnen, was da vor sich geht. Eine anschließende Großaufnahme von Vickis Gesicht ist dann der endgütige Schlag in die Magengrube des Zuschauers.

Evelyns Spruch an Vicki gerichtet, dass das alles nicht passiert wäre, wenn Vicki auf ihre Mutter gehört und zu Hause geblieben wäre, mutet dabei wie ein schlechter Witz an. Aber auch das ist typisch für einen australischen Horrorfilm: Nicht viel Drumherum reden, klare Aussagen, auf die Zwölf - die dann eben auch weh tun. 

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Quelle: n-tv.de