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Adel: Sie wollte irgendwas mit Medien machen ...
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Dienstag, 28. November 2017

Wahrer Horror live im Fernsehen: "Kill TV": Der Titel ist Programm

Von Thomas Badtke

Läuft wieder nur Müll in der Glotze? Tja, früher war bekanntlich alles besser. Da gab es sogar richtige Horrorshows - am Freitagabend, mit schrägen Anmod-Frauen und reitenden Leichen. Herrlich! Wer das vermisst, dem sei "Kill TV" ans Herz gelegt.

Endlich Freitag: Als sich das übergewichtige Pärchen vor dem Fernseher gemütlich macht, ahnt es nicht, welcher Horror in dieser Nacht auf sie zukommen wird. Gut, sie wollten Horror, sonst hätten sie die makabre Show des Dr. Perseco (D.C. Douglas; "Mass Effect 3", "Resident Evil 5") auf Channel 6 nicht eingeschaltet. Eine Show, deren Inhalt aus lokalen, meist kurzen Indie-Horrorfilmen besteht, unterbrochen durch Werbung und die One-Man-Live-Show Persecos. Der beißt dann schon einmal in ein Schweineherz und lässt dazu kräftig Kunstblut vor der Kamera tropfen.

"Kill TV" ist bei Tiberius erschienen.
"Kill TV" ist bei Tiberius erschienen.

Ein Hochgenuss für die beiden nicht namentlich genannten Horrorfans, die sich mit Popcorn vor die Glotze gesetzt haben. Doch dann taucht Perseco plötzlich auf dem Bildschirm auf und verlangt von den Zuschauern, dass sie die Polizei rufen mögen, denn im Sender sei ein Mord passiert. Das Pärchen glotzt sich an: "Alles Show!" Könnte stimmen, denn das Programm - inklusive Werbung - geht weiter.

Mord auf Sendung

Aber in dem kleinen heimeligen TV-Sender Channel 6 treibt tatsächlich ein Serienmörder sein Unwesen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn der Sender verdient mit Geschichten über Serienmörder sein Geld. Das knappe Dutzend Angestellte, das sich noch im Sendegebäude befinden, findet das allerdings ganz und gar nicht lustig.

Panik greift um sich. Dr. Perseco behält dabei die Ruhe. Er kennt sich aus. Hat alles schon gesehen. Seine Tipps fallen vielversprechend aus: Nicht trennen, zusammenbleiben, Hilfe rufen. Hilfe rufen? Die Telefonanlage ist so tot, wie das erste Opfer. Die Handys sind nicht erreichbar, kommen vor einer TV-Produktion immer in eine strahlungssichere Box, damit es zu keinen Störungen kommt. Also einfach schnellstmöglich raus aus dem Gebäude!

Tja, da scheint sich jemand viel Mühe gegeben zu haben, denn alle Türen sind verriegelt oder elektrisch blockiert. Was also nun? Das Sendeprogramm unterbrechen und Hilfe rufen! Allerdings läuft das Programm auf Automatik, programmiert. Damit die Angestellten mehr Zeit haben für Joints und Geschnacksel. Nur die kurzen Liveschalten in Persecos Show bieten die Chance für Hilferufe.

Wer ist der Serienkiller?

Dr. Perseco bei der Arbeit.
Dr. Perseco bei der Arbeit.

Und da wäre wieder das krude Pärchen mit seinem Popcorn. Während die Frau mittlerweile so weit ist, die Polizei zu verständigen, rät der Mann mit seinem speckigen Unterhemd davon ab: "Gehört alles zur Show!" Da taucht Perseco wieder auf, mit einer weiteren Leiche im Bild. "Mann, die sieht viel zu gut aus als das, was die sonst so da haben ...", mokiert sich das Weib und klingelt bei der Polizei durch. "Und ...?", fragt ihr Mann. "Warteschleife ...", antwortet die Frau.

Im Fernsehsender geht indes das muntere Sterben erst so richtig los. Die Leichen sind teilweise schlimm zugerichtet. Selbst Perseco gehen langsam die guten Ratschläge aus. Da entdecken die verbliebenen Angestellten zum einen, dass sie den Hausmeister total vergessen haben. War der noch vor einer halben Stunde noch mit dem Staubsauger durch die Korridore geschlurft? Kommt man vielleicht aufs Dach, um von dort auf sich aufmerksam zu machen? Auf geht's. Hauptsache etwas tun.

Und zackzarapp sind wieder welche tot. Aber nun gibt es plötzlich einen Hinweis. Ein Band, das auf Montag programmiert wurde und in dem es um die Enthüllung eines Serienmörders ging, der vor zwölf Jahren in New York sein Unwesen getrieben hat. Wer war vor zwölf Jahren in New York? Der traurige Haufen Elend zählt durch: Perseco ist bereits seit 20 Jahren bei Channel 6, Adel (Astrea Campbell-Cobb; "Gotham") war damals gerade zwölf Jahre alt. Und der Hausmeister?

Der wurde schlafend in einem Kabuff gefunden, will von nichts eine Ahnung oder etwas mitbekommen haben, war aber damals bei der Navy. Oha! Als Koch. Egal, erst mal fesseln. Sicher ist sicher. Und weiter wird gerätselt: Wer ist der Serienkiller? Was ist sein Motiv? Wie kann man ihn stoppen?

Und früher war doch alles besser!

Eines sei verraten: Dr. Perseco ist es nicht. Das läge auch zu nahe. Dafür ist der Typ aber auch zu sympathisch. Überhaupt: eine wöchentliche Horrorshow im Fernsehen - das ist so Endachtziger. Das fetzt schon fast wieder richtig! Selbst RTL hatte das dereinst im Programm. Da galoppierten dann beispielsweise die reitenden Leichen über den Bildschirm.

Achtziger-Style, das ist es auch, was "Kill TV" so liebenswert macht. Die Horror-Show, Dr. Perseco, der ganze Score drumherum - das alles lädt Horrorfans zu einer Zeitreise ein. Dass die Story ein verkappter Krimi mit Splatterelementen ist, stört überhaupt nicht. "Kill TV" ist vielmehr als Hommage zu sehen. Ein bisschen Lokal-TV-Kolorit hier, ein wenig "Wayne's World" da, dazu ein Krümel "Halloween" und wer es neuer und humoristischer mag, vielleicht auch noch ein wenig "Scream".

Aber am Ende steht eben "Kill TV" drauf und der Regisseur William Collins ("The Caretaker") drunter. Und der Zuschauer, der Genreliebhaber, wie es immer so schön heißt, hört sich laut rufen: "Endlich Freitag!"

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Quelle: n-tv.de