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Das Ende der Unschuld mit FSK 18 "Sommer 1943" zeigt Weltkriegs-Gräuel

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Gegen das Vergessen: "Sommer 1943: Das Ende der Unschuld".

(Foto: Tiberius)

Bei Filmen mit Thema Zweiter Weltkrieg liegt der Fokus meist auf Heldengeschichten á la Hollywood. "Sommer 1943" ist da komplett anders. Das 150-Minuten-Epos zeigt den Krieg und seine Auswirkungen auf die Menschen unverfälscht. Er schockt mit Bildern und Worten.

Seit Jahren werden immer wieder Stimmen laut, die fordern, dass man den Zweiten Weltkrieg und die Zeit des Dritten Reiches endlich abhaken, ja sogar vergessen sollte. AfD-Chef Alexander Gauland versuchte den Nationalsozialismus als historischen "Vogelschiss" herunterzuspielen. Für ihn und alle anderen, die ähnlich denken, ist "Sommer 1943: Das Ende der Unschuld" Pflichtprogramm.

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"Sommer 1943: Das Ende der Unschuld" erscheint am 7. März bei Tiberius auf DVD und BD.

(Foto: Tiberius)

Regisseur Wojciech Smarzowski schildert in seinem 150-Minuten-Epos, was der Zweite Weltkrieg mit und aus normalen Menschen gemacht hat. Die Hollywood-Heldengeschichten á la "Der Soldat James Ryan" oder "Pearl Harbour" lässt der bekannte polnische Drehbuchautor und Regisseur dabei links liegen. Sein Film hat keines der großen Schlachtengetümmel zum Inhalt, keinen Wendepunkt im Krieg, kein bei uns bekanntes Ereignis - der Film gibt stattdessen einen Einblick in die damalige Zeit, wie sie wirklich war, eine Zeit, die nie wiederkehren darf.

Im Mittelpunkt von "Sommer 1943" steht Wolhynien oder Wolhyn, ein Gebiet im Nordwesten der heutigen Ukraine. Anfang der 1940er-Jahre lebten dort vor allem Ukrainer. Polen und Juden waren die größten Minderheiten. Vor allem die Polen waren aber bei der Bevölkerung nicht hoch angesehen, weil sie im Großen und Ganzen die Ländereien besaßen oder verwalteten und so das Wohl und Wehe der normalen ukrainischen Bauern in ihren Händen hatten.

Bei Dorffesten machten sich die Ukrainer hinter vorgehaltener Hand über die Polen lustig. Umgekehrt funktionierte das aber genauso. Als die junge Polin Zosia (Michalina Labacz), die eigentlich einen jungen Ukrainer aus ihrem Dorf liebt, einen älteren Polen mit viel Land heiraten muss, ist sie zwar unglücklich. Gleichzeitig weiß sie aber, dass ihr und auch ihrer Familie dadurch ein besseres Leben beschieden ist.

Aufgestaute Wut

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Der Krieg verändert Menschen.

(Foto: Tiberius)

Doch dann erreichen die Wirren des Zweiten Weltkriegs auch Zosia, ihr Heimatdorf und die gesamte Region. Und wie aus heiterem Himmel bricht die Hölle los: Ein Großteil der Ukrainer jubelt plötzlich für Nazi-Deutschland, erhoffen sich die Menschen dadurch doch ihre Freiheit vom "polnischen Joch". Nachbarschaft zählt nichts mehr, Freundschaften zerbrechen, der Hass regiert.

"Freiheitskämpfer" nehmen das Gesetz selbst in die Hand, machen Jagd auf Polen und Juden, unter Duldung der Nazis. Skrupel kennen sie nicht, auch Kinder werden auf bestialische Weise ermordet. Zosia, mittlerweile in der Rolle der Ehefrau und Stiefmutter angekommen, kann den Gräueltaten nichts abgewinnen, versucht stattdessen "ihre" Kinder mit allem, was sie hat, zu schützen. Aber sie merkt schnell, dass sie als Einzelperson dabei chancenlos ist.

In der Zwischenzeit formiert sich unter der polnischen Bevölkerung Widerstand - und es wird nach dem Motto "Auge um Auge" heimgezahlt. Männer, Frauen und Kinder sterben bei Brandschatzungen, werden hingerichtet, töten sich aus Verzweiflung selbst. Und die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller und schneller.

Die Macht der Worte

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Was als Familiensaga beginnt, endet als anklagender Gewaltexzess mit FSK-18-Freigabe.

(Foto: Tiberius)

Die Bilder, die Smarzowski auffährt, tun weh, hinterlassen tiefe Spuren beim Zuschauer. Aber es ist vor allem das gesprochene Wort, das schockiert. Wenn Männer sich darüber unterhalten, wie sie Babys mit Äxten spalten oder Kleinkinder in Heuballen stecken und sie anzünden, wird dem Zuschauer im Magen flau und er sitzt fassungslos vor dem Fernseher.

Im Geschichtsunterricht hat man davon nichts gehört, ist verschont geblieben, vielleicht sogar zu Recht. Aber als erwachsener Mann sollte man um "Sommer 1943" nicht herumkommen. Der Film fokussiert auf Polen und Ukrainer, wohlwissend, dass es diesen Gewaltausbruch in dieser Form ohne Nazi-Deutschland nicht gegeben hätte. "Sommer 1943" ist keine Erfindung eines zu lebhaften polnischen Geistes; die Gewaltexzesse, die gegenseitige Auslöschung auf ukrainischer und auf polnischer Seite gab es wirklich. Ein "Vogelschiss" sieht anders aus.

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Quelle: n-tv.de

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