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Ökonom warnt vor neuer Autarkie "Angst vor Globalisierung geht an den Kern"

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Laut Gabriel Felbermayr versetzt das Coronavirus dem Welthandel den entscheidenden Schlag.

(Foto: picture alliance / dpa)

IfW-Präsident Gabriel Felbermayr geht nicht von einer raschen Erholung nach dem Lockdown aus. Der Hang zur Abschottung werde größer. Deshalb könne Deutschland "nicht darauf vertrauen, sich gesund zu exportieren".

Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, fürchtet, dass die deutsche Wirtschaft sich nicht so wie nach der letzten Krise erholen wird. Durch frisch aufkeimende Globalisierungsängste und einen verstärkten Hang zur Autarkie und Abschottung könne Deutschland nicht darauf vertrauen, "sich nach der Krise wieder gesund zu exportieren", warnt er in dem Podcast "Die Stunde Null". Das alles gehe "an den Kern des deutschen Geschäftsmodells".

Gabriel Felbermayr spricht bei einem Interview. Foto: Carsten Rehder/Archiv

Der Chef des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, Gabriel Felbermayr.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Seiner Ansicht nach gibt es durch die Corona-Krise Tendenzen und Szenarien, dass die Welt sich in regionale Blöcke der Wertschöpfung aufteilt - also Nordamerika, Asien und Europa. Für die deutsche Volkswirtschaft, die rund 45 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung über Exporte erzielt, wäre das ein herber Schlag, so Felbermayr. Außerdem gebe es in der deutschen Politik auch Tendenzen zu neuer Autarkie - so etwa in der Medizintechnik. Man nenne es nur anders, zum Beispiel "technologische Souveränität", so auch in dem gerade vorgestellten Rettungsplan für Europa von Deutschland und Frankreich.

Zum anderen nehmen in der Bevölkerung die Sorgen vor der Globalisierung wieder zu. "Natürlich kann man das alles jetzt auf dem Altar der Seuchenbekämpfung opfern", sagte Felbermayr. Aber das würde teuer für die deutsche Volkswirtschaft, "dann geben wir ein Stück deutschen Wohlstand auf". Die deutschen Unternehmen würden sich auf regionale Wirtschaftsblöcke einstellen und ihre Produktion und Wertschöpfung neu zuschneiden - die deutsche Volkswirtschaft aber würde dadurch verlieren.

Hinzu komme, dass durch die Krise die Bedeutung von digitalen Geschäftsmodellen gewachsen seien - und hier finde die Wertschöpfung ohnehin vor allem in den USA statt. Durch beide Trends drohe "ein Zangenangriff auf den deutschen Wohlstand".

Insgesamt erwartet Felbermayr, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Shutdown langsamer in Fahrt kommt. Bis vor kurzem war sein Institut noch von einer schnellen, V-förmigen Erholung ausgegangen. Nun werde es "ein gestrecktes V oder ein U". Die Wirtschaft haben zwar den freien Fall beendet und "einen Boden gefunden". Der Konsum aber springe seit der Öffnung doch zögerlicher an als erwartet. "Die Menschen sind ängstlicher als erwartet."

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Warum Gabriel Felbermayr findet, dass wir angesichts immer neuer Rettungspakte in einem "Dickicht von Fördermaßnahmen ersticken" und wie er seine Befürchtungen zum Thema Welthandel begründet: Hören Sie das ganze Interview in dem Podcast "Die Stunde Null" direkt bei Audio Now, bei Apple oder Spotify oder über Google.

Der Corona-Schock hat Deutschland und die ganze Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Wie verändert die Krise unser Leben? Und welche Auswege gibt es? Der Podcast "Die Stunde Null - Deutschlands Weg aus der Krise" stellt diese Fragen den Menschen, die durch die Krise steuern: Unternehmern, Wissenschaftlern, Managern, Philosophen und Ökonomen.

Quelle: ntv.de, ddi