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Kampf um neue Abstandsregeln "Kinos sind keine Hotspots"

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Hans-Joachim Flebbe betreibt Premiumkinos wie den Zoo Palast oder das Astor Grand Cinema.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kein neuer James-Bond-Film, keine "Wonder Woman 1984": Große Kino-Premieren und Besucher sind in Zeiten der Pandemie Mangelware. Dabei seien Kinos "ein sicherer Ort", sagt Cinemaxx-Gründer Flebbe. Ohne Änderungen der Corona-Regeln drohe der Hälfte der Häuser das Licht auszugehen.

Die erneute Verschiebung des James-Bond-Films ins Frühjahr 2021 ist für die Kinobetreiber ein schwerer Schlag - und der Titel "Keine Zeit zu sterben" (Originaltitel: No Time to Die) mag inzwischen wie Hohn für sie klingen. "Für die Kinobranche ist das eine Katastrophe - wir hatten uns gerade hochgerappelt und auf einen versöhnlichen Jahresabschuss gehofft", sagt Hans-Joachim Flebbe, Betreiber einer Reihe von Premiumkinos wie dem Berliner Zoopalast, im Podcast "Die Stunde Null" (hier direkt reinhören).

"Im Grunde haben wir in diesem Jahr nun nichts mehr zu spielen, es gibt keine attraktiven Filme mehr." Auch der Blockbuster "Wonder Woman 1984" ist auf Ende Dezember verschoben worden. Den Zeichentrick-Klassiker "Mulan" hatte Disney direkt auf dem eigenen Streamingdienst Disney+ gezeigt, "mit - für uns - zum Glück desaströsen Ergebnissen", sagte Flebbe, der vor gut drei Jahrzehnten die Kinokette Cinemaxx gegründet hatte.

Seit Wochen trommelt Flebbe für die Branche, vor allem für veränderte Abstandsregeln (ein Meter), da habe man "gekämpft wie die Löwen". Bei 1,50 Meter wäre nur eine Auslastung von maximal 25 Prozent möglich gewesen, was sich nicht lohnt. Bei einem Meter kommen Kinos auf bis zu 60 Prozent. "Kinos sind ein sicherer Ort", sagte Flebbe. "Es gibt weltweit keinen Nachweis für einen Hotspot in Kinos. Man schaut ja nur nach vorne und redet nicht. Die Gefahr ist geringer als in Restaurants oder Büros."

"Das Worst Case Szenario für unsere Branche ist, wenn keine normalen Kinostarts mehr zustande kommen und die Streamingdienste das Geschäft übernehmen", sagte Flebbe. Man lebe derzeit von KfW-Mitteln und dem Kurzarbeitergeld. Der Unternehmer kritisierte allerdings das Corona-Paket der Bundesregierung. "Das ist für mich die größte Enttäuschung." Von den 25 Milliarden Euro seien nur 800 Millionen Euro abgerufen worden. "Da stehen mir die Haare zu Berge." Das Paket sei zu kompliziert und bürokratisch, die Hilfen kämen nicht an, das Ganze sei eher "wie Schikane".

Die Kinobranche, die weltweit 2019 noch 43 Milliarden Dollar umsetzte, hatte Blockbuster wie "James Bond" fest eingeplant. Als "Body Blow" für die Industrie, als schweren Schlag, bezeichnete Tim Richards die Verschiebung, Chef von Vue Entertainment, die in Deutschland die Cinemaxx-Kette betreiben und im Frühjahr die Kinos von Cinestar übernommen haben. Mooky Greidinger, Chef von Cineworld - neben AMC und Cinemark der größte Betreiber in den USA - sagte, Kinos fühlten sich inzwischen wie ein "Lebensmittelladen ohne Lebensmittel" an. Cineworld, zweitgrößte Kette der Welt, schließt vorübergehend alle ihre 650 Lichtspielhäuser in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Irland. Das bringt rund 45.000 Mitarbeiter um ihre Jobs.

"Die Hälfte der Kinos könnte im schlimmsten Fall nicht überleben", sagt Flebbe, dessen Kinos derzeit rund 600.000 Euro pro Monat verlieren, insgesamt 4,2 Millionen Euro. Ohne staatliche Hilfe eine aussichtslose Situation.

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Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null"

  • Welche Prognosen Hans-Joachim Flebbe für den deutschen Kinomarkt gibt
  • Warum Privatvorstellungen ein Premiumprodukt der Zukunft sein könnten
  • Warum man von Streamingdienste auch mal die Nase voll haben kann

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Quelle: ntv.de, ddi