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"Warten immer noch auf Hilfe" Luxus-Hotelier stellt sich auf lange Krise ein

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Das Hotel Schloss Bensberg gehört zu den bekanntesten Häusern von Althoff Hotels.

(Foto: imago stock&people)

Thomas Althoff besitzt europaweit 18 Hotels unter drei Marken - vor allem im Luxus- und Premiumsegment. Im Interview erklärt der "Herr der Michelin-Sterne", warum er bis jetzt keine Corona-Hilfen gesehen hat. Außerdem rechnet der Mittelständler vor, wie der Branche besser geholfen werden könnte.

Der Hotelier Thomas Althoff erwartet auch nach dem Lockdown keine so schnelle Normalisierung: "Je näher die Gäste aus Deutschland kommen, desto eher wird das Geschäft wieder zurückkommen. Je weiter weg sie wohnen, desto schwieriger wird es", sagt er im Podcast "Die Stunde Null". "Interkontinentale Reisen sehen wir noch für das ganze nächste Jahr mindestens auf einem sehr niedrigen Niveau. Das wird erst wiederkommen, wenn weltweit die Gefahr gebannt ist. Wir stellen uns auf eine längerfristig dauernde Krise ein."

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Thomas Althoff: Der Herr im Haus von SChloss Bensberg.

(Foto: imago stock&people)

Thomas Althoff betreibt mit seiner Gruppe 18 Hotels unter drei Marken in mehreren europäischen Ländern  - vor allem im Luxus- und Premiumsegment, darunter Häuser am Fuße von Neuschwanstein, am Tegernsee, in Davos und Luzern, aber auch in Städten wie London, Berlin, Köln und Celle. Der Hotelier, der im Alter von 21 Jahren sein erstes Hotel pachtete, zählt seit Ausbruch der Krise zu den Mittelständlern, die bei den verschiedenen Hilfen wegen ihrer Größe immer wieder durchs Raster fallen. Denn seine Hotels werden nicht einzeln betrachtet, sondern als ein Unternehmen - das in Deutschland immerhin 90 Millionen Euro und insgesamt 130 Millionen Euro Umsatz macht. "Keinen Cent haben wir erhalten", sagte Althoff.

 

Auch bei den so genannten "Novemberhilfen", die bis zu 75 Prozent des entgangenen Umsatzes erstatten sollen, musste Althoff bisher warten. Denn erst musste geklärt werden, ob diese Hilfen gegen das Beihilferecht der EU verstoßen. Am Montag kamen positive Signale aus Brüssel, dass die Zuschüsse genehmigt werden. Die Unterstützung gilt bis zu einer Obergrenze von einer Million Euro pro Unternehmen. Althoff, der wegen der zahlreichen Michelin-Sterne seiner Hotelrestaurants in der Branche auch als "Herr der Sterne" bezeichnet wird, schwankte zwischen Warten und Hoffen: "Wir warten immer noch auf Hilfe und wissen vor allem noch gar nicht, ob sie überhaupt stattfindet."

Althoff regt an, dem Mittelstand gezielter mit Steueranreizen auf die Beine zu helfen - und das Instrument des steuerlichen Verlustrücktrages auf die Gewerbesteuer auszudehnen. Und zwar nicht nur für ein Jahr, sondern für bis zu zehn Jahre. "Was wäre der Effekt? Die Firmen, die in den letzten zehn Jahren Steuern bezahlt haben und die krisenbedingt 2020 und vielleicht 2021 einen hohen Verlust machen, könnten den zurücktragen und würden die Steuern, die sie bezahlt haben, wieder zurückbekommen", sagte Althoff. "Sobald wir den ersten Euro verdienen, würden darauf Steuern wieder anfallen, anstatt dass wir jetzt einen großen Verlustvortrag vor uns herschieben." Es wäre "eine Form der Finanzierung, die quasi von den Unternehmen auf die Regierung verlagert würde."

Hören Sie jetzt in der "Stunde Null":

  •     Warum Thomas Althoff im Oktober trotz allem seine neue Marke "Urban Loft" gestartet hat
  •     Wie Althoff seit den 1980er-Jahren seine Hotelgruppe aufgebaut hat
  •     Welches seiner Hotels er für die erste Reise nach dem Lockdown empfiehlt

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Quelle: ntv.de