Audio

So techt Deutschland Scheitern erlaubt - Investor mit Begeisterung

imago79904493h.jpg

(Foto: imago/Horst Galuschka)

Angefangen hat alles im Jahr 2005 mit 272 Millionen Euro. Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und dem Absturz der Börsen hätten Kanzler Schröder und das Bundeswirtschaftsministerium den High-Tech Gründerfonds gestartet, um "dieses Geld in der ganz frühen Phase Hochrisiko-Startups zur Verfügung zu stellen", sagt Alex von Frankenberg. Er ist seit 2005 Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds. Den Job des Startup-Investors könne man nicht lernen, resümiert er auf die Frage, wie man Investor wird: "Begeisterung für die Sache und die Möglichkeiten ergreifen", so seine einfache Formel für den Job.

"Same same but different"

Als der Fonds 2005 gegründet wurde, lag die Finanzierung für Startups in Deutschland am Boden. Da brauchte es ein Gegengewicht. Die Bilanz: Bis heute wurden fast 900 Millionen Euro in 580 meist sehr junge Startups investiert: Sie dürfen nicht älter als drei Jahre sein und nicht mehr als 500.000 Euro eingesammelt haben. Von Frankenberg und sein Team hätten gerne selbst Geld in den Fonds riskiert. Das sei am Ende in der Umsetzung zu kompliziert gewesen, aber "wir investieren unsere wertvollste Ressource und das ist Zeit und davon eine Menge", sagt er.

image002.jpg

Alex von Frankenberg ist seit 2005 Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds.

(Foto: High-Tech Gründerfonds)

Angesprochen auf den Vergleich zur TV-Sendung "Die Höhle der Löwen" sagt er "Same same but different" - "ganz gleich und doch anders". "Wir haben sehr technologieintensive, komplizierte Themen, eher für den Businessbereich, die sich gar nicht fürs Fernsehen eignen würden." In der TV-Show seien es verständlicherweise sehr einfache Themen. Bei "Die Höhle der Löwen" entscheide man sehr schnell, quasi in der Sendung, dagegen "brauchen wir zwei, drei Monate, um ein Thema wirklich zu verstehen." Dann gehe das Gründerteam auch vor ein Komitee und dann sei das schon ähnlich wie bei "Die Höhle der Löwen".

Erfolgreich sein und Scheitern - beides erlaubt

"Sie sind cleverer, sind viel besser vorbereitet, sie können viel besser Englisch als vor 20 Jahren und sind besser ausgebildet und haben vor allen Dingen viel mehr Erfahrung", sagt von Frankenberg mit einer gewissen Begeisterung. Vor allen Dingen sehe er viel, viel mehr Wiederholungs-Gründer, die es eben nicht zum ersten Mal machten. "Man darf erfolgreich sein und man darf auch scheitern", sagt er. Wenn jemand aber scheitere, weil er das Geld nehme und Party mache, dann sei das auch nicht positiv. "Wir haben Gründer, die sind gescheitert, die haben superhart gekämpft", die habe man direkt wieder beschäftigt. Die würden dann in anderen Projekten eingesetzt, wo vielleicht ein Geschäftsführer fehle und er oder sie mit seiner Erfahrung beitragen könne.

Von Frankenberg spricht viel über Chancen und weniger über Risiken. Dieses Denken müsse mehr Platz in Deutschland gewinnen. "Wir brauchen den Blick auf die Chance, auf die Möglichkeit", sagt er und gerät dabei fast ins Philosophieren. Im Schnitt würden die Dinge klappen, auch wenn es mal nicht so scheint. Das gilt auch für ihn: "Streetscooter war ein Unternehmen, was wir abgelehnt haben", gibt er unumwunden zu. Damals waren sie nicht überzeugt davon, dass so etwas funktionieren könne in Deutschland. Ob er diese Entscheidung bereut, erzählt Alex von Frankenberg in der neuen Folge von "So techt Deutschland".

Sie finden alle Folgen in der ntv-App, bei Audio Now, Apple Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden. Kopieren Sie die Feed-URL und fügen Sie "So techt Deutschland" einfach zu Ihren Podcast-Abos hinzu.

Sie haben Fragen, Anregungen oder Kritik? Oder einen tollen Gast für Frauke Holzmeier und Andreas Laukat? Dann schreiben Sie gerne eine E-Mail an sotechtdeutschland@ntv.de.

Quelle: ntv.de, jwa