Panorama
Die Anhörungszelle im Rebibbia-Gefängnis von Rom.
Die Anhörungszelle im Rebibbia-Gefängnis von Rom.(Foto: imago/Insidefoto)
Samstag, 28. Oktober 2017

Italiener infizierte 30 Frauen: 24 Jahre Haft wegen HIV-Übertragung

Wissentlich steckt ein Mann in Italien 30 Frauen durch Geschlechtsverkehr mit dem HI-Virus an. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft. Das Gericht verurteilt ihn zu 24 Jahren Gefängnis - mit einer kuriosen Begründung.

Ein italienisches Gericht hat einen Mann zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er 30 Frauen vorsätzlich mit dem HI-Virus angesteckt hat. Der 33-Jährige muss nach dem Richterspruch für 24 Jahre ins Gefängnis. Obwohl er seit dem Jahr 2006 von seiner HIV-Infektion gewusst habe, hatte er bis zu seiner Festnahme 2015 mit Dutzenden Frauen ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Doch das Gericht in Rom kam nach rund zwölfstündigen Beratungen zu dem Urteil, dass der Angeklagte keine "Epidemie" ausgelöst habe, indem er das Virus verbreitete. Darauf steht nach italienischem Strafrecht lebenslänglich.

Lebensgefährten und Baby in der Folge infiziert

Einige der Opfer brachen bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Seine Opfer waren zwischen 14 und knapp 40 Jahre alt, darunter Studentinnen und auch Mütter. Auch männliche Lebensgefährten von drei Opfern und sogar ein Baby eines vierten Opfers infizierten sich in der Folge. Insgesamt 53 Partnerinnen machten die Ermittler ausfindig, 23 von ihnen blieben HIV-negativ.

Ausführlich hatten betroffene Frauen während des Prozesses, der am 2. März im Gefängnis Rebibbia in Rom begonnen hatte, von ihrer Bekanntschaft mit dem Angeklagten erzählt: wie sie sich in stundenlangen abendlichen Chats annäherten, von Restaurantbesuchen, Blumensträußen, Vertrauen und Verliebtheit - bis es schließlich zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gekommen sei. Frauen, die ihn um die Benutzung eines Kondoms gebeten hätten, habe er von einer angeblichen Gummiallergie erzählt oder von einem ganz frischen negativen HIV-Test.

"Ich liebe ihn immer noch"

Laut Staatsanwaltschaft zeigte sich der Mann vor Gericht uneinsichtig. Er habe "nie kooperiert", "falsche Angaben" gemacht und "trotz der Beweislage jede Verantwortung abgestritten", sagte die Staatsanwältin. "Seine Handlungen hatten das Ziel, Tod zu säen." Die Verteidigung stellte Talluto dagegen lediglich als "unvorsichtig" dar. Er habe "nicht vorsätzlich" gehandelt, sagte die Verteidigung. Auch lasse sich nicht beweisen, dass die Frauen nicht von anderen Partnern infiziert worden seien.

Eines der Opfer hielt trotz der Vorwürfe im Prozess weiter zu dem Angeklagten. Die Frau sagte vor Gericht aus, der Angeklagte habe ihr bei ihrem ersten Treffen im Jahr 2014 sofort von seiner HI-Infektion erzählt. "Wir wollten heiraten. Ich liebe ihn immer noch." Er sei kein "Monster".

Quelle: n-tv.de