Panorama

Von IS-Anhängern angezettelt32 Tote bei Gefängnisrevolte in Tadschikistan

20.05.2019, 16:00 Uhr

Seit Jahrzehnten kämpft das zentralasiatische Tadschikistan gegen Extremismus. Verurteilte IS-Anhänger zetteln nun in einem Gefängnis einen Aufstand an - offenbar um zu fliehen. Die Aktion endet in einem Blutbad.

In der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan in Zentralasien sind bei einer Gefängnisrevolte 32 Menschen getötet worden. Der Aufstand sei am Sonntagabend von verurteilten Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angezettelt worden, teilte das Justizministerium in der Hauptstadt Duschanbe mit. Die Behörden in dem Nachbarland von Afghanistan gehen davon aus, dass die inhaftierten Anhänger aus dem Straflager fliehen wollten.

Demnach erschossen die Aufständischen zunächst drei Wachleute. Außerdem hätten die Angreifer fünf Mithäftlinge getötet, mehrere verletzt und die medizinische Abteilung in Brand gesetzt. Wie viele Verletzte es gab, ist noch unklar. Beim Eingreifen der Sicherheitskräfte wurden den Angaben zufolge 24 verurteilte IS-Mitglieder getötet und 35 überwältigt.

Unter den Toten waren nach Gefängnisangaben zwei bekannte Mitglieder der verbotenen Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans. Einer der Anführer des Aufstands war den Angaben zufolge Bechrus Gulmurod, der Sohn eines ehemaligen Leiters einer tadschikischen Spezialeinheit, der sich dem IS in Syrien angeschlossen hatte und im September 2017 getötet wurde. Der 20-jährige Gulmurod war im Juli 2017 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er ebenfalls versucht hatte, sich dem IS in Syrien anzuschließen.

Das Straflager liegt etwa 15 Kilometer von der Hauptstadt der Ex-Sowjetrepublik entfernt. Etwa 1500 Gefangene sind dort untergebracht. Nach Mitteilung der Behörden ist "die Situation gegenwärtig unter vollständiger Kontrolle". Die Lage habe sich bereits in der Nacht wieder normalisiert. Die Staatsanwaltschaft will den Vorfall untersuchen. Erst im November vergangenen Jahres waren bei einer Gefängnisrevolte in Tadschikistan mehr als 20 Menschen getötet worden.

Das Bergland an der Grenze zu Afghanistan kämpft ebenso wie seine Nachbarstaaten seit Jahrzehnten gegen Bandenkriminalität, Drogenschmuggel und Extremismus. Das muslimisch geprägte Tadschikistan zählt zu den ärmsten Ländern der Region. Die Regierung unter Präsident Emomali Rachmon geht restriktiv gegen islamistische Einrichtungen und Andersdenkende vor. Schätzungen zufolge sollen Hunderte Menschen aus Tadschikistan auf der Seite der Terrorgruppe in Syrien und im Irak kämpfen.

Quelle: ftü/dpa/AFP

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