Panorama

Mord in Berliner Wettbüro Acht Hells Angels bekommen lebenslänglich

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Aufnahme vom Tatort im Januar 2014.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der tödliche Anschlag dauert nur 25 Sekunden: 13 teilweise maskierte Männer stürmen in ein Berliner Wettbüro. In einem Hinterzimmer erschießt einer von ihnen einen jungen Mann. Der Prozess dauert fast fünf Jahre, nun gibt es ein Urteil gegen Rocker der Hells Angels.

In einem der bundesweit größten Rocker-Prozesse hat das Berliner Landgericht acht der zehn Angeklagten zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt. Sieben von ihnen wurden des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gesprochen. Ein 35-Jähriger, der als Rockerchef der Hells Angels gilt und die tödlichen Schüsse in einem Wettbüro in Auftrag gegeben haben soll, wurde wegen Anstiftung zum Mord verurteilt. Ein weiterer Angeklagter wurde ebenfalls des Mordes schuldig gesprochen, bekam aber wegen seiner Hilfe bei der Aufklärung des Falls mit zwölf Jahren eine niedrigere Strafe. Im Fall des zehnten Angeklagten sah die Staatsanwaltschaft keinen Tatnachweis für Mord und forderte zwei Jahre Haft - das Gericht blieb mit seinem Urteil knapp darunter.

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Fast fünf Jahre dauerte der Prozess. Hier sitzt einer der Angeklagten Ende 2014 auf der Anklagebank.

(Foto: picture alliance / dpa)

13 teils vermummte Männer waren am 10. Januar 2014 in das Wettcafé im Berliner Stadtteil Reinickendorf eingedrungen. Der Mann an der Spitze feuerte im Hinterzimmer mit einer Pistole auf das 25-jährige Opfer. Sechs Kugeln trafen, der Mann starb noch im Café. Der Anschlag vor laufenden Überwachungskameras soll eine Rache für eine Schlägerei mit einem verletzten Hells-Angels-Rocker gewesen sein.

"Ich bin froh und erleichtert, dass nach so langer Zeit ein Urteil gesprochen wurde", sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel. "Angesichts der Kaltblütigkeit der Tat halte ich dieses Urteil für absolut angemessen. Ich hoffe auf eine entsprechende Signalwirkung: Berlin ist das falsche Pflaster für Bandenkriege oder andere Formen der brutalen Gewalt, die aus zweifelhaften Motiven heraus begangen werden."

Der Prozess dauerte knapp fünf Jahre, das Urteil wurde am 300. Verhandlungstag gefällt. Mehr als 370 Zeugen und Sachverständige waren gehört worden. Die meisten der deutschen und türkischen Angeklagten sitzen seit mehr als fünfeinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Einige schwiegen im Prozess, andere bestritten einen Tötungsauftrag.

In einem rechtlichen Hinweis des Landgerichts hieß es im Vorjahr, das Landeskriminalamt habe gewusst, dass ein solcher Mord passieren könnte, jedoch keine ausreichenden Gegenmaßnahmen ergriffen. Die Staatsanwaltschaft leitete daher Ermittlungen gegen drei Beamte wegen Totschlags durch Unterlassen ein. Die Ermittlungen dauerten an, sagte eine Sprecherin.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP