Panorama

Mord, Raub und Missbrauch Ali B. werden gleich zwei Prozesse gemacht

e08f46245e6e23b0d301931366377ff6.jpg

Ali B. wurde aus dem irakischen Erbil zurück nach Deutschland gebracht.

(Foto: dpa)

Nach Tagen der Suche wird im Juni 2018 die Leiche von Susanna gefunden. Der mutmaßliche Täter, Ali B., der die 14-Jährige auch missbraucht haben soll, ist zu diesem Zeitpunkt bereits im Irak. Nach einer umstrittenen Rückführung steht er nun im Fall Susanna vor Gericht. Doch es gibt weitere Anklagen.

Vor dem Landgericht Wiesbaden wird in dieser Woche in zwei öffentlichkeitswirksamen Prozessen gegen den gleichen Angeklagten verhandelt: Unter anderem wegen Mordes, Vergewaltigung und Raubs ist in beiden Fällen Ali B., der mutmaßliche Mörder der 14-jährigen Susanna F. aus Mainz, angeklagt. Ab Dienstag muss sich der 22-Jährige zunächst vor der zweiten Strafkammer verantworten. Die Anklage wirft ihm die Vergewaltigung und anschließende Ermordung des Mädchens aus Heimtücke sowie einen schweren Raub vor.

Susannas Leiche wurde Anfang Juni 2018 - zwei Wochen nach dem Verschwinden des Mädchens - gefunden. Die Jugendliche soll vor ihrem Tod vergewaltigt worden sein. B. gestand die Tötung des Mädchens, bestritt jedoch eine Vergewaltigung. Er setzte sich kurz nach der Tat mit seiner Familie in den Irak ab. Dort wurde er von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen.

Der Fall Susanna F. schlug politisch hohe Wellen. Zum einen demonstrierten in Mainz verschiedene Gruppen gegen sexualisierte Gewalt und gegen Einwanderung. Auf der anderen Seite protestierten mehrere Bündnisse gegen Rassismus. Für weitere Aufregung sorgte, dass Bundespolizeipräsident Dieter Romann persönlich in den Irak flog, um B. nach Deutschland zurückzuholen. Ein deshalb gegen Romann eingeleitetes Verfahren wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung wurde inzwischen mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Kurz vor Prozessbeginn sagte die Mutter von Susanna F. im Südwestrundfunk, sie wolle dafür kämpfen, "dass die Gerechtigkeit siegt". Für den Tod ihrer Tochter gebe es keine gerechte Strafe. Sie hoffe, "dass die Richter einfach die richtige Entscheidung treffen". F. kritisierte zugleich die Arbeit der Polizei. Dort seien ihre Angaben, nach denen sie am Tag nach dem Mord an Susanna vom Handy der Jugendlichen dubiose Nachrichten bekam, nicht ernst genug genommen worden. Später habe sich herausgestellt, dass B. die Nachrichten verschickt habe, um seine Tat zu verschleiern.

Weiterer Missbrauchsfall

Außerdem verhandelt die zweite Strafkammer ab Dienstag über einen schweren Raub. B. soll zusammen mit einem bislang Unbekannten einen Mann in ein Gebüsch gezogen, mehrfach geschlagen, gewürgt und ausgeraubt haben. Dabei sei das Opfer mit einem Messer bedroht worden.

Eine Woche später beginnt am 19. März gegen Ali B. ein weiterer Prozess. Zudem ist der 14-jährige Mansoor Q. mitangeklagt. In diesem Fall vor der ersten Strafkammer geht es um die mehrfache Vergewaltigung und den schweren sexuellen Missbrauch einer Elfjährigen.

Ob der Prozess öffentlich verhandelt wird oder nicht, soll am ersten Verhandlungstag entschieden werden. Grund dafür ist das Alter der Angeklagten. Prozesse gegen Jugendliche finden häufig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Auch gegen Q. erhob die Staatsanwaltschaft eine zweite Anklage. Ihm wird zusätzlich vorgeworfen, zusammen mit B.s strafunmündigem Bruder die Elfjährige zweimal vergewaltigt und sie bedroht zu haben. Über die Zulassung eines Strafverfahrens entschied das Landgericht Wiesbaden bislang nicht.

In beiden Prozessen gegen Ali B. sind Termine bis Mai angesetzt. Die Verhandlung um den Tod von Susanna F. könnte allerdings deutlich länger dauern. Das Landgericht Wiesbaden bestätigte, B.s Verteidigung habe angekündigt, dass er sich im Mordprozess zur Sache äußern wolle. In welche Richtung seine Aussage gehen könnte, sei unklar, sagte ein Gerichtssprecher.

Quelle: ntv.de, Annalena Dörner, AFP