Panorama

Zwei Jahre nach Warntag-Desaster Alle Alarmsysteme werden bundesweit getestet

Hoffentlich braucht man so eine Warnung nie. Im Notfall sollte sie aber funktionieren. Deshalb kommt am 8. Dezember 2022 um 11.00 Uhr eine Test-Warnung per Cell Broadcast aufs Smartphone.

Am 8. Dezember 2022 um 11.00 Uhr kommt eine Test-Warnung per Cell Broadcast aufs Smartphone.

(Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn)

Beim ersten bundesweiten Warntag lief vieles schief. Zwei Jahre später stellt sich die Frage: Würde es heute besser laufen? Am Donnerstag soll es sich zeigen.

Etwas mehr als zwei Jahre nach dem pannenreichen ersten bundesweiten Warntag steht am kommenden Donnerstag ein neuer großer Testlauf für die Alarmstrukturen in Deutschland an. Am 8. Dezember um 11.00 Uhr wollen Bund und Länder testweise ihre Katastrophenwarnsysteme auslösen, auch Kommunen beteiligen sich. Die Menschen erhalten dann Warn-SMS, Meldungen per Warnapps und hören entsprechende Durchsagen in Radio und Fernsehen.

Was ist der Hintergrund des Warntags?

Bei dem Warntag sollen die für Not- und Katastrophenfälle zur Verfügung stehenden Warnsysteme geprüft und technische Abläufe getestet werden. Er ist zugleich eine Übung, um Menschen mit den Abläufen bei behördlichen Alarmierungen vertraut zu machen und für das Thema zu sensibilisieren.

Die Bedeutung von Warnsystemen wurde zuletzt durch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 deutlich, bei der Menschen nicht rechtzeitig über die drohende Gefahr informiert wurden. Danach kam eine breite Debatte über Verbesserungen in Gang.

Der Bund legte unter anderem ein Programm zum Neubau von Sirenennetzen auf. Beschlossen wurde auch der Aufbau eines bundesweiten Systems für sogenanntes Cell Broadcasting. Darüber werden SMS-Nachrichten mit Behördenwarnungen direkt an alle Handys und sonstige Endgeräte verschickt, die mit dem Mobilfunknetz verbunden sind. Die Installation von Apps ist nicht nötig.

Wie genau wird gewarnt?

Für Warnzwecke betreibt der Bund ein sogenanntes Modulares Warnsystem (MoWas), das er gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen nutzt. Die behördlichen Lagezentren können darüber satellitengestützt Warnmeldungen absetzen, die an sogenannte Multiplikatoren geschickt werden.

Dabei handelt es sich um Warnapp-Betreiber, Hilfs- und Rettungsdienste oder Medien, insbesondere Radiosender. Aber auch Unternehmen wie die Bahn gehören dazu. Diese sind verpflichtet, die Warnungen zu veröffentlichen.

Die von den Behörden formulierten Warnmeldungen werden dann sofort im Radio verlesen, auf Medienseiten im Internet eingespielt, erscheinen als Pushnachricht auf Smartphones oder auf digitalen Anzeigentafeln im Stadtbild und an Bahnhöfen. Zusätzlich aktivieren örtliche Behörden bei Bedarf eigene örtliche Warnsysteme - etwa Sirenen oder Lautsprecherwagen.

Schlechte Erfahrungen beim ersten Warntag

Wie wichtig Testläufe des Systems sind, offenbarte der erste bundesweite Warntag im September 2020. Die Aktion geriet zum Desaster, weil sich die Testwarnung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) um 30 Minuten verzögerte. Der damalige Behördenchef Christoph Unger musste seinen Posten räumen, das Amt und die Abläufe sollten neu ausgerichtet werden.

Im vergangenen Jahr fiel der Warntag dann aus. Bund und Länder verwiesen zur Begründung auf die noch laufenden technischen und organisatorischen Veränderungen nach den Pannen des Vorjahres und den Erfahrungen bei der Flutkatastrophe im Sommer. Demnach sollten etwa erst die Einführung von Cell Broadcast, das Sirenenprogramm und Änderungen an Warnapps greifen.

Was ist in diesem Jahr neu?

Neu ist in erster Linie der Einsatz von Cell Broadcast. Der diesjährige Warntag ist der erste großflächige Funktionstest des neuen Systems, das Behörden gemeinsam mit den Telekommunikationsanbietern aufbauten und das Ende Februar 2023 offiziell als weiterer Warnkanal in Betrieb gehen soll.

Cell Broadcast hat etwa gegenüber Warnapps auf Smartphones eine Reihe von Vorteilen. So erfolgt der SMS-Empfang automatisch, es muss keine Anwendung installiert sein. Außerdem ist die Informationsweiterleitung sehr datensparsam und zuverlässig. Text-SMS werden selbst dann noch an Handys weitergeleitet, wenn das Mobilfunknetz ansonsten überlastet ist.

Allerdings hat auch dieses System Schwachstellen. So ist es insbesondere auf älteren Mobiltelefonmodellen nicht immer verfügbar. Empfangsfähig sind nur Geräte mit einer entsprechenden firmenseitigen und technischen Konfiguration sowie einem geeigneten Betriebssystem auf aktuellem Stand. SMS-Nachrichten sind überdies relativ kurz und können nur rudimentäre Informationen vermitteln. Das BBK etwa rät weiterhin auch zu Warnapps.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 04. Dezember 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, Sebastian Bronst, AFP

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