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Krise in Schwedischer Akademie Angeklagter Arnault in Gerichtssaal verhaftet

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Jean-Claude Arnault (M.) wurde noch im Gerichtssaal verhaftet.

(Foto: REUTERS)

Die Krise der Schwedischen Akademie ist so tief, dass es in diesem Jahr keinen Nobelpreis für Literatur gibt. Ausgelöst hat die Probleme Jean-Claude Arnault, der jahrelang Frauen missbraucht haben soll. Während eines Prozesses kommt er nun in U-Haft.

Der Franzose Jean-Claude Arnault, Auslöser für den erbitterten Streit in der Schwedischen Akademie, sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Der 72-Jährige muss sich vor einem Stockholmer Gericht wegen zweifacher Vergewaltigung verantworten. In ihrem Schlussplädoyer forderte die Anklägerin drei Jahre Haft. Außerdem beantragte sie wegen Fluchtgefahr die Festnahme Arnaults - dem gab das Gericht statt.

Das Gericht begründete seine Entscheidung mit den "schweren" Anschuldigungen gegen Arnault. Es bezog sich dabei auf den ersten der beiden zu verhandelnden Fälle. Zwar handelt es sich nach der schwedischen Prozessordnung bei der Untersuchungshaft rechtlich gesehen mehr um einen Verfahrensschritt, aber ein Hafturteil ist damit wahrscheinlicher. Arnault wurde umgehend von zwei Polizisten abgeführt. Klägerinnenanwältin Elisabeth Massi Fritz begrüßte die Gerichtsentscheidung.

Arnault sei "sehr schockiert", sagte sein Anwalt Björn Hurtig. Der Angeklagte bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er ist verheiratet mit Katarina Frostenson, einem ehemaligen Mitglied der Schwedischen Akademie. Diese vergibt den Literaturnobelpreis. Der Fall Arnault hat die Akademie in eine tiefe Krise gestürzt.

Jahrelang Frauen belästigt und missbraucht

Einem Bericht der Zeitung "Svenska Dagbladet" zufolge sollen insgesamt 18 Frauen dem Franzosen sexuelle Übergriffe vorwerfen. Nach Recherchen der Zeitung "Dagens Nyheter" soll Arnault über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen sowie Frauen und Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Vor Gericht verhandelt wird aber nur der Fall einer Frau, die sagt, im Jahr 2011 in Stockholm zweimal von Arnault vergewaltigt worden zu sein. Im ersten Fall habe er die "stark verängstigte" Frau zum Sex gezwungen, Monate später habe er sie im Schlaf überfallen. Das Urteil wird für den 1. Oktober erwartet. Eine Anklage wegen Korruption wurde aus Mangel an Beweisen fallengelassen.

Arnault war Leiter eines Kulturvereins, der mit Geldern der Schwedischen Akademie finanziert wurde. Seine Frau hatte jahrelang über Mittel für ihren Mann mit entschieden. Die Akademie hat inzwischen alle Verbindungen zu Arnault und seinem Institut gekappt.

Als die Vorwürfe im November bekannt wurden, entschied die Mehrheit der Akademie, dass Frostenson dennoch im Amt bleiben könne. Aus Protest legten daraufhin 6 der 18 Jurymitglieder ihre Arbeit nieder. Im Mai kündigte die Akademie daraufhin an, dass 2018 kein Literaturnobelpreis vergeben wird. Die Verleihung soll im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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