Panorama

Prozess um Polizistenmorde Angeklagter Wilderer schildert Jagd-Leidenschaft

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Der Vater brachte ihm das Schießen bei: Der Angeklagte steht wegen Polizistendoppelmordes vor Gericht.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool)

Bis zu den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten bei einer Verkehrskontrolle nahe Kusel verbringt der Hauptangeklagte sein ganzes Leben mit Waffen. Mit sechs Jahren feuert er erstmals ein Gewehr ab, mit zehn schießt er auf alles, "was bei uns rumlief", mit 16 macht er einen Jagdschein.

Im Mordprozess um die Schüsse auf zwei Polizisten nahe Kusel in der Pfalz hat der Hauptangeklagte ausführlich über seinen Lebenslauf und seine Leidenschaft für die Jagd ausgesagt. Er habe bereits im Alter von sechs Jahren das Schießen von seinem Vater beigebracht bekommen. Ein Freund des Vaters habe ihn dann einige Jahre später das erste Mal auf Wildschweine schießen lassen. "Mit zehn oder elf habe ich alles geschossen, was bei uns rumlief", sagte der aus Neunkirchen im Saarland stammende Mann vor dem Landgericht Kaiserslautern.

Mit 16 Jahren habe er dann offiziell den Jagdschein gemacht. Allein im ersten halben Jahr danach habe er bei seinem Onkel 48 Rehe geschossen. "Mir hat das gefallen", sagte er. Vor Gericht sagte der angeklagte Deutsche zudem aus, er habe sich beim Nachladen später eine besondere Technik angeeignet, "weil ich schnell sein wollte". Die Staatsanwaltschaft wirft dem 39-Jährigen vor, Ende Januar eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29 Jahre alten Polizeikommissar bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle ermordet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken.

Die Gewalttat sorgte bundesweit für Entsetzen. Einem 33 Jahre alten Komplizen wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll beim Spurenverwischen geholfen haben. Für den Nachmittag werden noch Aussagen aus der Gerichtsmedizin erwartet.

"Da hat es auch schon geknallt"

Über die Vernehmung des Komplizen hatte am Donnerstag eine Ermittlerin vor dem Landgericht in Kaiserslautern berichtet. Der Hauptangeklagte habe bei der nächtlichen Fahrzeugkontrolle gesagt, "Wie, Jagdwilderei?", dann habe "es auch schon geknallt". Die Polizistin sei "von der Wucht umgerissen worden".

Auch auf den Kollegen der Polizistin habe der 39 Jahre alte Hauptangeklagte geschossen. Der Nebenangeklagte sagte laut der Zeugin, er habe zwei Schüsse gehört und einen Schmerzensschrei wahrgenommen.

Nach den Schüssen habe der Hauptangeklagte ihm befohlen, nach dessen verlorenen Dokumenten zu suchen und ihm gedroht, er werde ihn "sonst danebenlegen". Während der Komplize bei der Schilderung seiner Aussagen durch die Beamtin mehrfach nickte, hörte der Hauptangeklagte mit gefalteten Händen zu oder machte sich Notizen. Als der Richter bei einer Schilderung meinte, der Hauptangeklagte nehme es sehr genau, brauste der 39-Jährige auf. "Herr Vorsitzender, Sie sagen, ich sei ganz genau. Worum geht's denn hier? Es geht ja nicht um zwei Kaugummis."

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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