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Attacke in Lübecker Linienbus Angreifer leidet unter paranoider Schizophrenie

Im Juli legt ein Mann in einem Lübecker Bus Feuer und sticht mit einem Messer auf die anderen Fahrgäste ein. Vor Gericht muss er sich wegen 48-fachen versuchten Mordes verantworten und zeigt Reue. Ist er schuldfähig?

"Ich habe Menschen Leid zugefügt. Das war nicht richtig." Ein halbes Jahr nach einem Angriff in einem Linienbus gesteht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er soll am 20. Juli 2018 auf der Fahrt von Lübeck nach Travemünde in dem Bus Feuer gelegt und mit einem Messer wahllos zwölf Fahrgäste zum Teil schwer verletzt haben. Ein junger Mann konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Jetzt sitzt der mutmaßliche Angreifer am Lübecker Landgericht auf der Anklagebank.

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In dem Bus saßen 48 Menschen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Geplant war laut Anklage ein noch schlimmerer Ausgang der Tat. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann unter anderem versuchten Mord in 48 Fällen, gefährliche Körperverletzung sowie schwere und versuchte besonders schwere Brandstiftung zur Last. In dem Bus saßen 48 Menschen.

"Der Beschuldigte sah sich als Opfer einer Verschwörung und fühlte sich spätestens seit April 2018 von Unbekannten durch Laserstrahlen angegriffen", sagt Staatsanwältin Ann-Sofie Portius. Diese Verschwörung habe er beenden wollen, indem er einen Bus in Brand setzt und alle Insassen durch das Feuer und durch Messerstiche tötet, sagt sie.

Als der 34-Jährige am Nachmittag des 20. Juli 2018 in den Bus der Linie 30 steigt, befinden sich in seinem Rucksack zwei Spiritusflaschen. "Ich sah, wie er in dem Rucksack kramte und ihn dann in die Mitte des Gelenkbusses warf. Kurz darauf schossen Flammen aus dem Rucksack", sagt eine Zeugin vor Gericht. Auf Aufnahmen der Überwachungskameras aus dem Bus ist zu sehen, wie die Fahrgäste in Panik fliehen, um sich vor dem Angreifer in Sicherheit zu bringen. Dieser wird schließlich vom Busfahrer und mehreren Fahrgästen überwältigt.

Er trug im Sommer eine Winterjacke

Der im Iran geborene Mann, der seit 1991 in Deutschland lebt, sagt, er sei ständig von Unbekannten mit Laserstrahlen beschossen worden, bis seine Haut gebrannt habe. Um sich davor zu schützen, trug er auch im Sommer eine dicke Winterjacke und mehrere Schutzbrillen übereinander. "Seit ich in der Psychiatrie bin, brennt meine Haut nicht mehr." Eine psychiatrische Sachverständige war zum Ergebnis gekommen, dass er unter paranoider Schizophrenie leidet. Einen Monat nach der Tat war der Mann deshalb in eine psychiatrische Klinik verlegt worden.

Und was war das Motiv der Tat? Der Angeklagte sagt, er habe sich für die Laser-Attacken rächen wollen. "Ich hatte eine solche Wut in mir und wollte den Angreifern einen Denkzettel verpassen." Er bittet seine Opfer um Verzeihung. "Es tut mir leid, es wird nicht wieder vorkommen", sagt der Deutsch-Iraner. "Im rechtlichen Sinne zur Verantwortung gezogen werden kann er jedoch dafür nicht, da er nach gegenwärtigem Stand aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht schuldfähig ist", erklärt die Pressesprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst. "In diesem Verfahren geht es um seine Einweisung in die Psychiatrie." Der Prozess wird am 30. Januar fortgesetzt.

Quelle: n-tv.de, Eva-Maria Mester, dpa

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