Panorama

Mordprozess gegen Höxter-Folterpaar Anklage schildert Details

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Wilfried W. (Mitte) mit seinen Anwälten vor Gericht.

(Foto: dpa)

Unter großem Medienandrang beginnt der Mordprozess gegen das Folterpaar von Höxter. Wilfried W. und Angelika W. sollen über Jahre Frauen mit kaum fassbarer Grausamkeit gequält und sie als Leibeigene für alle Lebenslagen gefügig gemacht haben.

Mit der Verlesung der Anklageschrift hat der Prozess wegen der Misshandlungen an mehreren Frauen im ostwestfälischen Höxter begonnen. Oberstaatsanwalt Ralf Meyer schilderte dabei am Landgericht Paderborn Details aus der Leidenszeit der beiden getöteten Opfer. Das mutmaßliche Täterpaar Wilfried W. und Angelika W. muss sich vor dem Landgericht Paderborn wegen gemeinschaftlichen Mordes durch Unterlassen sowie mehrfacher Körperverletzung verantworten.

Ziel der Angeklagten sei es gewesen, Frauen mit Zeitungsanzeigen für den 46-jährigen Wilfried W. nach Höxter zu locken, um diese als Leibeigene für alle Lebenslagen gefügig zu machen, so die Anklage. Dabei sei den Opfern vorgegaukelt worden, dass sie für den Ex-Mann von Angelika W. die große Liebe seien.

Das Paar soll laut Anklage den Willen der Frauen mit Schlägen, Tritten und Notsituationen systematisch gebrochen haben. Sie sollen die Frauen angekettet, der Kälte ausgesetzt und körperlich schwer misshandelt haben.

Zehn Prozesstage, 48 Zeugen

Es dürfte ein langer Prozess werden. Bis Ende März will die Erste Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Bernd Emminghaus verhandeln, zehn Prozesstage sind anberaumt, es gibt 48 Zeugen. Und eine zentrale Frage wird sein, wer bei den Taten die treibende Kraft war, welche Rolle die beiden Angeklagten bei den Verbrechen hatten.

Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Ende April haben Wilfried W. und Angelika W. eine Autopanne. Sie klingelt an einem Haus und bittet darum, ein Taxi zu rufen. Gleichzeitig ruft Angelika W. einen Rettungswagen, denn das Paar hat eine Frau bei sich. Es handelt sich um Susanne F. aus Bad Gandersheim, die bald darauf an den Folgen ihrer Verletzungen stirbt.

In den folgenden Tagen stellt sich heraus, sie war nicht das einzige Opfer des Paares. Auch die 33-jährige Annika E. aus Uslar soll 2014 zu Tode gequält worden sein. Ihre Leiche soll von der Angeklagten in eine Tiefkühltruhe gelegt, dann zerstückelt und im Kamin verbrannt worden sein. Ihre Asche zerstreute Angelika W. nach eigener Aussage auf der Straße. Recherchen der Ermittler ergeben, dass Wilfried W. immer wieder Frauen über Kontaktanzeigen kennengelernt hat. Mindestens vier Frauen sollen in dem Haus im Kreis Höxter gequält worden sein. Den beiden Angeklagten droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Quelle: n-tv.de