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Tod nach Auseinandersetzung Anwälte fordern Freispruch im Fall Köthen

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Einer der Angeklagten richtete seine letzten Worte im Gerichtssaal an die Familie des Verstorbenen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zwei junge Afghanen müssen sich für den Tod eines 22-Jährigen in Köthen vor Gericht verantworten. Ihnen wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Ihre Verteidiger fordern in ihrem Plädoyer einen Freispruch - schließlich sei der junge Mann an Herzversagen gestorben.

Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Köthen in Sachsen-Anhalt haben die Verteidiger der beiden Angeklagten einen Freispruch vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge gefordert. Der Tod des Mannes nach einer Auseinandersetzung mit den Afghanen könne ihren Mandanten nicht zugerechnet werden. Der schwer herzkranke Mann sei laut den gehörten Sachverständigen an einem akuten Herzversagen gestorben, erklärten die Verteidiger in ihren Plädoyers am Landgericht Dessau-Roßlau.

Die Staatsanwaltschaft war bereits vor einer Woche vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge abgerückt. Sie hatte Jugendstrafen wegen gemeinschaftlich begangener, gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die beiden jungen Afghanen hätten nicht mit der Herzerkrankung des 22-Jährigen und den schwerwiegenden Folgen des Angriffs rechnen können.

Die Verteidiger argumentierten, die Stimmung am Abend des 8. September 2018 sei durch einen vorangegangenen Streit mit einem Landsmann wegen einer Vaterschaft aufgeheizt gewesen. Der damals 18 Jahre alte und mit gut zwei Promille betrunkene Afghane sei irrtümlich davon ausgegangen, dass der hinzugekommene Köthener ihn angreifen wollte. Der Afghane habe ihn geschubst, um ihn auf Abstand zu halten. Der junge Köthener war umgefallen und später gestorben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass einer der Angeklagten den 22-Jährigen geschlagen, und der andere den am Boden Liegenden getreten hat. Ob der jüngere Angeklagte tatsächlich gegen seinen Kopf getreten hat, ist aus Sicht der Verteidigung nicht sicher zu belegen. Es sei dunkel gewesen. Die Verteidiger wiesen auf die unterschiedlichen Schilderungen der Zeugen hin. Tatsächlich Gesehenes, Erzähltes und Erdachtes seien teils vermischt worden. Es habe nicht alles bis ins letzte Detail aufgeklärt werden können. Gutachter fanden keine Spuren von schweren Schlägen oder Tritten.

Angeklagter entschuldigt sich bei Familie

Während die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der 22-Jährige in den Streit der Afghanen schlichtend eingreifen wollte, hat die Verteidigung eine andere Sicht. "Er war nicht da, um einzugreifen, das ist eine Legende, sondern um zuzusehen, wie andere sich schlagen", sagte der Verteidiger des 19-Jährigen. Der Verteidiger des jüngeren Angeklagten forderte einen Freispruch von allen Vorwürfen. Der Anwalt des Älteren sah eine Verurteilung seines Mandanten wegen Körperverletzung an dem anderen Afghanen beim Streit um die Vaterschaft als angemessen an wie auch eine Verurteilung wegen des ebenfalls angeklagten Diebstahls einer Flasche Alkohol im März 2018.

Der 17-jährige Angeklagte entschuldigte sich in seinem letzten Wort im Prozess bei der Familie für den "Unfall". Er habe selbst im Alter von elf Jahren seinen Bruder verloren. Anschließend sei er auf der Flucht vor Gewalt und in Todesangst gewesen. Er könne nachvollziehen, wie es für die Familie sei, jemanden aus ihrer Mitte zu verlieren. "Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen", sagte der 17-Jährige auf Deutsch.

Der ältere Angeklagte war nach der Aussage seines Anwalts so niedergeschlagen, dass er sich nicht in der Lage sah, ein abschließendes Wort zu sagen. Die Mutter des Gestorbenen, zwei Brüder und zwei Schwestern haben den Prozess seit Anfang Februar im Gerichtssaal als Nebenkläger verfolgt. Die Urteilsverkündung ist für Freitag, 17. Mai, um 11 Uhr angesetzt.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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