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Was meint sie mit "Miau"? App soll Sprache der Katze übersetzen

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Jedes "Miau" kann seine eigene Bedeutung haben.

(Foto: RTL)

Ein Ingenieur, der zuvor für Googles "Alexa" gearbeitet hat, verspricht: Seine neue Handy-App kann Katzensprache in menschliche Wörter übersetzen. Das Programm erkennt verschiedene Miaus - dank künstlicher Intelligenz. Doch funktioniert das auch? Eine Katzenhalterin wagt den Test.

Was die Wissenschaft bislang über Katzensprache weiß: Sie existiert. Verschiedene Miaus haben unterschiedliche Bedeutungen, je nach Melodie. "Lass mich raus!" etwa oder "Hunger!". Noch nicht abschließend erforscht ist, ob jede Katze die gleichen Vokabeln benutzt und wie viele Äußerungen überhaupt gebräuchlich sind. Langjährige Katzenbesitzer schließen zwar meist aus der Situation, was ihr Haustier will, aber oft genug können auch sie Kater oder Katze nur verständnislos anschauen.

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Wenn der Vierbeiner miaut, liefert die App eine Übersetzung.

(Foto: RTL)

Das soll sich jetzt ändern, verspricht Javier Sanchez: Ein Ingenieur aus Seattle, der für Amazon schon an der KI-Software "Alexa" mitgearbeitet hat. Er weiß daher, wozu Spracherkennung heutzutage in der Lage ist, und Katzenbesitzer ist er auch. "Ich las irgendwann einen Artikel darüber, dass Katzen ein Vokabular haben, und war fasziniert. Da dachte ich mir: Die Technik, die man für eine Übersetzung braucht, gibt es eigentlich. Man müsste eine Künstliche Intelligenz nur speziell auf Katzenlaute trainieren." Heraus kam die App "MeowTalk", die seit wenigen Monaten kostenlos in den App-Stores für iOS und Android erhältlich ist.

In der Praxis läuft die Anwendung so: Man lädt sich die App auf sein Handy und legt für seine Katze ein Profil an. Dann drückt man auf einen Button und die App fängt an zu lauschen - wie bei einer Anwendung, die Songs im Radio erkennt. Wenn der Vierbeiner dann miaut, spuckt die KI eine Übersetzung aus.

Besitzer muss App trainieren

Voreingestellt sind neun verschiedene Stimmungen. "Ich bin sauer!" etwa, "Ich werde gleich angreifen!" oder "Ich bin verliebt". Zu jeder Übersetzung fragt die App den Benutzer, ob das so stimmen kann. Falls nein, kann er eine eigene Übersetzung eingeben. Denn, so erklärt Erfinder Sanchez: "Jede Katze hat auch ein paar eigene Wörter, die nur sie verwendet. Ein Miau, das sich auf ein bestimmtes Spielzeug bezieht zum Beispiel. Diese Wörter muss der Besitzer der App beibringen."

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Katzenhalterin Victoria Konrad und Kater Harry - was will er ihr wohl sagen?

(Foto: RTL)

Ist ein Übersetzungsprogramm, dem man die Übersetzung vorgeben muss, denn noch sinnvoll? Katzenhalterin Victoria Konrad aus Köln will es testen. Sie besitzt zwei Perser-Maine-Coon-Katzen namens Harry und Meggi. Und gerade Harry stellt sie öfter vor ein Rätsel: "Wenn mein Freund die Wohnung verlässt, sitzt Harry vor der Tür und miaut. Ich frage mich dann: 'Vermisst Harry sein Herrchen? Ist er verwirrt, weil mein Freund plötzlich weg ist? Will er Aufmerksamkeit? Keine Ahnung! Wenn diese App mir das beantworten kann, wäre das schon toll!'

Gesagt, getan: Die App wird auf Lauschen gestellt, und dann - erstmal nichts. Meggi hat sich unters Bett verkrochen und Harry weigert sich, auf Kommando zu miauen. Als er doch mal maunzt, lauscht die App gerade nicht. Schließlich klappt es aber doch: Victorias Freund ist draußen auf dem Balkon, Harry sitzt vor der verschlossenen Glastür. Ein Miau entweicht ihm - Übersetzung laut App: "Mommy!" "Das kann schon stimmen", meint Victoria Konrad. "Mein Freund ist Harrys Hauptbezugsperson. Er sieht ihn also vermutlich als Mami an."

Kann das stimmen?

Allerdings: Als später am Tag auch in anderen Situationen "Miaus" geäußert werden, lautet die Übersetzung fast immer "Mommy". Gelegentlich auch "I'm in love". Victoria und ihr Freund macht diese totale Mami-Fixierung etwas misstrauisch. Dazu befragt, vermutet Erfinder Sanchez: "Manche Katzen haben eine überdurchschnittlich hohe oder tiefe Stimme. Damit hat die App im Moment noch Probleme und übersetzt vielleicht etwas Falsches. Wir haben sie anfangs nur mit den Daten von wenigen Katzen füttern können. Aber je mehr Daten die KI zum Lernen bekommt, desto präziser werden die Übersetzungen!"

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Der Ingenieur verspricht: Wenn man der App eine Falschübersetzung etwa fünfmal korrigiert, macht sie es nach dem nächsten täglichen Update richtig. Und: Die Übersetzungen aller User der App - inzwischen immerhin über eine Million - fließen auf die Server der Entwickler zurück und verbessern die Erkennungsfähigkeit der App insgesamt. Diese Verbesserungen werden etwa ein Mal pro Monat als großes Update an die User weitergegeben.

Victorias Fazit nach ein paar Tagen App-Training: "Die Übersetzungen sind in der Tat mit der Zeit besser geworden. Aber ein großes Manko ist, dass die App nicht immer lauscht, wenn die Katze miaut und umgekehrt." Ein Problem, das Erfinder Sanchez bewusst ist. Er arbeitet deshalb auch schon mit Hochdruck an einer Weiterentwicklung: einem Übersetzungshalsband. Das soll dann permanent auf Zuhören geschaltet sein und die Bedeutung des Miaus nicht mehr schriftlich, sondern mit einer menschlichen Stimme wiedergeben. Wie die Katze das findet, wenn sie auf einmal wirklich in Menschensprache spricht, kann man sie dann ja fragen.

Quelle: ntv.de