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"Sind das Feuer der Influenza" Ärzte empfehlen Grippe-Impfung für Kinder

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Trotz der Corona-Pandemie rät das RKl zu einer Grippeschutzimpfung für gefährdete Personen auch in diesem Jahr.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Grippewelle rollt an - und Deutschland hat sich mit 26 Millionen georderten Impfstoff-Dosen gerüstet. Das sei zwar nicht genug, trotzdem sollen nicht nur Risikogruppen geimpft werden, sagen Experten. Denn vor allem Kinder und Jugendliche verbreiten offenbar den Erreger.

Kinder- und Jugendärzte warnen vor einem Mangel an Grippe-Impfstoffen in Deutschland. Die von der Bundesregierung vorgesehene Menge von 26 Millionen Impfdosen reiche offenbar nicht einmal für alle Risikopatienten aus, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der "Augsburger Allgemeinen". Bei dieser geplanten Menge werde von einer "nach wie vor niedrigen Impfrate" ausgegangen.

Derzeit reiche die Impfstoffmenge offenbar nur für rund zwei Drittel der Risikopatienten aus: "Also selbst die würde man nicht alle erreichen", sagte Fischbach. Er plädierte jedoch dafür, über die Risikogruppen hinaus generell auch Kinder und Jugendliche zu impfen. Diese seien das "sogenannte Feuer der Influenza", sagte er: "Sie erkranken erst und stecken dann die anderen an." Die Gefahr sei nicht zu unterschätzen. In der Grippesaison 2017/2018 habe Deutschland 25.000 Tote verzeichnet.

In Schleswig-Holstein kam es bereits zu einem Engpass bei der Lieferung von Grippe-Impfstoffen. Täglich beklagten sich deshalb Patienten, sagte Geschäftsführer Frank Jaschkowski. Das Gros der 630 Apotheken im Land habe keinen Impfstoff mehr. Der Unmut sei insgesamt groß, sagte Jaschkowski. Im November werde eine zweite Tranche erwartet. Er gehe davon aus, dass diese nicht reichen werde.

Trotz der Corona-Pandemie empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut die Grippeschutzimpfung in diesem Herbst weiterhin nur für Risikogruppen. Dazu gehören Menschen im Alter von über 60 Jahren, chronisch Kranke, medizinisches Personal und Pflegekräfte sowie Schwangere. Dabei geht es darum, Superinfektionen mit anderen gefährlichen Erregern zu vermeiden, aber auch darum, die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten. Je weniger Menschen an Grippe erkrankten, desto mehr Kapazitäten stünden für andere Patienten, vor allem für Covid-19-Erkrankte zur Verfügung.

Spahn sieht keine Probleme

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat derweil Befürchtungen vor Engpässen beim Grippeimpfstoff zurückgewiesen. Es könne momentan lokal und zeitlich zu Lieferengpässen kommen, sagte er in Berlin. "Das heißt aber nicht, dass wir Versorgungsengpässe bei diesem Grippeimpfstoff haben." Noch nie haben so viele Impfdosen zur Verfügung gestanden, so Spahn. Der Impfstoff werde nicht an einem Tag ausgeliefert, sondern stehe nach und nach zur Verfügung.

Es sei sinnvoll, sich auch noch im November oder Dezember impfen zu lassen. In den vergangenen Jahren sind nach Spahns Angaben jeweils vier bis sechs Millionen Impfdosen vernichtet worden, weil sie nicht eingesetzt wurden. Er appellierte an diejenigen, sich impfen zu lassen, "für die die Ständige Impfkommission eine Impfung empfiehlt". "Schützen Sie sich, schützen Sie andere, schützen Sie unser Gesundheitssystem."

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP/rts