Panorama

Gestorben an Luftverschmutzung?Asthma-Tod von Mädchen kommt vor Gericht

30.11.2020, 16:29 Uhr
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Herbstnebel und Autoabgase: Berufsverkehr in London am Freitag. (Foto: imago images/ZUMA Wire)

Der Asthma-Tod eines Mädchens beschäftigt die Justiz in Großbritannien. Sollten die Richter die schlechte Luftqualität am Wohnort der Neunjährigen für ihr akutes Atemversagen verantwortlich machen, wäre ein Präzedenzfall geschaffen.

Ein Gericht in Großbritannien hat eine Untersuchung zum Einfluss der Luftverschmutzung beim Tod eines neunjährigen Mädchens eingeleitet. Das Gericht befasst sich mit dem Fall von Ella Adoo-Kissi-Debrah, die im Februar 2013 nach immer heftiger werdenden Asthma-Anfällen gestorben war. Sollte ihr Tod auf die erhöhten Stickoxidwerte an ihrem Wohnort nahe einer viel befahrenen Londoner Kreuzung zurückgeführt werden, wäre dies ein Präzedenzfall.

Die Mutter des Mädchens, Rosamund, sagte, sie hoffe, dass das Gericht "zu dem Schluss kommt, dass die Luftverschmutzung entweder ihren Tod herbeigeführt hat oder dazu beigetragen hat". Sie wolle den wahren Grund für den Tod ihrer Tochter erfahren, fügte die Mutter hinzu.

Eine erste gerichtsmedizinische Untersuchung im Jahr 2014 hatte ergeben, dass Ella an akutem Atemversagen starb, das durch schweres Asthma ausgelöst wurde. Diese Erkenntnisse wurden im vergangenen Jahr jedoch angezweifelt, und eine neue Untersuchung wurde angeordnet. Sollte der Tod des Mädchens auf die schlechte Luftqualität zurückgeführt werden, wäre sie der erste Mensch in Großbritannien, bei dem Luftverschmutzung als Todesursache gerichtlich anerkannt wird. "Ich hoffe, dass dies das Leben von Kindern auf der ganzen Welt, die verschmutzte Luft atmen müssen, erleichtern wird", sagte Ellas Mutter.

Grenzwerte in ganz London überschritten

Nach Angaben des Londoner Stadtrats werden fast im gesamten Stadtgebiet die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerte für Luftverschmutzung überschritten. Londons Bürgermeister Sadiq Khan legte im Oktober neue Zahlen vor, nach denen sich die Luftqualität seit 2016 verbessert habe.

Luftschadstoffe, Grenzwerte und Messstationen sind auch in Deutschland ein Streitthema - vor allem, wenn es um Fahrverbote geht. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg fällte im Sommer 2019 ein weitreichendes Urteil. Demnach sei schon die Überschreitung von Grenzwerten an einzelnen Messstellen, wie Kreuzungen oder Bushaltestellen - und nicht nur Durchschnittswerte für das ganze Stadtgebiet - ein Verstoß gegen geltende EU-Regeln. Bürger können zudem bei Gericht überprüfen lassen, ob Messstationen richtig platziert sind. Das Urteil hat auch Folgen für die Rechtsprechung in Deutschland.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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