Panorama

Kritik auch wegen Corona-GefahrAtommüll-Zug erreicht Hessen

04.11.2020, 00:03 Uhr
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Es ist das erste Mal seit neun Jahren, dass Atommüll in Castoren durch Deutschland transportiert wird. Die Fracht aus dem britischen Sellafield rollt zum Zwischenlager nahe des stillgelegten Kernkraftwerks in Biblis. An dem Transport gibt es viel Kritik - auch wegen der Corona-Gefahr.

Der erste Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus dem Ausland seit neun Jahren hat in der Nacht Hessen erreicht. Gegen 0.50 Uhr habe der Zug die hessische Landesgrenze passiert, teilte die Polizei mit. Der 600 Meter lange Zug mit sechs Castoren aus der britischen Atomanlage Sellafield soll in ein Zwischenlager an dem stillgelegten Kernkraftwerk in Biblis rollen. Die Ankunft dort wird für den Morgen erwartet. Am Dienstagabend hatte der Zug den niedersächsischen Hafen Nordenham verlassen.

Entlang der möglichen Strecken wurden Proteste angekündigt. In Niedersachsen sei es allerdings ruhig geblieben, teilte die Polizei mit. "Es gab keine Störungen während der Schiffsankunft, der Verladephase und während des Transportes." Die Castor-Transporte waren in Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen.

Der Transport nahm am späten Dienstagabend die Route über Hannover. Die Bundespolizei sicherte nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Mehrere tausend Bundespolizistinnen und -polizisten waren an der Sicherung der Strecke beteiligt, im Einsatz waren Diensthunde, Dienstpferde und Polizeihubschrauber. Zusätzlich waren in den Bundesländern auch Kräfte der jeweiligen Landespolizei mit im Einsatz. Bis zum späten Dienstagabend sei alles ruhig und wie geplant verlaufen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.

Die Castor-Transporte waren in der Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. An dem Transport des gefährlichen Materials gibt es viel Kritik. Umweltschützer sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Castor-Behältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) weist diese Bedenken zurück.

Kritik an dem Transport hatte es auch angesichts der Corona-Epidemie und einer möglichen Gefährdung der eingesetzten Polizeibeamten gegeben. "Die Gesundheit aller Beteiligten genießt höchste Priorität", sagte der Gesamteinsatzleiter. Dies gelte sowohl für die Bürgerinnen und Bürger, die ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausübten, wie für die Polizeikräfte im Einsatz. Die Polizeidirektion Oldenburg habe auf Basis der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ein umfassendes Hygienekonzept für den Einsatz erstellt, sagte Polizeivizepräsident Andres Sagehorn. Nach Angaben der Bundesregierung muss Deutschland aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen - aus Sellafield wie aus der französischen Anlage La Hague.

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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