Panorama

Massaker in US-Stadtverwaltung Attentäter erschießt zwölf Menschen

In der US-Küstenstadt Virginia Beach betritt ein Mann ein Verwaltungsgebäude und schießt wild um sich. Zwölf Menschen sterben, sechs bleiben verletzt zurück. Und der Täter ist kein Unbekannter.

Ein Bewaffneter hat in einem Gebäude der Stadtverwaltung in Virgina Beach im US-Bundesstaat Virgina wahllos um sich geschossen und dabei mindestens zwölf Menschen getötet. Zum Tatort gerufene Polizisten erschossen den Attentäter schließlich bei einem Schusswechsel. Neben den tödlich getroffenen Opfern verletzte der Mann vier weitere Menschen, als er das Feuer eröffnete.

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Laut Polizei ähnelt der Tatort einem Kriegsgebiet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Laut Polizei drang der mutmaßliche Täter kurz nach 16 Uhr, Ortszeit, in das Verwaltungsgebäude ein und eröffnete sofort das Feuer. Mit seiner großkalibrigen Handfeuerwaffe zielte er scheinbar wahllos auf seine Opfer in allen drei Stockwerken des Gebäudes. Der Täter war mit mehreren übergroßen Magazinen ausgerüstet. Als Polizisten am Tatort eintrafen, schoss der Attentäter auch auf sie. Dabei traf er auch einen Polizisten, der aber dank seiner Schussweste überlebte.

Wie der lokale Sender WAVY berichtete, handelte es sich bei dem Täter um einen verärgerten städtischen Angestellten, dem am Vortag gekündigt wurde. Der Polizeichef sprach von einem "verheerenden Vorfall", bei dem vieles noch ungeklärt sei. "Wir haben wirklich mehr Fragen, als wir Antworten haben." Das FBI unterstützt die örtlichen Behörden bei den Ermittlungen. Die Ermittler untersuchten einen Tatort, der "am besten als Kriegsgebiet" beschrieben werden könne, sagte die Polizei.

Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass es sich bei dem Schützen um einen 40-jährigen Mann handele. Abgesehen von einem Verkehrsdelikt im Jahr 2013 ergaben CNN-Recherchen in örtlichen Gerichtsakten keine weiteren Vorstrafen. Nach der Highschool soll der Täter außerdem freiwillig in den Streitkräften der Nationalgarde gedient haben. Nachbarn beschrieben ihn laut CNN als Einzelgänger. Er habe nicht viele Gespräche mit den Menschen in der Nachbarschaft geführt, wirkte aber trotzdem wie ein "netter Kerl", sagte die 23-jährige Cassetty Howerin. Sie wohnte unter dem mutmaßlichen Schützen.

Bürgermeister ist entsetzt

Eine städtische Angestellte, die sich bei dem Angriff im Gebäude aufhielt, sagte WAVY, sie habe Schreie und Schüsse gehört und den Notruf angerufen. "Wir haben uns im Büro verbarrikadiert." Sie und ihre Kollegen hätten die Tür mit einem Schreibtisch blockiert. "Wir haben nur gehofft, dass es bald vorbei sein werde." Die Frau fügte hinzu: "Ich weiß nicht, was für ein Mensch so etwas tun würde."

Auch Bürgermeister Bobby Dyer zeigte sich entsetzt. "Das ist der schlimmste Tag in der Geschichte von Virginia Beach", sagte er bei einer Pressekonferenz. "Die Menschen sind unsere Freunde, Mitarbeiter, Nachbarn, Kollegen." Virginias Gouverneur Ralph Northam reiste am Freitag nach Virginia Beach und bekundete den Angehörigen der Opfer sein Beileid. Northam sprach von einem "furchtbaren Tag" für Virginia. "Das ist unaussprechliche, unsinnige Gewalt." Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden. Virginia Beach liegt an der US-Ostküste an der Chesapeake Bay und ist die größte Stadt des US-Bundesstaates Virginia.

Laxe Waffengesetze, tödliche Angriffe

In Amerika kommt es auch wegen der laxen Waffengesetze immer wieder zu tödlichen Angriffen, bei denen Täter wahllos auf Menschen schießen. So hatte etwa im Oktober 2017 ein Mann in Las Vegas das Feuer auf ein Musikfestival eröffnet und 59 Menschen getötet. Im Juni 2016 hatte ein Mann in Orlando 49 Besucher eines Schwulenclubs erschossen. Im Jahr 2007 hatte ein 23-Jähriger an der größten Hochschule in Virginia, der Virginia Tech, 32 Menschen erschossen, bevor er sich selbst tötete.

Bemühungen von Organisationen, strengere Waffengesetze zu erkämpfen, scheitern am Widerstand vor allem konservativer Politiker und der Waffenlobbyorganisation NRA. Trump hatte bei einer NRA-Veranstaltung im April betont, seine Republikaner seien die Partei, die das Recht auf Waffenbesitz schütze. Mit Blick auf die Demokraten sagte er damals: "Sie werden auch eure Waffen wegnehmen!" Er versprach den Waffenlobbyisten, das von Konservativen auf die US-Verfassung zurückgeführte Recht auf Waffenbesitz nicht anzutasten. Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, nannte das Massaker in Virginia am Freitag "eine weitere furchtbare Tragödie", die daran erinnere, dass Waffengewalt in den USA angesprochen werden müsse. "Das kann nicht weitergehen."

Quelle: n-tv.de, lou/dpa/AFP

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