Panorama

Ansturm auf unbewachte Seen August fordert meiste Badetote seit Jahren

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Seen und Flüsse sind Schwerpunkt tödlicher Badeunfälle.

(Foto: imago images/Blaulicht News)

Im heißen August und bei Corona-bedingt geschlossenen Schwimmbädern strömen Menschen in Scharen an Seen und Flüsse. Dutzende verlieren dort ihr Leben - so viele wie seit Beginn des Jahrtausends nicht in diesem Monat. Meist sind Leichtsinn und Alkohol im Spiel.

Im Monat August sind in Deutschland so viele Menschen ertrunken wie seit Jahren nicht. Mit 117 Toten lag die Zahl deutlich höher als noch im Vorjahr mit 45, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilte. Höher lag die Zahl der Ertrunkenen zuletzt mit 125 im Juli 2013. Für den Monat August lag die Zahl sogar zuletzt vor 17 Jahren höher, im August 2003 starben 129 Menschen. Über das gesamte bisherige Jahr 2020 gesehen, starben insgesamt jedoch weniger Menschen durch Ertrinken. In den ersten acht Monaten kamen in deutschen Gewässern mindestens 329 Menschen ums Leben - 20 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

"Sobald es heiß wird, gehen die Leute - oft zu sorglos - ins Wasser", warnte DLRG-Präsident Achim Haag. "Die Ursachen sind wie so oft Leichtsinn, Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, eine zu hohe Risikobereitschaft und insbesondere das Schwimmen in unbewachten Gewässern." Weil zahlreiche Schwimmbäder coronabedingt geschlossen hatten, hätten sich viele Menschen Alternativen im Freien gesucht. Unfallschwerpunkte sind nach wie vor Seen und Flüsse. In den überwiegend unbewachten Binnengewässern ertranken 287 Menschen. 156 Menschen starben in Seen und Teichen, 123 in Flüssen und Bächen, acht in Kanälen.

Nord- und Ostsee relativ sicher

Die Küsten von Nord- und Ostsee sind dagegen vergleichsweise sicher, weil dort Rettungsschwimmer an fast 90 Stationen zwischen Borkum und Usedom von Mitte Mai bis Mitte September über die Sicherheit an den Stränden wachen. Trotz hoher Besucherzahlen an den Küstengewässern in diesem Jahr ging die Zahl der Ertrunkenen im Vergleich zu den Vorjahren weiter zurück. Im Meer ertranken bis Ende August 18 Menschen, davon vier in der Nordsee und 14 in der Ostsee. Das waren insgesamt vier weniger als im Vorjahr. In Schwimmbädern ertranken sechs Menschen, in Hafenbecken, Gräben und an sonstigen Orten kamen 16 Menschen ums Leben. Bei 22 Unfällen ertranken Kinder zwischen null und zehn Jahren, unter den Elf- bis 15-Jährigen gab es fünf Todesfälle

Die meisten tödlichen Badeunfälle gab es mit 68 Opfern in Bayern - 12 weniger als im Vorjahreszeitraum. In Nordrhein-Westfalen gab es 41 Opfer zu beklagen, 13 weniger als im Vergleichszeitraum, in Niedersachsen waren es ebenfalls 41 und damit so viele wie im Vorjahreszeitraum. Es starben zumeist Männer, ihr Anteil an den Todesfällen lag bei fast 80 Prozent. Gründe seien Selbstüberschätzung, Leichtsinn und oftmals auch Alkohol.

Quelle: ntv.de, mra/dpa/AFP