Panorama

Schnee-Chaos auf der A2 Autofahrer verbringen Nacht im Stau

Minusgrade und Schnee sorgen auf der A2 für Chaos. Dutzende Lastwagen fahren sich fest und verursachen einen Mega-Stau. Einige Verkehrsteilnehmer müssen die Nacht bei klirrender Kälte in ihren Fahrzeugen verbringen.

Der durch heftigen Schneefall ausgelöste Stau auf der A2 bei Bielefeld hat sich auch bis zum frühen Morgen nicht aufgelöst. Fahrer und Mitfahrende verbrachten bei eisiger Kälte zum Teil die ganze Nacht und damit mehr als zwölf Stunden in ihren fest sitzenden Fahrzeugen. Bereits am Montagmittag waren Lastwagen auf der Autobahn wegen des Schnees stecken geblieben. Der Rückstau zog sich zwischenzeitlich über 37 Kilometer. Die Polizei rief dazu auf, nicht mehr auf die Autobahn aufzufahren.

Die Autobahn wurde in beiden Fahrtrichtungen gesperrt - insgesamt bildeten sich rund um Bielefeld zeitweise mehr als 70 Kilometer Stau. Trotz einer Umleitung über die A33 entspannte sich die Lage in der Nacht kaum, wie eine Polizeisprecherin sagte. "Es wird noch sehr lange dauern, bis sich das Knäuel aufgelöst hat", sagte die Sprecherin. Am Morgen hieß es dann, die Lage sei noch immer schwierig. "Wir sind am Rotieren", sagte ein Sprecher. Dem WDR sagte die Polizei, die Sperrungen würden "hoffentlich am Vormittag aufgehoben". Der ADAC empfahl, den Bereich weiträumig zu umfahren. Alle Rastplätze seien ausgelastet.

Etwas weniger dramatisch war die Lage laut Polizei bei Dortmund, wo die A2 ebenfalls gesperrt wurde. Auf der Fahrbahn in Richtung Oberhausen hatten sich am Montagnachmittag Dutzende Lastwagen festgefahren, die vom Technischen Hilfswerk befreit werden mussten, wie die Polizei mitteilte. Zwischenzeitlich zog sich der Rückstau nach Angaben des Lagezentrums zehn Kilometer lang, löste sich in der Nacht jedoch auf. Die Polizei registrierte 340 Verstöße gegen ein Lkw-Fahrverbot - eigentlich durften Fahrzeuge über 7,5 Tonnen bis 22 Uhr nicht auf der Autobahn unterwegs sein.

Die "Neue Westfälische" aus Bielefeld berichtet, dass sich die Verkehrsprobleme auch abseits der A2 ausbreiten. So stauten sich Lastwagen auf der Bundesstraße B66n bis ins Bielefelder Stadtgebiet. Wegen des Staus kämen die Räumfahrzeuge nicht durch. Außerdem wirke Streusalz nur bis -7 Grad. Noch am frühen Morgen herrschten aber -10 Grad Kälte in Ostwestfalen.

Die Polizei warnte auf Twitter davor, die A2 in Richtung Oberhausen zu befahren. Die Fahrbahnen seien "spiegelglatt". Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr kümmerten sich bei beiden Staus um die Fahrer und verteilten heiße Getränke.

Im Bahnverkehr gab es ebenfalls Einschränkungen durch Schnee und Eis auf den Gleisen. Besonders betroffen seien im Fernverkehr die Verkehrsknoten Dortmund, Hannover, Kassel, Erfurt und Halle/Leipzig, hieß es. Auf mehreren Strecken fahren keine Fernzüge, etwa zwischen Hannover und Köln, von Hamburg in Richtung München, Dortmund, Köln, Kiel, Lübeck und Westerland sowie von Dresden in Richtung Leipzig, Frankfurt, Hannover und Köln. Fahrgäste können ihre nicht genutzten Fernverkehrsfahrkarten für Fahrten von 6. bis 9. Februar noch sieben Tage nach Störungsende nutzen oder kostenfrei stornieren.

Staus in Hessen und Bayern

Auch in anderen Teilen Deutschlands gab es Verkehrsprobleme. Auf der A10 bei Spreeau in Brandenburg stellten sich in der Nacht zwei Lastwagen quer auf die glatte Fahrbahn und kamen weder vor noch zurück, wie eine Polizeisprecherin sagte. Auf der A4 in Osthessen hatte sich ein Stau in der Nacht zwar inzwischen aufgelöst - dort hatten Autofahrer laut Polizei aber zum Teil 15 Stunden in ihren Wagen ausgeharrt. Zum Teil kam der Verkehr nur langsam wieder in Gang, weil Polizisten Lkw-Fahrer wecken mussten, die die Wartezeit verschlafen hatten.

In Bayern blockierte ein Lastwagen in der Nacht vier Stunden lang die Autobahn 72. Der Sattelzug sei am Autobahndreieck Bayerisches Vogtland beim Abbiegen von der A9 auf schneeglatter Straße ins Rutschen geraten, teilte die Polizei mit. Er riss 30 Meter der Leitplanke nieder und stellte sich quer über die gesamte Fahrbahn bei Selbitz (Landkreis Hof). Der 57-jährige Fahrer wurde bei dem Unfall in der Nacht auf Dienstag leicht verletzt.

In Mecklenburg-Vorpommern kam es zu etwa 20 Verkehrsunfällen. Eine Frau sei verletzt worden, sonst sei es meist bei Blechschäden an den Autos geblieben, teilten Polizeisprecher in Rostock und Neubrandenburg am Dienstagmorgen mit. Auf einigen Straßen kam es dadurch den Angaben zufolge zu Verkehrsbehinderungen. Betroffen sind unter anderem die Autobahn 11 Berlin-Stettin bei Penkun, die A14 nördlich von Schwerin und die Bundesstraßen 105 bei Niepars (Vorpommern-Rügen) und 198 bei Stuer (Mecklenburgische Seenplatte). Im Nordosten waren regional unterschiedlich zwischen 10 und 20 Zentimeter Pulverschnee gefallen.

Weniger Schnee, aber heftiger Frost erwartet

Der Deutsche Wetterdienst warnt am Morgen noch vor "markantem Wetter" (Warnstufe 2 von 4) in einem breiten Band von Westdeutschland, (vor allem NRW) bis nach Brandenburg und Sachsen. Für Schleswig-Holstein und Rügen wird starker Schneefall mit Schneeverwehungen angekündigt. An der Ostsee sind Sturmböen zu erwarten. Im Norden, Westen und Süden ist mit Glätte zu rechnen.

Im Vergleich zum Wochenende soll der Schneefall in den kommenden Tagen insgesamt zurückgehen. Das große Thema wird dann der strenge Frost sein - vor allem nachts. In der Mitte und im Osten Deutschlands dürfte Nachtfrost von minus 18 Grad keine Seltenheit sein, sagte Meteorologe Martin Jonas. Bei Wind und trockener Luft könne die gefühlte Temperatur nachts sogar auf bis zu minus 30 Grad sinken. "Man sollte sich wirklich warm einpacken", warnte eine Meteorologin des Wetterdienstes Essen angesichts der Kälte. Der Wind könne dafür sorgen, dass es sehr unangenehm werde.

Hilfsorganisationen verstärkten unterdessen ihren Einsatz für Obdachlose. So war etwa in Hannover am Montagabend erneut der "Kältebus" der Johanniter unterwegs, um Bedürftige mit heißem Essen und Trinken zu versorgen. Die Stadt Frankfurt hatte nach Angaben einer Sprecherin bereits am Wochenende die Öffnungszeiten der Winterübernachtung in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor verlängert. Dort gibt es 150 Schlafplätze, von denen zuletzt etwa 100 nachts belegt waren.

Etwa 80 Menschen übernachteten nach Angaben der Sprecherin in den vergangenen Tagen trotz des Wetters draußen. Sie würden jede Nacht von den Mitarbeitern des Kältebusses aufgesucht und eingeladen, sich in eine Einrichtung der Obdachlosenhilfe fahren zu lassen. Das Team des Berliner Wärmebusses wird kurzfristig von rund 20 Ehrenamtlichen unterstützt. Wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bei Instagram mitteilte, seien durch diese Unterstützung in der Nacht zu Dienstag acht zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz gewesen, um Obdachlose an bekannten Schlafplätzen zu versorgen.

Quelle: ntv.de, vpe/jpe/dpa

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