Panorama

Hendrik II zieht nach Norden Baum erschlägt Lokführer nach Sturm

cf099c4eff62e6dfc9d87de551e134ad.jpg

Nass und vor allem sehr windig war es am Donnerstag. In weiten Teilen Deutschlands hat sich die Lage in der Nacht wieder beruhigt.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Der Sturm über Deutschland hat sich in der Nacht in weiten Teilen des Landes beruhigt. Inzwischen haben Polizei und Feuerwehr wieder weniger zu tun. Die Bilanz: Neben zahlreichen Unfällen und anderen Schäden kommt es in Brandenburg zu einem Todesfall.

Den Sturmböen von Tief "Hendrik II" ist in der Nacht zum Freitag allmählich die Luft ausgegangen. Nachdem der Herbststurm am Donnerstag noch in weiten Teilen Deutschlands gewütet hatte, entspannte sich die Lage zunehmend. Dennoch waren die nach Skandinavien abziehenden Windböen in den Küstengebieten noch zu spüren. Für Freitag sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Norden und in der Mitte Deutschlands erneut Böen oder Sturmböen voraus, dazu einzelne Gewitter im Laufe des Tages.

Infolge des Herbststurmtiefs kam es zu einem Todesfall: In der brandenburgischen Uckermark ist ein Lokführer ums Leben gekommen. Der Mann habe nahe Templin am Donnerstag zusammen mit einem Kollegen Gleise von im Sturm herabgestürzten Ästen freiräumen wollen, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums in Frankfurt an der Oder. Während dieser Arbeiten sei der Mann von einem umstürzenden Baum getroffen und so schwer verletzt worden, dass er bald darauf starb.

Der Sturm hatte am Donnerstag auch andernorts für Unfälle und Verletzungen gesorgt. So fiel in Hessen auf einer Landstraße ein Baum auf ein fahrendes Auto, der 58-jährige Fahrer wurde schwer verletzt. In Thüringen erfasste ein Ast das Auto eines Fahrers, der dann ebenfalls ins Krankenhaus musste. Ein Radfahrer in Sachsen-Anhalt wurde von einem umfallenden Baum verletzt. Ein 17-jähriger Motorradfahrer in Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls verletzt. Mehrere Menschen wurden durch umgestürzte Bäume in ihren Autos eingeklemmt.

Ein umstürzender Baum im niedersächsischen Wolfsburg verfehlte nur knapp eine 20-Jährige, die gerade aus dem Auto stieg. Ein Ast traf sie jedoch am Kopf, sie kam in eine Klinik. Eine 22-Jährige gab an, ihr Wagen sei auf der A31 von einer Windböe erfasst worden. Die Frau verlor die Kontrolle und kam von der Fahrbahn ab, ihr Auto überschlug sich - sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Fischmarkt unter Wasser

In Nordrhein-Westfalen stellte die Deutsche Bahn zeitweise den Fernverkehr ein. Erst nach mehr als drei Stunden rollten ab dem Nachmittag wieder Schnellzüge auf den wichtigen Strecken von Hamburg oder Berlin. Auch im Regionalverkehr gab es Verspätungen und Beeinträchtigungen durch Äste oder andere Gegenstände auf den Gleisen und in den Oberleitungen. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stellte die Deutsche Bahn zeitweise den Regionalverkehr ganz ein.

Der erste Herbststurm habe insbesondere im Harz gewütet, teilte der DWD mit. Auf dem Brocken seien Windgeschwindigkeiten um die 150 Kilometer pro Stunde gemessen worden. Eine Sturmflut setzte den Fischmarkt im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter Wasser. Der Scheitel sei am frühen Donnerstagabend mit 1,72 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH). Zahlreiche Schaulustige wollten das sehen.

Auch in Rheinland-Pfalz rückten Feuerwehr und Polizei zu vielen Einsätzen aus. "Die Telefone standen bei den Polizeidienststellen in der Westpfalz nicht still", teilte etwa das Polizeipräsidium in Kaiserslautern mit. Bei Kastellaun riss der Sturm ein Rotorblatt eines Windrades ab, die Polizei Mayen berichtete von einem "Trümmerfeld im Umkreis von etwa 150 Metern". Im Saarland wurden Unterführungen überflutet. Telefon- und Stromleitungen wurden beschädigt, in mehreren Regionen Deutschlands fiel der Strom aus.

In vielen Städten wie Rostock, Leipzig und Osnabrück wurden Zoos und andere Einrichtungen geschlossen, teils wegen der alten und hohen Baumbestände. Auch Parks und Gärten wie in Dresden und Friedhöfe wie in Chemnitz und Erfurt wurden sicherheitshalber gesperrt, geplante Bestattungen und Trauerfeiern fielen aus. In Köln wurde ein Teil des Dom-Vorplatzes gesperrt. "Vorsicht Steinschlag" war auf Warnschildern zu lesen. Auch Ausflugsziele wie die Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz schlossen aus Sicherheitsgründen ihre Tore. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald beendete alle Führungen, nachdem mehrere Bäume umgestürzt und der Strom zeitweise ausgefallen war. Auch in den Nachbarländern Tschechien und Frankreich wütete der Sturm und sorgte für Polizeieinsätze und Zugausfälle. Mehrere Menschen wurden verletzt. Auch aus den Niederlanden wurden Verletzte und Schäden gemeldet.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.