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"Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt": Blick ins Cockpit einer A320 (Archivbild).
"Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt": Blick ins Cockpit einer A320 (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 27. März 2015

Kurz vor dem Absturz: Bericht: Pilot griff zur Notfall-Axt

Was geschah in den letzten Minuten an Bord von Flug 4U9525? Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es Hinweise, dass der ausgesperrte Flugkapitän verzweifelte Anstrengungen unternahm, um zurück ins Cockpit zu gelangen. Neue Gerüchte zur Vorgeschichte des Copiloten werfen unterdessen schwerwiegende Fragen auf.

Der ausgesperrte Pilot der verunglückten Germanwings-Maschine hat einem Bericht zufolge offenbar wenige Minuten vor dem Aufprall noch versucht, die Tür zum Cockpit mit einer Axt zu öffnen. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, nutzte er dafür eine an Bord befindliche Notfall-Axt, um in das geschlossene Cockpit zurückzugelangen. Sein Ziel sei es gewesen, den Sinkflug zu stoppen, berichtete die Zeitung.

Offizielle Stellungnahmen liegen dazu bislang nicht vor. "Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt", bestätigte eine Germanwings-Sprecherin lediglich. Ob sie zum Einsatz kam, und welche Belege es dafür gibt, ist bislang noch offen.

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Gestützt auf die Auswertung der Audioaufzeichnungen aus dem Cockpit gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass der Copilot die am Dienstag in den französischen Alpen verunglückten Maschine absichtlich in den Sinkflug und zum Absturz gebracht haben dürfte. Zum Zeitpunkt des Unglücks war er allein im Cockpit. Atemgeräusche deuten daraufhin, dass er in den Minuten vor dem Absturz am Leben war.

Problematische Sicherheitsbarriere?

Eine Sicherheitsvorkehrung an Bord könnte ein Eingreifen des ausgesperrten Flugkapitäns verhindert haben: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA waren die Cockpit-Türen in Flugzeugen massiv verstärkt und mit einem Code-System versehen worden, um unbefugte Eindringlinge fernzuhalten. Bis dahin war es möglich, die Türen einzutreten oder im Notfall auch mit der Axt einzuschlagen.

Da der Copilot die Verriegelung der Cockpit-Tür offenbar bewusst von Innen verriegelte, gehen die Ermittler davon aus, dass er während des Sinkflugs bei vollem Bewusstsein und nicht etwa ohnmächtig war. Dies, so heißt es, lasse bislang nur einen Schluss zu: Sein Vorgehen war planvoll. Die schreckliche Tat geschah demnach mit voller Absicht.

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Ein besonderes Detail der Türtechnik macht die Experten in diesem Punkt so sicher: Für Notfälle gibt es an den Kabinentüren einen speziellen Mechanismus, wie Lufthansa-Chef Spohr erläuterte. Wenn etwa der oder die Kollegen im Cockpit bewusstlos sind, kann die Kabinencrew einen Zahlencode eingeben und so die Tür nach einer kurzen Zeitspanne von außen öffnen. Um Missbrauch durch etwaige Geiselnehmer auszuschließen, kann diese Notfallöffnung per Code allerdings von Innen durch einen Schalter blockiert werden. Diesen Schalter hatte der Copilot offenbar willentlich betätigt.

"Bild" wühlt in der Krankenakte

Die neuen Erkenntnisse lenken die Aufmerksamkeit von Staatsanwaltschaft und Flugunfallermittlern auf die persönlichen Hintergründe des Copiloten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte zuvor bereits von einer mehrmonatigen Ausbildungsunterbrechung des angehenden Flugzeugführers berichtet. Die Gründe dafür nannte er bislang nicht.

Das deutsche Boulevardblatt enthüllt dazu nun neue Spekulationen. Der 28-Jährige habe seine Ausbildung damals wegen einer "schweren depressiven Episode" unterbrochen, heißt es unter Hinweis auf "Details aus der geheimen Krankenakte". Bis zuletzt sei der Mann demnach in regelmäßiger medizinischer Behandlung gewesen. Nachprüfbar ist diese Behauptung bislang nicht.

Die naheliegende These einer Depression war am Donnerstag bereits in anderen Medien aufgetaucht. Vor einer Stellungnahme der zuständigen Ermittlungsbehörden erscheinen Spekulationen zum Gesundheitszustand eines Mitglieds der Besatzung allerdings voreilig. Wenn die Angaben zutreffen sollten, bleibt dennoch unklar, warum eine solche schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigung der Eignung als Flugzeugführer vor der Anstellung niemandem aufgefallen sein sollte.

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Quelle: n-tv.de