Panorama

Motorhauben sind deutlich höherBericht: SUVs sorgen in USA jährlich für Hunderte mehr tote Fußgänger

22.06.2026, 15:17 Uhr
00:00 / 04:09
Teurer-SUV-von-RAM-parkt-in-der-Luxus-Shoppingstrasse-Goethestrasse-Frankfurt-Hessen-Deutschland
Auch in Deutschland erfreuen sich SUVs größerer Beliebtheit. (Foto: picture alliance / Schoening)

Auch in den Vereinigten Staaten sind die Pkw in den vergangenen Jahrzehnten deutlich größer geworden. Für Fußgänger hat das teils drastische Auswirkungen. Die "New York Times" beziffert, wie sich die Beliebtheit großer SUVs in den Todeszahlen niederschlägt.

Laut einer Recherche der "New York Times" ist die Verbreitung riesiger SUVs mitverantwortlich dafür, dass in den USA die jährliche Anzahl der getöteten Fußgänger seit 2009 nach jahrzehntelangen Fortschritten bei der Sicherheit wieder um rund 75 Prozent gestiegen ist. Der sprunghafte Anstieg der Todesfälle unter Fußgängern habe Forscher vor Rätsel gestellt. Dem Bericht zufolge ist in den meisten anderen wohlhabenden Ländern kein ähnlicher Anstieg zu beobachten, was darauf hindeute, dass mögliche Ursachen wie Abgelenktheit durch Smartphones nicht die ganze Geschichte erzählen.

Anfang der 2000er Jahre waren laut der Zeitung mehr als die Hälfte der Pkw auf US-amerikanischen Straßen herkömmliche Autos wie Limousinen (Sedan), deren Motorhauben relativ nah am Boden liegen. Heute dominierten jedoch SUVs und Pick-up-Trucks das Straßenbild. "Viele sind größer denn je. Sie töten Tausende von Fußgängern, die andernfalls vielleicht überlebt hätten", heißt es.

Der Recherche zufolge, die auf Daten von Bundesbehörden und der Autoindustrie beruht, wären jährlich etwa 200 bis 400 Fußgänger in den USA nicht ums Leben gekommen, wenn die Fahrzeuge im letzten Vierteljahrhundert in etwa gleich groß geblieben wären. Das entspreche rund zehn Prozent des jüngsten Anstiegs der Todesfälle.

"Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten"

Es gebe zwei Gründe, warum größere Fahrzeuge tödlicher sind: Sie hätten höhere Motorhauben und wiesen tendenziell größere tote Winkel auf. "Wir beobachten viele verheerende Zusammenstöße selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten, weil der Fußgänger nach vorn geschleudert wird", sagte Shawn Harrington, dessen Unternehmen Forensic Rock für die "New York Times" Crashtests durchgeführt hat. "Bevor der Fahrer überhaupt begreift, was passiert ist, befindet sich der Kopf des Fußgängers bereits unter dem Rad."

Mehr Fahrzeuge als je zuvor hätten Motorhauben, die über den Schwerpunkt eines durchschnittlichen US-Amerikaners hinausragen, der im Allgemeinen etwa auf Höhe des Bauchnabels liegt. Die Motorhaube eines durchschnittlichen Pkws in den Vereinigten Staaten ist heute etwa 90 Zentimeter hoch. Deswegen würden Menschen, die kleiner als 167 Zentimeter sind - etwa die Hälfte der erwachsenen US-Amerikaner - in der Regel bei einem Zusammenprall auf den Asphalt geschleudert werden.

Ein durchschnittlicher US-amerikanischer Mann (1,75 Meter groß) "würde heute wahrscheinlich von etwa 39 Prozent der Fahrzeuge zu Boden geschleudert werden", schreibt die Zeitung. "Im Jahr 2002 hätte diese Zahl noch bei 29 Prozent gelegen." In einer Simulation ist zu sehen, was passiert, wenn ein Fußgänger von einem Pkw mit rund 30 Kilometern pro Stunde erfasst wird. Früher seien Fußgänger dabei viel häufiger auf die Motorhaube geschleudert worden - was zwar spektakulär aussehe, aber weniger gefährlich sei.

Die hohen Motorhauben größerer Fahrzeuge seien nicht nur tödlicher, sondern ihre massigeren Karosserien können den Fahrern auch die Sicht auf Fußgänger versperren. Die "New York Times" zeigt in einer 3D-Analyse, wie sich die toten Winkel verändert haben. Demnach haben sich bei vielen Herstellern die toten Winkel um mindestens 25 Prozent erhöht.

Quelle: ntv.de, dsc

USASUV