Akustikplatten made in Germany?Bericht: Spur in Crans-Montana-Ermittlungen führt nach Deutschland

Noch immer wird gerätselt, wie die Decke der Bar "Constellation" in Crans Montana so leicht Feuer fangen konnte. Woher die dort verbauten Platten stammen, könnte nun aber zumindest geklärt sein: aus Deutschland. Das soll Berichten zufolge eine Rechnung des Barbesitzers belegen.
Ein wichtiges Puzzleteil, das zur Aufklärung der Brandkatastrophe in der Bar "Constellation" in Crans Montana beitragen könnte, ist vermutlich in Deutschland zu finden. Das legen Ermittlungen der Walliser Staatsanwaltschaft nahe. Die hatte laut Schweizer Medien am 27. Februar ein dringendes internationales Rechtshilfeersuchen an die deutschen Behörden gerichtet. Der Grund: Akustikschaumplatten, die in der Bar verbaut waren und in der Silvesternacht Feuer fingen, stammen vermutlich zumindest teilweise aus Deutschland, berichtet etwa der "Tagesanzeiger".
Das ist eine Wende, denn bisher hatte der Barbetreiber Jacques Moretti stets behauptet, die Schaumplatten in einem örtlichen Baumarkt gekauft zu haben. Der teilte allerdings mit, besagte Platten zum Zeitpunkt des Erwerbs, im Jahr 2015, gar nicht im Sortiment gehabt zu haben. Moretti bestätigte diesen Umstand später sogar selbst. Er erschien am 20. Februar auf der Polizeistation in Sitten und übergab dort eine Rechnung vom 3. September 2015.
Daraus gehe hervor, dass er im Onlineshop einer Firma in Ostdeutschland insgesamt 1360 Schaumstoffplatten des Modells "Mousse Acoustique pyramidale PRO 90 cm/45 cm/6 cm P085" kaufte. Der Preis: 13.464 Euro. Laut "Tagesanzeiger" belegen archivierte Webseiten der Firma aus dem September 2015, dass sie das genannte Produkt seinerzeit anbot. Als Produktschlüssel wurde "P085" auf der Website angegeben. Die findet sich der Schweizer Zeitung zufolge auf der Rechnung, die Moretti der Polizei vorlegte. Was die Produktbeschreibung besonders brisant macht: Dem Bericht zufolge wird er mit der Eigenschaft "nicht brennbar" beworben. Er sei "selbstverlöschend", heißt es. Daher eigne sich das Produkt auch für "Kindergärten, Schulen, Gaststätten und Bars".
Ob tatsächlich diese Akustikschaumplatten in der Bar "Constellation" verbaut waren, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Im Zentrum steht die Frage, wie der Schaumstoff zusammengesetzt war und über welche Brandschutzeigenschaften er verfügte.
Laut "Tagesanzeiger" ist es ungewöhnlich, dass die Rechnung nicht bereits bei Durchsuchungen der Polizei am Morgen des gleichen Tages gefunden wurde. Der Zeitung zufolge befand sie sich offenbar in einer Aktentasche, die von den Ermittlern nicht kontrolliert wurde.
Was die Polizei dagegen bei Moretti fand, ist interessant. Laut "Tagesanzeiger" beschlagnahmte sie unter anderem sechs Luxusuhren. Bei seiner Anhörung am 9. Januar gab Moretti dagegen an, über keine größeren Wertgegenstände zu verfügen. Unter anderem aus diesem Grund sei die Kaution auf 200.000 Franken festgesetzt worden, heißt es. Zudem hätten die Ermittler eine Pistole vom Typ Glock 19 in einem Aktenkoffer gefunden - mit 14 Patronen im Magazin und einem weiteren, leeren Magazin. Moretti soll privat regelmäßig auf Schießständen gewesen sein. Ob er eine entsprechende Erlaubnis besitzt, ist ungewiss.