Panorama

Längster Ausfall seit 1945Berlin vier Tage nach Brandanschlag wieder komplett mit Strom versorgt

07.01.2026, 16:23 Uhr
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Auch der Katastrophenschutz aus Nordrhein-Westfalen musste zwischenzeitlich im Berliner Südwesten Licht spenden. (Foto: picture alliance / PIC ONE)

Am Tag des Kabelbrands befürchten die Berliner Behörden zunächst, dass manche Haushalte im Südwesten der Hauptstadt fünf Tage lang auf Strom verzichten müssen. Nun geht die Reparatur doch etwas schneller. Der Netzbetreiber spricht trotzdem vom längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte.

Die Stromversorgung im Südwesten von Berlin ist vier Tage nach dem mutmaßlich linksextremistischen Anschlag wieder vollständig hergestellt. Am Mittwoch sei seit 14.10 Uhr "Vollversorgung" gemeldet worden, sagte Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey vor Journalisten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Berliner Behörden.

Nach der erfolgreichen Reparatur an Hochspannungsleitungen am Tatort in der Nähe eines Kraftwerks am Teltowkanal hatte der Netzbetreiber ab Mittwochvormittag begonnen, die zuletzt noch rund 20.000 betroffenen Haushalte und 850 Gewerbebetriebe schrittweise wieder anzuschließen. Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen zunächst rund 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom. Betroffen waren auch Krankenhäuser und Pflegeheime, Schulen blieben geschlossen.

Der Stromausfall war Angaben der Stromnetz GmbH zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Erst im vergangenen September hatte ein Brandanschlag im Südosten der Stadt zu einem rund 60-stündigen Blackout geführt. Damals waren zunächst rund 50.000 Stromkunden von dem Störfall betroffen.

Schulen bleiben zunächst geschlossen

Bereits in der vergagenen Nacht konnte die entscheidende provisorische Kabelverbindung am Tatort wieder hergestellt und positiv getestet werden, teilte ein Sprecher der landeseigenen Stromnetzgesellschaft mit. Erst kurzfristig habe am frühen Morgen festgestanden, dass Tests der neuen Verbindungen erfolgreich gewesen seien, erklärte Giffey.

Insgesamt 170 Techniker und Experten waren laut Senat an der Reparatur der zerstörten Hochspannungskabel und Ersatzleitungen beteiligt und arbeiteten rund um die Uhr. Nach und nach kamen bereits in den vergangenen Tagen immer mehr Haushalte wieder ans Netz. Die Arbeiten gestalteten sich kompliziert, zum einen wegen der niedrigen Temperaturen und zum anderen aufgrund der unterschiedlichen Materialien der Kabel.

Trotz der wiederhergestellten Stromversorgung bleiben die vom Ausfall betroffenen Schulen bis zum Ende der Woche geschlossen. Ab Montag solle der Unterricht wieder regulär stattfinden, teilte die Bildungsverwaltung mit. Zuvor seien technische Prüfungen nötig. Auch die Bundeswehr bleibt zunächst vor Ort, um Menschen bei Bedarf mit warmem Essen zu versorgen. Die Wärmeversorgung muss erst wieder hochgefahren werden.

Wiederholungstäter vermutet

Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Die sogenannten "Vulkangruppen", die sich zu dem Anschlag in einem Schreiben bekannten, sind den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griffen mutmaßlich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen "Vulkangruppen", die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich reklamiert.

Quelle: ntv.de, dsc/jog/dpa/AFP

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