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Dienstag, 02. Januar 2018

Chaos in der Haftanstalt: Berliner JVA vermisst Gefangene

Zwischen Weihnachten und Neujahr flüchten sieben Häftlinge aus der Berliner JVA Plötzensee. Jetzt kommt heraus, dass sich noch mehr Insassen auf der Flucht befinden. Zurücktreten will der Berliner Justizsenator trotz der Vorfälle nicht.

Aus dem Berliner Gefängnis Plötzensee sind in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr noch mehr Häftlinge geflohen als bisher bekannt. Insgesamt geht es um neun Männer, die entweder ausgebrochen oder aus dem offenen Vollzug entwichen sind, wie Justizsenator Dirk Behrendt mitteilte. So wurde jetzt bekannt, dass auch am Samstag sowie am Sonntag je ein Häftling aus der Justizvollzugsanstalt in Berlin-Charlottenburg geflohen ist.

Unklar war, ob die Männer tagsüber von einem genehmigten Ausgang nicht zurückgekommen waren oder sich heimlich aus dem Gefängnis geschlichen hatten. Die Sicherheitsmaßnahmen im offenen Vollzug, bei dem Gefangene tagsüber außerhalb der JVA arbeiten dürfen, sind bei Weitem nicht so streng wie im üblichen Gefängnisvollzug.

Bereits vergangenen Donnerstag waren vier Gefangene aus Plötzensee ausgebrochen. Einer von ihnen stellte sich am Dienstag den Behörden. Am Freitag war bekannt geworden, dass ein weiterer Häftling nicht aus dem offenen Vollzug zurückgekehrt war. Am Montagmorgen flüchteten zwei Gefangene durch das Fenster einer Nachbarzelle. Einen von ihnen konnte die Polizei inzwischen fassen.

Justizsenator in der Schusslinie

Behrendt erklärte, es kämen "alle Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand". Das Personal in Plötzensee werde "nochmals verstärkt". Zudem habe er "eine Kommission aus internen und externen Sicherheitsexperten eingesetzt, um Schwachstellen zu analysieren und zu beseitigen".

Angesichts der desaströsen Ereignisse werden inzwischen Rücktrittsforderungen gegen den Justizsenator laut. "Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Das wäre eigentlich ein Rücktrittsgrund für einen Justizsenator", erklärte der Berliner SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck. Die SPD koaliert in Berlin seit dem vergangenen Jahr mit Grünen und Linkspartei. Ähnlich äußerten sich Vertreter der Oppositionsparteien CDU und FDP.

Behrendt wies die Forderung unter Verweis auf die Zahl der Gefängnisausbrüche insgesamt zurück. Seinen Angaben zufolge entwichen im vergangenen Jahr allein aus dem offenen Vollzug in Plötzensee 42 Häftlinge. Dabei ging es vor allem um Menschen, die Ersatzfreiheitsstrafen absitzen mussten. Diese werden beispielsweise verhängt, wenn ein Schwarzfahrer seine Geldstrafe nicht bezahlen kann - um Schwerkriminelle handelt es sich nicht. Auch in den Jahren davor gab es zwischen zehn und 43 "Ausbrüche" aus dem offenen Vollzug. Aus dem geschlossenen Vollzug brachen nach Angaben der Berliner Justizverwaltung 2014 zwei Häftlinge aus, 2015 war es einer. Ansonsten gab es seit 2010 bis zum vergangenen Donnerstag keine weiteren Ausbrüche.

Quelle: n-tv.de