Panorama

Obduktion der Armbrust-Opfer Beziehung der Toten wirft Fragen auf

Fünf Tote an zwei verschiedenen Orten, drei davon sterben durch Armbrust-Pfeile. In Passau und Wittingen arbeitet die Polizei intensiv daran, Licht in den spektakulären Fall zu bringen. Im Kern geht es um die Frage: In welcher Beziehung standen der Mann und die vier Frauen zueinander?

Im Fall der Passauer Armbrust-Morde werden langsam die Beziehungen sichtbar, durch die die Opfer miteinander verbunden waren. Demnach kannten sich die zwei Frauen und der Mann, die in der Pension in Passau durch Pfeile aus einer Armbrust ums Leben gekommen waren, bereits aus Rheinland-Pfalz. Dort waren der 53-Jährige und die 33-jährige Frau immer noch gemeldet. Torsten W. und Kerstin E. waren Hand in Hand auf dem Bett gefunden worden. Dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge starben beide durch einen Schuss ins Herz. Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien.

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Im niedersächsischen Wittingen werden die Toten abtransportiert.

(Foto: dpa)

Die dritte Tote, die 30-jährige Farina C. aus dem niedersächsischen Wittingen, lag auf dem Boden und hatte ebenfalls Verletzungen durch Armbrustpfeile. Bei ihr war nach bisherigen Erkenntnissen der Rechtsmediziner ein Schuss in den Hals tödlich. Bei keiner der drei Leichen gebe es Kampf- oder Abwehrspuren, hieß es von der Staatsanwaltschaft Passau. Bei keinem der Toten wurden Drogen- oder Medikamentenspuren gefunden. Man gehe von Tötung auf Verlangen aus.

In der Wohnung von C. fand die Polizei später zwei weitere Leichen. Die Frau soll dort gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin gelebt haben, die wahrscheinlich eine der dortigen Toten ist. Die Identität der beiden ist jedoch noch nicht endgültig geklärt. Eigentlich wollte die Polizei die Frau vom Tod ihrer Partnerin informieren.

Der "Bild"-Zeitung zufolge geht die Polizei inzwischen der These nach, dass alle Toten eine sexuelle Beziehung miteinander hatten. Der frühere Vermieter von Torsten W. berichtete RTL, dass der Mann immer gemeinsam mit Kerstin E. und Farina C. unterwegs gewesen sei. Alexander Krüger hatte eine Kneipe vermietet, in der W. eine Ritterstube betreiben wollte, außerdem eine Wohnung, in der drei Frauen wohnten. Krüger sprach davon, dass er die Frauen als Liebespaar wahrgenommen habe. W. habe die Frauen aber sehr barsch angesprochen und schlecht behandelt.

Ein Mensch, den es "nicht gibt"?

*Datenschutz

Krüger zufolge war W. wohlhabend, hatte sich als Diplom-Psychologe vorgestellt, verdiente aber sein Geld mit Pferdehandel. Sein Mieter habe sich bei ihm nach Jagdgewehren erkundigt. Später habe er seinen Mieter wegen Körperverletzung angezeigt und die Verträge gekündigt. Die Hunde der beiden waren aufeinander losgangen und W. habe "ihm eine gelangt". Da habe er von der Polizei erfahren, dass es die Person, die den Mietvertrag unterschrieben hatte, "nicht gibt". Nachdem W. ausgezogen war, habe ihm ein Privatdetektiv erzählt, er arbeite im Auftrag der Eltern einer der Frauen. "Er sollte sie aus den Fängen meines ehemaligen Mieters befreien." Inzwischen soll W. einen Mittelalterladen betrieben haben, in dem auch Kurse im Schwertkampf angeboten wurden.

Die "Bild"-Zeitung berichtet, W., E. und C. seien auf dem Rückweg aus Österreich gewesen. Dort hätten sie auch eine der Armbrüste gekauft. Warum sie dort waren, werde noch ermittelt. Das Zimmer in Passau mieteten sie demnach kurzfristig und bezahlten den Preis für drei Nächte in Höhe von 300 Euro in bar. Am nächsten Morgen fand ein Zimmermädchen die Toten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte inzwischen, dass in dem Pensionszimmer auch zwei Testamente gefunden wurden.

Noch liegen die kompletten Obduktionsergebnisse der Passauer Toten nicht vor. Die Polizei bestätigte jedoch, dass Farina C. sich selbst tötete. Auch W. und E. erschoss sie vermutlich, aus welcher Motivation, ist noch unklar. Aus Wittingen hieß es bisher nur, in der Wohnung seien keine Armbrüste oder Pfeile gefunden worden. Polizeisprecher Thomas Reuter sprach in Gifhorn davon, dass nach derzeitigem Kenntnisstand "eher nicht die gleiche Tötungsmethode" angewandt wurde wie in Passau. Auch diese Toten werden nun rechtsmedizinisch untersucht. Die Ergebnisse sollen am Mittwoch vorliegen.

Quelle: n-tv.de

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