Von Aktionen ausgeschlossen?Biologe erhebt Vorwürfe gegenüber Verantwortlichen der Walrettung

Seit fast einer Woche versuchen zahlreiche Helfer, einen mehrmals vor der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal zu retten. Anfangs ist auch Robert Marc Lehmann dabei. Doch nun sagt der Biologe, er sei von weiteren Aktionen ausgeschlossen worden. Das erntet Widerspruch.
Der an der Rettung des Buckelwals in der Ostsee beteiligte Biologe Robert Marc Lehmann hat Verantwortlichen vorgeworfen, ihn von weiteren Aktionen ausgeschlossen zu haben. Auf der Plattform Instagram berichtete er, dass Verantwortliche ihm als Grund hierfür "Selbstdarstellung" unterstellt hätten. Zudem sei er vor Ort bereits unfreundlich begrüßt worden. Vor allem erhob Lehmann Vorwürfe gegen das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAF).
Lehmann war daran beteiligt, den Wal von einer Sandbank vor dem Ort Timmendorfer Strand zu lotsen. Dies habe zunächst auch funktioniert, so der Biologe. Er sei auf ein Boot gestiegen und habe das Tier von einer weiteren Strandung fernhalten können. Doch dann sei er von der Rettungsaktion ausgeschlossen worden. Nun sieht Lehmann seine Warnungen vor einer erneuten Strandung des Wals bestätigt. "Es ist ja genauso gekommen, wie ich gesagt habe. Ich hasse es, wenn ich recht habe. Es kotzt mich auch an."
Die weitere Walrettung kritisiert Lehmann. Man dürfe den Wal nicht stressen und unter Druck setzen, sagte er. Dies sei aber nur am Anfang geschehen. "Man muss den Wal extrem gut lesen können. Man muss Wale verstehen. Man muss verstehen, was man da tut", so Lehmann weiter. Er selbst und sein Team seien auf eine wochenlange Aktion eingerichtet gewesen. Er hätte das Tier auch bis in den Atlantik gelotst, so Lehmann.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus von der SPD wies Lehmanns Anschuldigungen bei einer Pressekonferenz in Wismar zurück. "Wir haben niemanden ausgeschlossen", sagte Backhaus. Er kündigte an, mit Lehmann darüber sprechen zu wollen. "Ich glaube, damit ist auch ein Signal gesendet, dass wir Kooperation suchen, pflegen und umsetzen."
Auch der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, und Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) bekräftigten, dass niemand Lehmann aktiv von Rettungsmaßnahmen ausgeschlossen habe.
Einsatz vor Timmendorfer Strand
Lehmann hatte in den vergangenen Tagen vor Timmendorfer Strand im Neoprenanzug neben dem auf einer Sandbank gestrandeten Wal gestanden und versucht, ihn zu beruhigen und zum Losschwimmen zu animieren. In der Nacht zum Freitag befreite sich das Tier durch eine ausgebaggerte Rinne.
Am Samstag war der Wal vor Wismar gestrandet, hatte sich in der darauffolgenden Nacht befreit, lag aber später wieder in der Bucht vor Wismar. In einem Video bei Instagram forderte Lehmann am Sonntag: "Liebe Experten, ab in die Neoprenanzüge, seid für den Wal da!" Diese hatten jedoch beschlossen, das Tier in Ruhe zu lassen - in der Hoffnung, dass es Kraft tankt, sich selbst befreit und den Weg aus der Ostsee herausfindet, wie Backhaus sagte.
In den sozialen Medien stellten sich viele Nutzerinnen und Nutzer hinter Lehmann und wünschten sich seine erneute Beteiligung an einer Rettung des Wals. Den YouTube-Kanal des Biologen haben mehr als eine Million Menschen abonniert, auf Instagram hat er rund 789.000 Followerinnen und Follower.