Panorama

Bruch mit russischer Orthodoxie Bischöfe gründen ukrainische Nationalkirche

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Ukrainisch-orthodoxe Priester beten vor der Sophienkathedrale in Kiew.

(Foto: REUTERS)

Der ukrainischen Orthodoxie steht eine Spaltung bevor: Ein Teil der Kirchen will zu einer eigenen Nationalkirche fusionieren, die nicht mehr der russisch-orthodoxen Kirche unterstehen würde. Dort warnt man bereits vor Verfolgungen von Priestern.

Die Bischöfe mehrerer orthodoxer Kirchen haben sich in Kiew zur Gründung einer eigenständigen ukrainischen Nationalkirche versammelt. Vor der ältesten Kirche der Stadt, der Sophienkathedrale, bekundeten Tausende Menschen mit ukrainischen Fahnen ihre Unterstützung für eine kirchliche Loslösung von Russland. Mehrere Gläubige sagten, sie seien auf Veranlassung ihrer jeweiligen Kirche kostenlos mit dem Bus zu der Kundgebung gebracht worden.

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Präsident Poroschenko nutzt den Tag für seinen Wahlkampf.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kam als Ehrengast zur Synode. "Wir stehen hier und beten, dass eine ukrainische Kirche heute Wirklichkeit wird", sagte er nach Medienberichten. Der Staatschef hat die Kirchenpläne als Teil seines Wahlkampfs für 2019 vorangetrieben. Die Polizei sicherte mit etwa 4000 Einsatzkräften das Zentrum der ukrainischen Hauptstadt.

Die meisten Bischöfe, Priester und Laien in der Versammlung kamen von zwei kiewtreuen Kirchen, die aber von den anderen orthodoxen Kirchen weltweit kirchenrechtlich bislang nicht anerkannt sind. Die meisten Gläubigen zählt die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats. Sie will zusammen mit kleineren ukrainisch-orthodoxen Kirchen zur vereinten Nationalkirche fusionieren. Von der moskautreuen Kirche in der Ukraine kamen nach Medienberichten nur 2 der mehr als 90 Bischöfe zur Synode. Sie zählt allerdings die meisten Priester, Kirchen und Klöster in der Ex-Sowjetrepublik und verfügt nach wie vor über beträchtlichen Einfluss im Land.

"Brutaler Druck auf Kleriker"

Die russisch-orthodoxe Kirche betrachtet das Nachbarland als ihr angestammtes Gebiet. Das in Istanbul ansässige Ökumenische Patriarchat hatte aber im Oktober der Unabhängigkeit der ukrainisch-orthodoxen Kirche zugestimmt. Die oberste Autorität der Orthodoxie, der Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, will zudem im Januar der neuen ukrainischen Kirche die Eigenständigkeit zuerkennen.

Dies würde es den Orthodoxen in der Ukraine erstmals seit mehr als 300 Jahren ermöglichen, sich der Aufsicht der russisch-orthodoxen Kirche zu entziehen. Die russisch-orthodoxe Kirche verkündete daraufhin einen Bruch mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel.

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, warnte vor der "Verfolgung" der moskautreuen Kirche in der Ukraine. "Die Einmischung des säkularen ukrainischen Staates in Kirchenangelegenheiten ist zu brutalem Druck auf Kleriker der (moskautreuen) ukrainisch-orthodoxen Kirche geworden", schrieb er in einem Brief, wie sein Büro mitteilte. Das Schreiben war unter anderem an den Papst, die UNO, Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron gerichtet.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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